Gärtner lassen Gras über Krise wachsen

13. März 2009, 20:10
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Die Wirtschaftskrise verwundet den grünen Daumen der Österreicher kaum. Der Markt rund ums Garteln wächst. Mehr Betriebe denn je schneiden mit

Wien - So ein Bonsaibaum um 6000 Euro ist in Zeiten wirtschaftlicher Krise nicht jedermanns Sache, und der Bau eines neuen Feuchtbiotops will gut überlegt sein, wenn der Arbeitsplatz wackelt. Bunte Blumenbeete, Balkons und Zitronenbäumchen seien jedoch kein Luxus. Und wer schon nicht groß verreise, der verschönere zumindest Heim und Garten, meint Gabriele Starkl.

Ihre Familie führt mit 350 Mitarbeitern eine der größten Gärtnereien Österreichs. Dass die Krise ihre Geschäfte beschneidet, bezweifelt sie. Das unwirtliche Wetter so kurz vor Frühlingsbeginn belaste schon mehr. Bisher hätten sie die Verluste aus dem Saisonauftakt aber immer noch aufgeholt. Selbst wenn es bis in den April hinein schneite. "Wir haben damit leben gelernt."

Nerven gefragt

Starke Nerven brauche er in seiner Branche schon, sagt Nikolaus Thaller, Chef von Bellaflora. Einer seiner ersten Blicke in der Früh gelte den Sechs-Tage-Wetterprognosen. "Strenge Winter sind schmerzhafter als jede Wirtschaftskrise."

Bellaflora hat eben ihr 25. Gartencenter eröffnet, in Braunau. Im Vorjahr stieg der Umsatz auf gleicher Fläche um drei Prozent auf 81 Mio. Euro. Es gebe seit Jahren gute Gewinne, versichert Thaller. Auch er glaubt nicht, dass die Konsumflaute auf den grünen Markt durchschlägt. Was er sich gut vorstellen könne, sei allerdings der eine oder andere offene Sonntag in den starken Monaten März bis Mai.

Den Österreichern ist ihr Garten zunehmend mehr wert. Seit 2002 legte der grüne Markt um 27 Prozent auf rund 670 Mio. Euro zu, errechnete Regioplan-Chef Wolfgang Richter. Vor allem Baumarktketten waren im Zuge rasanter Flächenexpansion gezwungen, neue Sortimente zu erobern, und entdeckten ihren grünen Daumen. Die traditionellen Gartencenter konnten den Vorstoß nicht parieren, ihnen fehlte der flächendeckende Vertrieb.

Zuwächse erwartet

Baumax etwa widmet dem Gartenbedarf heute ein Drittel seiner Verkaufsfläche. Derzeit warte man auf besseres Wetter, über das Jahr gesehen, rechne der Konzern in der Sparte aber auf jeden Fall mit Zuwächsen, sagt Baumax-Sprecherin Susanne Schenk. Obi führt 33 Center, die Angebote rund um die Gärten erstrecken sich auf Flächen von jeweils bis zu 2700 Quadratmetern.

Der wachsende Markt machte jedoch nicht nur Raum für Gigantonomie. Auch Kleine sicherten sich ihren Platz in der Sonne. Die Wirtschaftskammer zählt in der Sparte gut 4000 Betriebe. Die Branche sei im Gewerbe eine der wenigen mit einer wachsenden Zahl an Firmen.

"Die Leute kennen sich halt immer weniger aus, der Bezug zur Natur und viel Hausverstand gingen verloren", erzählt Starkl. Beratung sei wichtiger denn je. Unter anderem auch darüber, was denn nun alles essbar sei und was giftig. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.3.2009)

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    Primeln als Frühlingsboten sind in voller Blüte - derzeit freilich nur in den Gewächshäusern. Der Saisonstart fiel ins Wasser.

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