Polizei nach Festnahmen mit Brandbomben attackiert

15. März 2009, 18:44
2 Postings

Polizeichef Orde sagt IRA-Splittergruppen den Kampf an - Warnung vor Hunderten "sehr gefährlichen" Aktivisten

Belfast/London - Nordirland ist am Wochenende nicht zur Ruhe gekommen: Nach der Festnahme eines ehemaligen IRA-Mitglieds im Zusammenhang mit den jüngsten Anschlägen attackierten vermummte Jugendliche südwestlich von Belfast Polizisten mit Brandbomben und Steinen. Zudem wurde die wichtigste Bahnstrecke zwischen Belfast und Dublin blockiert. Die Polizisten waren durch gepanzerte Fahrzeuge und flammensichere Anzüge geschützt, ein Beamter wurde jedoch von einem Pflasterstein verletzt. Der nordirische Polizeichef Hugh Orde warnte, es gebe Hunderte "sehr gefährliche" gewaltbereite Aktivisten, die den Friedensprozess in Nordirland aushebeln wollten.

Der ehemalige Kämpfer der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA), Colin Duffy, wurde am Samstag gemeinsam mit zwei weiteren Verdächtigen festgenommen. Die Polizei verhörte am Sonntag diese drei Männer sowie einen weiteren Verdächtigen wegen des Anschlags auf die Kaserne in Antrim nordwestlich von Belfast, bei dem am 7. März zwei britische Soldaten getötet worden waren. Zu der Tat hatte sich die Splittergruppe "Real IRA" ("Wahre IRA") bekannt.

Distanzierung

Duffy hatte sich vom ehemaligen politischen Arm der IRA-Bewegung, der Partei Sinn Fein, distanziert, seitdem diese mit den protestantischen Unionisten in der nordirischen Regierung zusammenarbeitet. Nach Duffys Festnahme wurde die Polizei in dessen Heimatstadt Lurgan südwestlich von Belfast von einer Gruppe von etwa 20 vermummten Jugendlichen angegriffen, die die Beamten mit Steinen und Brandbomben bewarfen. Dabei wurden ein Polizist am Arm verletzt und zwei Jugendliche festgenommen.

Bei der Fahndung im Zusammenhang mit dem tödlichen Anschlag auf einen Polizisten in Craigavon südwestlich von Belfast am vergangenen Montag fand die Polizei bei einer Durchsuchung eine Schusswaffe und Munition. Ein Mann und eine Frau wurden am Samstag in Craigavon im Zusammenhang mit "schwerwiegenden terroristischen Straftaten" festgenommen, wie die Polizei weiter mitteilte. Die Verantwortung für den Polizistenmord hatte die IRA-Abspaltung "Continuity IRA" übernommen.

Konsequentes Vorgehen angekündigt

Der nordirische Polizeichef kündigte ein konsequentes Vorgehen gegen die IRA-Splittergruppen an. Laut Orde gab es in Nordirland in den vergangenen 18 Monaten mindestens 25 Versuche gewaltbereiter Aktivisten, Polizisten zu töten. "Nach derzeitiger Kenntnis beträgt deren Zahl rund 300 in einer Bevölkerung von 1,75 Millionen", schrieb Orde in einem Beitrag für die Zeitung "News of the World on Sunday". "Sie sind sehr gefährlich, wie jedes in die Enge getriebene Tier im Todeskampf", hieß es in dem Beitrag weiter.

Gegenüber dem Sender BBC verwarf Orde Befürchtungen, die Splittergruppen könnten Angriffe auf hochrangige Persönlichkeiten in ganz Großbritannien verüben. Die Bedrohung richte sich allein gegen Nordirland, wo diese "kleinen, marginalisierten" Gruppen bereit seien, Polizisten und Sicherheitskräfte zu töten. Orde wies auch Forderungen nach Patrouillen der Armee in den Straßen zur Unterstützung der Polizei zurück.

Die jüngsten Attentate waren der schlimmste Gewaltausbruch in Nordirland seit mehr als einem Jahrzehnt. Am Mittwoch hatten Tausende Nordiren mit Schweigemärschen gegen die Morde in der britischen Provinz protestiert. Die Angriffe auf Militär und Polizei waren über alle Parteigrenzen hinweg verurteilt worden. Auch Vize-Ministerpräsident Martin McGuinness von der Sinn-Fein-Partei, die nach wie vor für ein vereinigtes Irland steht, hatte die Täter als Verräter der Hoffnungen aller Menschen auf der Insel kritisiert. (APA/dpa/AP/Reuters)

Share if you care.