Mustervorstadt statt Müllzentrale

13. März 2009, 21:16
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Der Wohnpark für Neu-Stadlau nimmt langsam Formen an – Ein wichtiger Impuls für die Baubranche, freut sich die Stadtregierung

Wien - Für den Wohnbaustadtrat ist das Projekt Neu-Stadlau „ein weiterer Beweis dafür, dass Ghettoisierung in Wien kein Thema ist." Das neue Wohn- und Arbeitsviertel am Nordrand werde nämlich künftig in Sachen sozialer Durchmischung und friedlicher Koexistenz verschiedener Generationen als Musterbeispiel gelten, sagt Michael Ludwig (SP).

Wer auf das ehemalige Industriegelände zieht, kann theoretisch das ganze Leben lang bleiben. Denn auf dem Grundstück an Stadlauer und Erherzog-Karl-Straße zieht die Stadt Wien - gemeinsam mit privaten Bauträgern - ein Quartier hoch, in dem neben geförderten Wohnungen, Büros, Geschäften und Gewerbebetrieben auch ein Studentenheim sowie ein Geriatriezentrum Platz finden.

Ab September soll gebaut werden, der Wohnpark von Neu-Stadlau (Oase 22) besteht aus vier Teilen, den vier unterschiedliche Bauträger errichten. ÖSG stellt ein kleines Dorf mit freistehenden Wohnhäusern hin, ÖSW eine Anlage mit einer Reihe von Sportmöglichkeiten, Buwog ein Objekt mit unterschiedlichen Loftvarianten und die Gesiba ein Generationen-wohnprojekt mit 30 betreuten Seniorenwohnungen.

18 Millionen steckt die Stadt Wien in das Wohnprojekt, 50 Millionen kostet die Oase 22 insgesamt. Bis 2014 soll aus dem ehemalige Industriegebiet nahe dem Genochplatz ein quicklebendiges Stadtviertel werden. Star 22 steht für Büros und Einkaufsmöglichkeiten, Base 22 für das Studentenheim und Unit 22 für des Gewerbegebiet. 240 Millionen Euro sollen insgesamt in Neu-Stadlau investiert werden.

Überhöhter Kaufpreis

Allein das Wohnprojekt Oase 22 sichert laut Finanzstadträtin 300 Arbeitsplätze in der Baubranche. „Das Projekt ist genau das, was wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauchen", sagt Renate Brauner (SP).

Dabei war das Areal, das nun zur Mustervorstadt mutieren soll, ursprünglich für die Errichtung einer Müllzentrale vorgesehen. Die Stadtregierung wollte dort einen zentralen Abstellplatz und eine Containerwaschanlage für die _MA 48 errichten lassen. 2001 kaufte die Stadt der Stahlbaufirma Waagner-Biro die Fläche um 36,7 Millionen Euro ab. Den hohen Kaufpreis kritisierte damals nicht nur die Rathaus-Opposition - ÖVP und Grüne sahen darin einen „Gefälligkeitskauf" - sondern auch der Rechnungshof. Für die Gerätelagerung der MA 48 hätte es auch ein wesentlich preisgünstigeres Grundstück nahe der Deponie am Rautenweg getan, kritisierten die Prüfer damals.

Inzwischen ist man vom Konzept einer Müllzentrale im Norden abgekommen und installierte stattdessen Geräteabstellplätze nahe der im vergangenen Herbst eröffneten Müllverbrennungsanlage Pfaffenau.

Für den Wohnteil von Neu-Stadlau wurde von der Wien Holding und dem Wiener Wohnfonds 2008 ein Bauträgerwettbewerb ausgeschrieben.

Das städtebauliche Konzept für Oase 22 stammt vom Büro Studio uek, das im Jungarchitektenwettbewerb Europan 9 als Sieger hervor ging. Ab 2010 soll die Mikro-Stadt auch mit der U-Bahn erreichbar sein: Läuft alles nach Plan, fährt die U2 ab nächstem Jahr über Stadlau nach Aspern.  (Martina Stemmer/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.März 2009)

  • Auf dem ehemaligen Waagner-Biro-Gelände in Stadlau entsteht ein Wohnviertel (Oase 22), ein Gewerbegebiet (Unit 22), ein Geschäfts-Areal (Star 22) und ein Studentenheim (Base 22)
    wien holding

    Auf dem ehemaligen Waagner-Biro-Gelände in Stadlau entsteht ein Wohnviertel (Oase 22), ein Gewerbegebiet (Unit 22), ein Geschäfts-Areal (Star 22) und ein Studentenheim (Base 22)

  • Dörfliche Strukturen in der Donaustadt: Thomas Moosmanns Entwurf für Oase 22
    grafik: moosmann

    Dörfliche Strukturen in der Donaustadt: Thomas Moosmanns Entwurf für Oase 22

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