Die Stimmen der Dichtung

13. März 2009, 17:16
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The Spoken Arts Treasury

Fast ein halbes Jahrhundert vor der Erfindung des Begriffs Hörbuch, 1956, hatte Arthur Luce Klein in den USA einen Hörverlag gegründet, Spoken Arts. Über 700 Tondokumente amerikanischer Autoren veröffentlichte der passionierte Theaterwissenschafter und Regisseur in den folgenden Jahrzehnten. Höhepunkt und "Schatz" der Sammlung aber, The Spoken Arts Treasury, war eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1970: 100 Modern American Poets Reading Their Poems: Originallesungen von 100 amerikanischen Lyrikern hatte Klein aus den Archiven gerettet oder, gemeinsam mit den Dichtern, neu aufgenommen.

Die auf 14 CDs versammelten akustischen Schätze erlauben, Gertrude Stein zu lauschen, wie sie mit professoralem Ernst ein "Portrait of T. S. Eliot" vorträgt - um unmittelbar darauf diesen selbst vor erheitertem Publikum aus seinen "Landscapes" lesen zu hören. Oder, dunkel murmelnd, Ezra Pound, drei seiner Cantos rezitierend. Oder der Stimme von W. H. Auden zu folgen, von Elizabeth Bishop, von Sylvia Plath oder Allen Ginsberg. Vor neun Jahren waren die Tondokumente erstmals im Hörverlag erschienen, damals zu einem nur für ausgewiesene Liebhaber zahlbaren Preis. Nun liegen sie in bescheidenerer Verhüllung vor - um weniger als die Hälfte des ursprünglichen Betrages. Ein Glücksfall - in vieler Hinsicht. Claudia Baumhöver vom Hörverlag hatte die alten US-Tonträger einst zufällig in einem Berliner Antiquariat entdeckt. (Cornelia Niedermeier, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 14./15.03.2009)

The Spoken Arts Treasury. 100 American Poets Reading Their Poems. 14 CDs (circa 893 Minuten), 120-Seiten-Booklet mit einer Einführung von Raoul Schrott. € 69,95. der Hörverlag, München 2008

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