Gratiskino im Internet

Markus Drenckhan
15. März 2009, 16:46
  • Hulu und Co. bieten ein attraktives und kostenloses Film-Portfolio für Internetsurfer - bislang leider nur für US-Amerikaner.
    hulu.com

    Hulu und Co. bieten ein attraktives und kostenloses Film-Portfolio für Internetsurfer - bislang leider nur für US-Amerikaner.

Der halbherzige Versuch der Filmindustrie illegale Angebote auszustechen - Ein Überlick zur Lage des Streaming-Marktes

Man könnte aus der Geschichte lernen – will man Fehler anderer nicht wiederholen. Das scheinen die großen Filmstudios in Hollywood aber noch nicht verinnerlicht zu haben. Im Online-Geschäft mit digitaler Musik hat Apple derzeit eine sehr stabile Marktdominanz, da viele Mitbewerber die Entwicklung verschlafen haben.

Die Filmindustrie vermittelt den Eindruck, dass es ihr wichtiger sei, Raubkopien und -kopierer aufzuspüren. Es gibt kaum eine legale Alternative, auf die jeder, weltweit und zu bezahlbaren Preisen zugreifen kann. Auf der Internetseite der Dachorganisation der Filmindustrie, der Motion Picture Association, dominieren Informationen und Nachrichten über den Kampf gegen die Internet-Piraten; das legale Angebot von Spielfilmen und Serien ist gut versteckt auf einer Unterseite.

Legal und kostenlos

Die Marktanalysen unterscheiden derzeit nicht zwischen den sozialen Videoportalen und den Vertriebskanälen der Filmstudios. Deswegen liegen die Google-Tochter YouTube, die zu Rupert Murdoch/Fox gehörenden MySpace-Seiten sowie Yahoo auf den vorderen Plätzen der Marktanteile. Dahinter teilen sich die Märkte – je nach regionaler Verfügbarkeit der Angebote. In USA folgt danach der Viacom-Medienkonzern mit den Angeboten von MTV, VH1, Nickelodeon und Comedy Central. Seit Ende 2007 auf dem Markt ist das von NBC und Fox initiierte Angebot Hulu. Innerhalb kurzer Zeit konnte Hulu viele Stammbesucher dazu gewinnen. Dahinter liegen das Angebot des Turner Networks und von Disney Vergleichbare Dienste bietet unter anderem CBS und Warner Brothers. (Angaben zu amerikanischen Marktanteilen)

Diese Internetseiten der Film- und Medienfirmen bieten Fernsehserien und Spielfilme als Video-Streaming. Finanziert werden die Angebote durch Werbeunterbrechungen. Das große Problem für europäische Nutzer ist die regionale Beschränkung: Nutzer mit IP-Adressen außerhalb der USA können auf das Angebot nicht zugreifen. Dazu sind die Video-Internetdienste aufgrund weitreichenden Urheber- und Ausstrahlungsrechte verpflichtet. Es gibt ein paar Möglichkeiten, die IP-Sperre zu umgehen; die meisten Programme verwenden dafür eine Umleitung über einen Proxy-Server in den USA. Angesichts der Datenmengen beim Video-Streaming kann das allerdings zu Einbußen beim Filmgenuss führen.

In der deutschen Liste der meistbesuchten Seite sind vor allem die Seiten der Pro7-/Kirch-Gruppe beispielsweise Maxdome und RTL/Bertelsmann ganz vorn mit dabei. Aber auch Megavideo ist ein beliebter Anbieter im deutschsprachigen Raum. (Angaben zu deutschen Marktanteilen).

Googles Ambitionen

YouTube möchte seine Marktführerschaft in diesem Bereich nutzen und arbeitet derzeit an der Einführung eines Videoportals für Spielfilme. Als Partner konnte die Google-Tochter bereits das große Hollywood-Studio MGM gewinnen. Ein anderes sehr erfolgreiches Projekt ist Joost, ins Leben gerufen von den Gründern von Skype und Kazaa. Joost profitiert von der Zusammenarbeit unter anderem mit CBS, Nickelodeon, dem Viacom-Konzern und Warner Brothers; Musikvideos kommen von MTV und VH1.

Generell konkurrieren alle Anbieter von werbefinanzierten Video-Streaming-Diensten mit den Online-Händlern für Serien und Spielfilme. Viele Filmfirmen liefern nur Serien und Spielfilme zweiter Wahl oder alte Filme an die kostenlosen Portale. Die neueren Produktionen bleiben den Bezahlseiten vorbehalten. Dazu kommt, dass Werbeunterbrechungen vom Nutzer auf die Dauer nicht akzeptiert werden und dazu führen, dass sich die Zuseher nach Alternativen umsehen

Illegale Angebote umfangreicher

Das Angebot von illegalen Streaming oder Download-Angeboten ist tatsächlich um einiges vielfältiger als die legalen Seiten. Wer danach sucht, findet schnell die entsprechenden Angebote. Die Erhöhung der Übertragungsbandbreitern und der Downloadkapazitäten hat es in den letzten Jahren möglich gemacht, auch größere Dateipakete in hoher Zahl zu bewegen. Technisch ist die illegale Szene ziemlich einfallsreich, um der Strafverfolgung mithilfe von Gesetzeslücken oder der Aufteilung der Infrastruktur auf verschiedene Länder zu entgehen. Die Tauschbörsen werden als Peer-to-Peer-Netzwerke aufgebaut, bei denen der Nutzer eigene Dateien für die Verbreitung freigibt. Oder die Inhalte werden bei File-Hostern gespeichert; ausgetauscht werden lediglich die Links zu diesen Dateien.

Legal oder illegal?

Für den Nutzer ist es nicht einfach, die Grenzen zwischen legalem und illegalem Angebot zu erkennen. Ohne einen Rechtsbeistand kann ein normaler Nutzer kaum entscheiden, ob der Zugriff auf ein US-Angebot mit der IP-Adresse eines US-Proxy-Servers strafbar ist, einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen des Anbieters darstellt oder trickreich, aber legal ist. Rechtlich nicht unumstritten sind auch die so genannten Online-Videorekorder, die Fernsehsendungen aufzeichnen und wiedergeben. Eine Liste legaler Angebote gibt es bei Grid-TV. Über andere Dienste wie zum Beispiel ShiftTV oder OnlineTVRecorder werden gerichtliche Auseinandersetzungen geführt, die noch nicht abgeschlossen sind. In vielen Fragen ist der Hausverstand gefragt und notwendig: die mitgefilmte Kopie des allerneuesten Hollywood-Streifens wird ebenso wenig rechtlich abgesegnet sein wie der kostenlose Download einer neuen DVD.

Scheinbar kein Fortkommen

Angesichts der schwierigen Rechtslage und der notwendigen technischen Voraussetzungen für einen Video-Streaming-Dienst, der von vielen Nutzern gleichzeitig aufgerufen werden kann, ist die Lage der Filmindustrie nicht einfach. Allerdings gibt es auch wenig kreative Energie und Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit von Hulu mit dem Dienst Boxee wurde gerade erst kurzfristig und überraschend beendet.

Ein sinnvollerer Ansatz könnte auch sein, das gut organisierte und weitreichende Netzwerk der Piratenbörsen als Distributionskanal zu gewinnen; wer seinen Gegner nicht schlagen kann, sollte sich mit ihm verbünden. (Markus Drenckhan, derStandard.at)

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Am einfachsten zu handhaben finde ich
http://movies.msn.de
Ganz ohne Anmeldung und den Jugendschutz hat man durch Zeitbeschränkung auch verwirklicht.

Hier auch noch ein Link zu Arte:
http://plus7.arte.tv

uebrigens: es pielt grad 'menschenrechte, einewiger kampf' ^|^

die scheinen, die zeichen der zeit erkannt zu haben. bringt ihnen auch eine groessere zuschauer- und fangemeinde.

Ein sinnvollerer Ansatz könnte auch sein, das gut organisierte und weitreichende Netzwerk der Piratenbörsen als Distributionskanal zu gewinnen; wer seinen Gegner nicht schlagen kann, sollte sich mit ihm verbünden. (Markus Drenckhan, derStandard.at)

Napster!? funktioniert nicht immer!

alternativen?

der hinweis auf grid-tv gefällt mir. ich hab ja nichts gegen zahnarzt-tv oder reiter-tv, aber alternativen sind das wohl kaum.

was hab ich da gerade im Beitrag gelesen ? ..
nur über Proxy möglich ? .. mit Qualitätseinbusen ?

Man kann es hier legal anschauen .. ohne einen großen Aufwand ... einfach mit einen VPN provider aus den USA .. meistens Kostenpflichtig aber eine Alternative ..

Für was ältere Staffeln von Simpons, CSI, Grey´s Anatomy usw. anschauen .. wenn in den Staaten eh die neuen Staffen und Sendungen sofort verfügbar sind ..

Hat aber ebenso einen Haken, denn

man kann sich die dortigen, logischerweise, nur auf Englisch anschauen.
Bei ein paar Sendungen ist das ein Vorteil, bei Simpsons und Konsorten hingegen ein klarer Nachteil.

Da warte ich lieber auf die überarbeitete Version.

simpsons auf englisch ein nachteil?

ist das ihr ernst?

Mal Butter bei de Fisch...

Bei Simpsons/Futurama und Konsorten bevorzuge ich definitiv die deutsche Version!
Das ist aber auch mit zwei Punkten zu begründen:
1. Wird der Originaltext nicht Eins zu Eins übersetzt, sondern eben der Wortwitz an sich.
2. Wenn man sich über Jahre hinweg an die deutschen Stimmen gewöhnt hat, man einfach über die Englische nicht mehr lachen kann. Reine Gewohnheitssache.

@cheesus1
Bei Filmen gebe ich Ihnen allerdings Recht. Da sparen die an genau dieser Stelle und was noch schlimmer hinzukommt: Wenn man sich an Synchronisationen gewöhnt hat, ist man umso mehr überrascht, wenn man mal einen Film (in meinem Falle deutsch/englisch/französisch) im Originalton hört und sich wundert, warum die Stimmen nicht so isoliert klingen. *lach*

Der Wortwitz würd übersetzt?
Kleines Beispiel:

Mark Hamill zu Homer auf englisch: "Homer, use the fork!" Homer: "The force?", Mark Hamill "No, the fork!"

Gleicher Dialog auf deutsch: "Homer, benutze die Gabel!" "Was, die Macht?" "Nein, die Gabel"

also bei den simpsons wuerd ich's mit: benutz die kraft des mittelfingers' uebersetzen :)

also wenn schon butter

ad 1) DAS ist ja genau das problem, nämlich daß der wortwitz von den meisten englischen wortspielen/-witzen nicht übersetzt werden kann.

ad 2) die deutschen stimmen sind keinesfalls schlecht, ich habe simpsons selbst jahrelang deutsch gesehen. tatsache ist aber, daß die "original"stimmen (weil vom schöpfer selbst abgesegnet) den charakter der figuren einfach besser wiedergeben. der beste vergleich ist da marge - im original eine nörgelstimme, auf deutsch klang sie doch (btw nichts gegen frau volkmann, RIP) viel zu hochtrabend

aber geschmäcker sind ja... bla bla bla ;)

"kann nicht übersetzt werden..."

Da gebe ich ihnen zum Teil schon recht.
Allerdings kann ich von mir leider nicht behaupten, dass ich gedanklich das gehörte nicht ins Deutsche übersetze (was eine professionelle Übersetzung sicherlich besser löst als ich) und ich kann auch nicht behaupten, dass ich alles verstehe (bei schlechter Aussprache, Slang, schlechter Ton, ...).
Und ich behaupte nun auch, dass dies auf 98% der österreichischen Bevölkerung zutrifft (was aber natürlich viele nicht zugeben würden)
noch zur Info: Mein Englisch ist "verhandlungssicher"

mfg

Ich würde mein Englisch nicht als "verhandlungssicher" bezeichnen und verstehe trotzdem alles, wenn ich mir die Simpsons im Originalton ansehe. Und im Kopf ins Deutsche übersetzen brauch ich schon garnicht.

Was genau sind denn das für Verhandlungen, die Sie da führen? "SO Hungry"(© Homer Simpson)?

ok, das kann ich natürlich nachvollziehen

ich kann von mir selbst zB nicht behaupten, "verhandlungssicher" englisch zu sprechen, zumindest nicht im geschäftsleben, da mir hier die notwendigen vokabeln fehlen oder zumindest nicht immer gleich einfallen.

ich schaue seit einigen jahren simpsons, family guy, futurama, american dad, dexter, lost, house md, heroes, breaking bad uvm. ausschließlich auf englisch -
da habe ich mich an slang und aussprache gewöhnt.

aber vielleicht wollen sie es auch mal probieren, ein paar folgen hintereinander. kann mir gut vorstellen, daß sie dann vielleicht auch wechseln wollen :)

mfg

...wenn man Jens Kampe heißt, mag das womöglich schon so sein

Orakel?

Wenn Sie meine Fernsehgewohnheiten schon anhand meines Namens deuten können, schließe ich aber besser meine Unterwäsche doppelt weg.

Simpsons auf Deutsch?!

Blasphemie!!!

also ich finde serien usw. meist im originalton (wenns halt englisch ist) um einiges besser, denn es oftmals geht durchs übersetzen viel gewollter charme bzw. humor verloren.

Was heißt hier "oftmals"?

Ich kann fast gar keine amerikanischen Filme mehr anschauen, weil die dt. Synchronisationen die original Atmosphäre meist nicht mal im Ansatz wiedergeben.

Wenn ein Schauspieler z.B. verzweifelt ist, dann soll er auch verzweifelt klingen und nicht übertrieben gespielt verzweifelt. Man muss doch nur mal den Ton ohne Bild anhören um festzustellen, dass hier im deutschen total übertrieben und aufgesetzt gesprochen wird.

Bei den Simpsons lass ich mir das noch gefallen, aber nicht bei Hollywood-Filmen.

Naja, und die deutschen Schauspieler kannst meist in der Pfeife rauchen. Daher für mich am liebsten Dokus.

in einem punkt muss ich ihnen widersprechen

hab letztens "der texaner" mit clint eastwood gesehen. im original englischen rotzt, nörgelt, grummelt clint weit nicht so gut wie in der deutschen version. da schießt der sprecher echt den vogel ab - wenn man nur auf das schaut macht man sich schon deswegen in die hose. habs mir extra in beiden sprachen angeschaut, deutsch is echt amüsanter.
beste szene: wo er dem typen im weißen anzug auf der fähre richtig schön mit kautabak eindeckt. grenzgenial sein kommentar dazu. sehenswert

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