Datenklau und Paranoia

13. März 2009, 17:14
posten

Was für ein Albtraum: der Unternehmensberater Michael Bellicher wird zufällig Zeuge eines Verkehrsunfalls

Er ruft die Polizei. Die aber verhört Bellicher, nimmt ihn mit und misshandelt ihn. Bellicher hat keine Ahnung, was los ist und durchläuft alle Stadien der Verzweiflung, der Wut und der Panik, bis er herausfindet, dass jemand seine Identität gestohlen hat. War er in "Second Life" zu unachtsam mit seinen Daten? Angeblich hat Bellicher Autos gekauft, die er aber nie gesehen hat, er hat angeblich einen schweren Verkehrsunfall verursacht und Fahrerflucht begangen. Außerdem hat jemand in Bellichers Namen einen Kredit aufgenommen und ein heruntergekommenes Haus gekauft. Bellicher merkt bald, dass die Behörden wenig Interesse an seinen Problemen haben.

Er trifft eine klandestine Gruppe verängstigter Geschädigter, denen gleich ihm ihre Identität gestohlen wurde und die daraufhin alles verloren haben. Nur ist Bellicher noch nicht an dem Punkt zu resignieren, und er hat in seinem Compagnon, der zu ihm hält, eine Stütze. Der in den Niederlanden lebende Autor Charles den Tex greift ein Thema auf, das gern marginalisiert wird, weil das Misstrauen der Konsumenten nicht wirtschaftsfördernd ist, und verknüpft es mit dem Verlust der bürgerlichen Freiheiten unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung. Vielschichtig, bissig und mit viel Action versehen, erzeugt das Buch als Nebenwirkung eine kleine, gemeine Paranoia. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 14./15.03.2009)

Link:
www.krimiblog.at

 


Charles den Tex, "Die Zelle." Deutsch: Stefanie Schäfer. € 20,50 / 445 Seiten. grafit, Dortmund 2009

Share if you care.