Gewalttätige Krawalle im Großraum Paris

15. März 2009, 13:46
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Polizisten wurden von Jugendlichen in eine Falle gelockt und angegriffen - Regierung verstärkt Sicherheitsmaßnahmen in der Ile-de-France

Paris - In der Nacht auf Sonntag ist es in zwei Pariser Vorstädten zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Jugendbanden und Sicherheitskräften sowie zur Attacke auf ein Kommissariat gekommen. Innenministerin Michele Alliot-Marie (UMP) hat daraufhin die Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen angekündigt, um eine Wiederholung der Straßenkämpfe zu verhindern.

Bei den Krawallen wurden in Les Mureaux im Departement Yvelines 21 Polizisten leicht verletzt und acht Jugendliche festgenommen. Ein Minderjähriger befindet sich nach den Angaben weiterhin in Polizeigewahrsam. In Montegron, einer anderen Pariser Vorstadt, wurde in der Nacht auf Sonntag ein Polizeikommissariat zur Zielscheibe von Gewehrschüssen. Die beiden Orte gelten gemeinhin als sozial benachteiligt.

An der Eingangstür wurden die Spuren von rund 250 Bleikugeln gefunden, gab die Polizeipräfektur am Sonntag bekannt. Verletzt wurde niemand. Zum Zeitpunkt der Attacke befand sich in der Polizeistation ein Verdächtigter in Haft.

Hinterhalt

Nach Angaben des örtlichen Sicherheitsdirektors Christian Loiseau gerieten die Polizisten in Les Mureaux gegen 20.30 Uhr in einen Hinterhalt, als sie wegen eines brennenden Autos anrückten und von hunderten Jugendlichen mit Steinwürfen und Gewehrschüssen angegriffen wurden. Der Gewehrschütze konnte nach den Angaben nicht gefasst werden. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen dehnten sich im Laufe des Abends auch auf benachbarte Wohnviertel aus. Vor Ort stellten die Sicherheitskräfte dutzende Molotowcocktails sicher.

Die Attacken könnten laut Loiseau mit dem Tod eines Jugendlichen aus Le Mureaux in Zusammenhang stehen. Dieser war am 8. März während eines Polizeieinsatzes erschossen worden. In der offiziellen Version handelte es sich dabei um Notwehr. Der Jugendliche befand sich mit drei weiteren Personen in einem Auto, das bei einer Polizeikontrolle erst nach einer Verfolgungsjagd angehalten werden konnte.

Innenministerin Alliot-Marie begrüßte am Sonntag den "professionellen Einsatz" und die "Effizienz" der Polizisten. Sie sprach den verletzten Beamten überdies ihre "volle Solidarität und Unterstützung" aus. "Die Sicherheit wird in den betroffenen Stadtvierteln verstärkt, um entschlossen auf solche Akte reagieren zu können", betonte die Politikerin.

Vergangenen Mittwoch hatte Präsident Nicolas Sarkozy (UMP) seine Ministerin damit beauftragt, binnen Monatsende einen "Aktionsplan" vorzulegen, um den Kampf gegen die "gewalttätigen Banden" in den benachteiligten Vorstädten zu verstärken. (APA/red)

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