Vertreter der polnischen Minderheit tagen trotz Verbots

15. März 2009, 17:33
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Polizei griff nicht ein - "Der Verband hat seine Stärke bewiesen"

Warschau - Vertreter der in Weißrussland lebenden polnischen Minderheit haben am Sonntag ungeachtet eines offiziellen Verbots ein Treffen veranstaltet. Bei der Veranstaltung in Grodno bestätigte der Verband der Polen in Weißrussland (ZPB) seine Präsidentin Andzelika Borys im Amt, wie das polnische Fernsehen TVP Info berichtete. "Der Verband hat seine Stärke bewiesen", wurde Borys zitiert.

Die Behörden von Grodno hatten das Treffen untersagt. Ein ZPB-Aktivist, Andrzej Poczbut, sagte, die Teilnehmer seien vor der Veranstaltung vom Geheimdienst massiv unter Druck gesetzt worden. So sei ihnen mit dem Verlust der Arbeitsplätze gedroht worden. Das Treffen selbst sei ruhig verlaufen, die Sicherheitskräfte hätten nicht eingegriffen, berichtete TVP Info.

Treffen mit Kaczynski

Der polnische Präsident Lech Kaczynski hatte Borys und ihre Mitarbeiter am vergangenen Freitag in Warschau demonstrativ empfangen. Über die Lage in Weißrussland wollen am Montag die EU-Außenminister beraten. Offen bleibt, ob der autoritär regierende weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko zum EU-Gipfel über die Zusammenarbeit mit osteuropäischen Staaten (Ostpartnerschaft) im Mai eingeladen wird. Das polnische Außenministerium hatte Medienberichte dementiert, wonach Warschau sein Ja zur Teilnahme Lukaschenkos von der störungsfreien Durchführung des ZPB-Kongresses abhängig gemacht habe.

Die Behörden in Minsk betrachten den Verband der Polen als illegal. Unter Aufsicht des Geheimdienstes wurde eine Gegenorganisation der polnischen Minderheit gegründet. Warschau lehnt jede Zusammenarbeit mit diesem Verein ab. Nach offiziellen Angaben leben in Weißrussland rund 400.000 Polnischstämmige, nach polnischen Schätzungen könnte ihre Zahl doppelt so hoch sein. (APA/dpa)

 

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