Durch die Rosé-rote Brille

16. März 2009, 16:03
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Frankreichs WinzerInnen fürchten um ihren Rosé-Wein: Die EU-Kommission will Mischung von weißen und roten Trauben zulassen

Toulon - Rosé-Weine gehören zur Provence wie Olivenbäume und der blaue Himmel über der Côte d'Azur. Frankreich ist der weltweit größte Produzent des vor allem im Sommer beliebten Rosé. Doch nun bangen die WinzerInnen im Hinterland der Côte d'Azur Angst um den guten Ruf ihres Weins. Die EU-Kommission will erlauben, dass Rosé-Weine künftig durch das Mischen von weißen und roten Trauben hergestellt werden können.

Auf diese Weise würden billige Weine entstehen, die zwar rosafarben sind, nach Überzeugung der französischen WinzerInnen aber nichts mit echtem Rosé gemein haben. Der wird nämlich ausschließlich aus roten Trauben gekeltert, deren Haut und Kerne aber vor dem Gären nur kurze Zeit aufgeweicht werden - zwischen sechs Stunden und einem Tag. Auf diese Weise wird der Wein nicht dunkelrot, sondern nur rosa.

"Mischwein ist kein Rosé"

"Echter Rosé ist sehr subtil, er hat viel Aroma", betont Linda Schaller, Geschäftsführerin des Weinguts Château Les Crostes in Lorgues nahe der Mittelmeerstadt Toulon. "Der Mischwein ist kein Rosé." Genauso sieht dies Francois Millo, Leiter des Komitees zur Vermarktung der Provence-Weine. Ein aus weißen und roten Trauben gepanschter Wein habe "weder den Geschmack noch die Qualität" eines echten Rosé. Allerdings werde die "französische Philosophie" in Sachen Rosé woanders in der Welt nicht geteilt, bedauert Millo.

Die französischen WinzerInnen wollen dennoch versuchen, die EU-Kommission von ihren Plänen abzubringen. Unterstützt werden sie dabei von Landwirtschaftsminister Michel Barnier, der sich als ehemaliger EU-Kommissar bestens in der Brüsseler Behörde auskennt. Er hat die Kommission kürzlich auf die Sorgen der französischen Weinbauern und -bäurinnen aufmerksam gemacht.

Exporte nach China und Russland

Diese befürchten herbe finanzielle Verluste, wenn ihr Rosé rosafarbene Billig-Konkurrenz aus anderen europäischen Anbaugebieten bekommt. Dies gilt vor allem für die Exporte - etwa nach China und Russland, wo der Weinkonsum regelrecht explodiert: Seit 2003 stieg der Verbrauch in Russland um mehr als 24 Prozent, in China sogar um über 36 Prozent. Und die meisten RussInnen und ChinesInnen, so fürchten die WinzerInnen in der Provence, dürften sich mit gepanschten Rosé-Weinen zufriedengeben.

Die französischen WinzerInnen wollen versuchen, die Kommission mit umfangreichen Lobby-Aktionen zum Einlenken bewegen. Nachdem sich die Behörde im Jänner für die Zulassung des Misch-Rosé ausgesprochen hatte, wird ihre endgültige Entscheidung nun für Ende April erwartet. (APA/AFP)

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    "Mischwein ist kein Rosé": Frankreichs WinzerInnen sind im Aufruhr

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