Wie wird das Endspiel der Defizite?

13. März 2009, 19:28
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Die Haushaltsdefizite der Regierungen steuern in astronomische Höhe

Bisher hat noch niemand eine Vorstellung, wann die globale Finanzkrise ein Ende finden wird, aber eines steht fest: Die Haushaltsdefizite der Regierungen steuern in astronomische Höhen und die Zinssätze dafür werden steigen.

Betrachtet man die Geschichte von Finanzkrisen, kann man feststellen, dass sich die Staatsverschuldung in den drei Folgejahren einer Krise normalerweise verdoppelt, selbst inflationsbereinigt. Viele Länder, große und kleine, sind derzeit auf dem besten Wege dorthin.

Chinas Regierung hat deutlich zu erkennen gegeben, dass sie in Anbetracht des freien Falls bei den Exporten alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz des Wachstums ergreifen wird. Präsident Barack Obamas neuer Haushalt bringt ein überwältigendes Rekorddefizit in Höhe von 1,75 Billionen US-Dollar. Sogar Länder, die nicht aktiv an einer Finanzorgie beteiligt sind, sehen ihre Überschüsse einbrechen und ihre Defizite hochschnellen. Nur wenige Regierungen haben entfernt realistische Haushaltsprognosen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden eine Menge Länder 2009 Leistungsrückgänge von vier bis fünf Prozent erfahren, einige sogar zehn Prozent. Noch schlimmer: Wenn die Finanzsysteme nicht zurückschnellen, könnte das Wachstum für Jahre enttäuschend ausfallen, besonders in "Explosionszentren" wie den USA, Großbritannien, Irland und Spanien.

Länder mit Wachstumsraten wie in Europa könnten mit Verbindlichkeiten aus Schulden in Höhe von 60 Prozent des BIP zurechtkommen, wenn die Zinsen niedrig wären. Die Schulden steigen in vielen Ländern aber auf 80 bis 90 Prozent des BIP, und die niedrigen Zinssätze von heute sind eindeutig ein temporäres Phänomen. Die Währungskurse sind ein weiterer Joker. Während die Schulden steigen und die Rezession anhält, werden wir sicher erleben, wie Regierungen versuchen, ihre Last durch finanzielle Repression, höhere Inflation, teilweise Zahlungsunfähigkeit oder eine Kombination aus allen dreien zu erleichtern. Das Endspiel der großen Rezession am Anfang des 21. Jahrhunderts wird kein schönes Bild abgeben. (Kenneth Rogoff, © Project Syndicate, 2007. Übersetzung: Jan Neumann; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.3.2009)

Zur Person

Kenneth Rogoff ist Professor für Ökonomie und Public Policy an der Universität Harvard und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.

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