Eltern dementieren psychiatrische Behandlung

14. März 2009, 20:16
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Erwägen rechtliche Schritte gegen Arzt: "Er hat seine Schweigepflicht gebrochen" - Polizei verwickelt sich in Widersprüche

Die Eltern von Tim K. ziehen nun auch rechtliche Maßnahmen in Betracht. "Wir erwägen, strafrechtliche Schritte gegen den Arzt einzuleiten. Er hat seine Schweigepflicht gebrochen", sagte der Rechtsanwalt der Eltern, Achim Bächle, der "Bild am Sonntag"

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Winnenden - Bei den Ermittlungen rund um den Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger vergangenen Mittwoch 15 Menschen getötet hat, gibt es weiterhin Ungereimtheiten. 30 Beamte seien auch am Wochenende mit Befragungen von Schülern, Lehrern und sonstigen Augenzeugen der Tat beschäftigt, sagte der Sprecher der zuständigen Polizei in Waiblingen, Klaus Hinderer, am Sonntag.

Computer wird noch ausgewertet

Ermittler des Landeskriminalamts werteten auch weiter den Computer des Täters Tim K. aus. Es sei aber nach wie vor unklar, ob die Ankündigung der Tat in einem Internet-Chat echt oder gefälscht sei. Vergangene Woche hatte es heftige Kritik am baden-württembergischen CDU-Innenminister Heribert Rech gegeben, als dieser in einer Pressekonferenz bekannt gab, Tim K. habe seine Tat im Internet angekündigt. Die Betreiber der Website krautchan.de behaupteten hingegen, die "Botschaft" sei gefälscht, die Polizei sei auf jemanden hereingefallen, der mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop umgehen könne.

Keine gesicherten Hinweise auf Killerspiel

Am Samstag teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit, dass Tim K. eine große Zahl von Pornobildern auf seinem Computer hatte. Darunter hätten sich auch sogenannte Bondage-Bilder befunden, die nackte gefesselte Frauen zeigten. Es gebe keine gesicherten Hinweise, so Hinderer, dass K. das Killerspiel "Far Cry 2" exakt am Abend vor der Tat gespielt habe, wie Der Spiegel berichtete.

Psychiatrische Klinik

Trotz eines Dementis der Eltern bleiben Polizei und Staatsanwaltschaft bei ihrer Aussage, dass Tim K. mehrmals in einer psychiatrischen Klinik vorstellig geworden sei. Die Eltern hatten am Samstag über ihren Anwalt erklärt, ihr Sohn sei nie in psychotherapeutischer Behandlung gewesen. Polizei, Staatsanwaltschaft und der Ärztliche Direktor des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg bestätigten hingegen erneut, dass der Jugendliche wegen Depressionen behandelt worden sei. Der Rechtsanwalt der Ehepaares sagte: "Es gab keine psychotherapeutische Behandlung des Jungen."

Ambulante Behandlungen seien etwas ganz anderes, ergänzte er. Hintergrund des Streits könnte sein, dass die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den Vater prüft. Sollte bei Tim K. eine "Amokneigung" ersichtlich gewesen sein, könnte sich der Vater der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben, weil er eine seiner Waffen im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. (AP, red, DER STANDARD Printausgabe 16.3.2009)

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    Keine gesicherten Hinweise gebe es dafür, dass der Amokschütze aus Winnenden das Killerspiel "Far Cry 2" exakt am Abend vor der Tat gespielt habe, wie es der "Spiegel" am Samstag im Voraus berichtet hatte. Die Zeit, zu der er den PC ausschaltete, angeblich 21.40 Uhr, kann ebenfalls nicht bestätigt werden, wie Polizeisprecher Klaus Hinderer erklärte

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