Tatverdächtiger widerspricht SPD-Abgeordnetem Tauss

14. März 2009, 16:45
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Angeblich soll SPD-Politiker mehr als 1.000 Euro für Kinderpornografie bezahlt haben - Druck aus der Partei wächst

München - Im Fall des unter Kinderpornografie-Verdacht stehenden deutschen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss hat der beschuldigte Bremerhavener Lagerarbeiter Sascha H. nach "Focus"-Informationen ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Darin widerspreche er der Darstellung des SPD-Politikers, schreibt das Magazin. Die Staatsanwaltschaft war am Wochenende zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

H. berichtete dem "Focus" zufolge detailliert von Postsendungen mit kinderpornografischem Inhalt, die er an Tauss schickte. Der SPD-Politiker soll nach Aussage des 29-Jährigen insgesamt "mehr als 1.000 Euro" für die Kinderpornos gezahlt haben. Tauss hatte am Mittwoch eingeräumt, einschlägiges Material aus Bremerhaven erhalten zu haben. Er sei aber kein Pädophiler. Er habe in der Szene recherchiert, um einen Kinderpornoring aufzudecken und zweimal 100 Euro an H. geschickt.

Wohnung als Lieferadresse

Laut "Focus" stellten Ermittler in der Bremerhavener Wohnung von H. umfangreiches Material sicher, unter anderem einen Briefumschlag, in dem Tauss ihm Geld geschickt habe. Auf einem Zettel hatte der Politiker seine Berliner Wohnung als Lieferadresse angegeben. H.s Anwalt Thomas Domanski sagte dem "Focus": "Wenn Tauss sich jetzt als Opfer darstellt, entspricht das nicht dem Stand der Ermittlungen." Tauss' Darstellung sei "abenteuerlich".

Tauss hatte wegen der Ermittlungen seine Ämter in der Bundestagsfraktion sowie das Amt des Generalsekretärs der Südwest-SPD niedergelegt. Sein Bundestagsmandat wollte er zunächst behalten. Bei den Sozialdemokraten wächst allerdings der Druck, auch dieses Mandat abzugeben.

Der rechtspolitische Sprecher der baden-württembergischen SPD-Landtagsfraktion, Rainer Stickelberger, sagte: "Tauss muss möglichst schnell sein Mandat niederlegen und auf die Kandidatur bei der kommenden Bundestagswahl verzichten." Tauss steht auf der SPD-Landesliste an Platz sieben. "Ich möchte nicht in den Wahlkampf ziehen, wenn mir diese Liste entgegengehalten wird", sagte Stickelberger. Der Landtagsabgeordnete Georg Nelius sagte: "Wer Mist gebaut hat, muss gehen! Bei diesem Vorwurf bleibt immer etwas hängen." (APA/AP)

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