Auszeiten kosten Gehalt

13. März 2009, 18:32
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Vereinbarkeit ist Frauensache - Eine Studie der Chicago Booth School of Business verweist auf drei Hauptgründe für Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen mit MBA-Abschluss

Seit mehr als einem Jahrzent forscht Marianne Bertrand zu den Themen Arbeitsökonomie und Unternehmensfinanzierung, Diskriminierung, Gehalt und Bonuszahlungen von Geschäftsführern und Beschäftigungsregulierungen. Die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie aber zeigen wieder einmal deutlich auf, dass sich in Fragen der Vereinbarkeit nicht wirklich viel bewegt hat.

Mit zwei Kolleginnen der Harvard-Universität untersuchte Bertrand die Karriereverläufe mit einhergehenden Einkommensunterschieden von MBA-Absolventinnen der Chicago Booth, die ihren Abschluss zwischen 1990 und 2006 gemacht haben und heute im Finanzsektor tätig sind.

Es seien vor allem drei Faktoren, die für den Einkommensunterschied zwischen männlichen und weiblichen MBA-Absolventinnen verantwortlich seien: die Ausbildung vor dem MBA-Studium, die zeitlichen Unterbrechungen im Karriereverlauf sowie die unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten. Ein wenig überraschendes, wenngleich nicht minder wichtiges Ergebnis, das wieder verstärkt über Arbeitszeitmodelle oder über effizientes Talent-Management im Finanzsektor nachdenken machen soll, so die Autorinnen.

Erste Flaute nach fünf Jahren

Die gute Nachricht sei, dass die Zahl der MBA-Absolventinnen in den letzten 25 Jahren auf 43 Prozent gestiegen sei. Auch der Notenschnitt sei mit 3,25 (Frauen) und 3,38 (Männer) auf nahezu gleichem Niveau. Zu Beginn der Karriere liegen zudem beide Gruppen in der gleichen Einkommensstufe.

Allerdings: Die erste Karriereflaute zeichne sich nach fünf Jahren ab. Zehn Jahre nach dem Abschluss, differiere die Berufserfahrung von Männern und Frauen um sechs Monate. Frauen unterbrechen demnach ihre Karriere häufiger als Männer. Der Grund dafür sei meist die Familie.

In der Folge seien es auch Frauen, die Jobs mit langen Arbeitszeiten und größeren Karrieremöglichkeiten tendenziell "meiden". Und: MBA-Absolventinnen mit Kindern und gut verdienenden Lebenspartnern bleiben dem Arbeitsmarkt länger fern. Konkrete Lösungen bietet die Studie nicht. Es gebe aber Branchen - etwa die Medizin -, die Vorbildwirkung haben. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Print, 14.3./15.3.2009)

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