Deutscher Bundespräsident: Finanzmärkte wieder in Schranken weisen

14. März 2009, 19:27
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"Der Markt braucht Regeln und Moral" - Hohe Millionenbeträge für Manager stünden in keinem Verhältnis zur Leistung

Hannover - Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat Fehlverhalten und Gehaltsexzesse in der Wirtschafts- und Finanzwelt angeprangert: "Es gab Exzesse. Da kann die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Köhler der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

"Wenn manche Manager in wenigen Jahren mit zwei- bis dreistelligen Millionenbeträgen vergütet wurden, steht das in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung. Zumal sie jetzt einen Scherbenhaufen hinterlassen haben, ohne persönlich nennenswert zu haften", sagte der Bundespräsident. Es habe eindeutig Fehlverhalten gegeben.

"So etwas tut man nicht"

"Was einigen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht", erklärte Köhler, der früher Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF/IMF) war und sich um eine Wiederwahl im Mai bemüht. Es gehe "auch um Fragen des Anstands".

Das deutsche Staatsoberhaupt forderte die Finanzelite auf, sich einer kritischen Selbstreflexion zu unterziehen. Dies gehe vor allem auch die Aufsichtsorgane der Finanzinstitutionen an. Die Spitzen im Finanzgeschäft hätten sich nicht nur von der Realwirtschaft entfernt, sondern von der Gesellschaft insgesamt.

Unternehmen könnten nur dauerhaft Wertschöpfung erbringen, wenn sie in die Gesellschaft eingebettet seien und von ihr getragen werden, mahnte Köhler. "Verschwindet dieses Bewusstsein, zum Beispiel, wenn die Unterschiede in den Bezügen zu groß werden, dann steigen die Spannungen in unserer Gesellschaft ", warnte er.

Auf den Finanzmärkten ist nach Ansicht des Bundespräsidenten "eklatant" gegen die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft verstoßen worden, die Freiheit und Verantwortung zum Nutzen aller vereinige. "Die Freiheit war hier praktisch schrankenlos geworden. In schrankenloser Freiheit aber steckt auch Zerstörungskraft. Deshalb muss es jetzt darum gehen, die Finanzmärkte wieder in die Schranken zu weisen, sie zu kultivieren", forderte Köhler. "Der Markt braucht Regeln und Moral", sagte er. (APA/AP)

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