Citigroup zündet Kursfeuerwerk, weitere Reformen angekündigt

13. März 2009, 14:53
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US-Börsen gehen mit kräftigen Aufschlägen aus der abgelaufenen Handelswoche. S&P (+9,99%), Dow Jones (+8,73%) und Nasdaq Composite (+9,73%) haussieren, nachdem Aussagen des Citigroup CEO's die Hoffnung auf eine baldige Erholung des Finanzsektors nährten. Am Montag waren die Indizes noch auf neue Mehrjahrestiefs gefallen. So schloss der S&P auf dem tiefsten Stand seit 1996, ehe die lang erwartete "Relief-Rallye" einsetzte. US-Leichtöl WTI notiert nach einem volatilen Handelsverlauf nun bei USD 46/Barrel, nachdem über weitere Förderkürzungen im Zuge der OPEC-Sitzung in der nächsten Woche spekuliert wurde. Gold erholt sich und notiert bei 924/Unze. Die 10-jährigen Staatsanleihen rentieren bei 2,967%, die 30-jährigen Bonds bei 3,64%.

Die SEC gab bekannt, man werde bei der nächsten Sitzung im April die Wiedereinführung der uptick-rule diskutieren. Die Handelsbeschränkung wird automatisch ausgelöst, wenn der Dow Jones innerhalb kurzer Zeit um 50 Punkte steigt. So will man das Ausführen computergenerierter Kaufsignale verhindern, die weitere starke Kursaufschläge auslösen würden und somit die eine Blasenbildung beschleunigen. Auch Leerverkäufe sollen weiter eingedämmt werden, insbesondere das sogenannte "naked short selling". Ben Bernanke forderte indes Verbesserungen der Bilanzierungsregeln. Mark -to-Market solle zwar nicht abgeschafft, jedoch einige Schwachpunkte adaptiert werden.

Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,1% und damit auf den höchsten Stand seit 1983. Im Februar wurden 651.000 Stellen abgebaut. Völlig konträr dazu hat sich die Kauflaune der US-Konsumenten
deutlich besser entwickelt als erwartet. Im Februar fielen die Umsätze der Einzelhändler um lediglich 0,1%, der Konsens war von -0,5% ausgegangen. Der Konsum dürfte jedoch weiterhin auf wackligen finanziellen Beinen stehen, mittlerweile sind 11% aller Kreditkartenkunden in Zahlungsverzug.

"Stresstest“ für Kursverluste der Finanzwerte verantwortlich?

Der aktuelle Stresstest für alle Banken, die über eine Bilanzsumme größer US 100 Mrd. verfügen, könnte sich als kontraproduktiv herausstellt haben. Seit 19.2. werden 19 Banken geprüft. Im Stress-Szenario werden Faktoren wie eine langjährige wirtschaftliche Depression, ein weiterer dramatischer Anstieg der Arbeitslosenzahlen oder zB weiter rückläufige Immobilienpreise simuliert. Die Tests sollen bis Ende April 2009 laufen. Eine ähnliche Maßnahme setzte die deutsche BaFin 2003, die Reaktion der institutionellen Investoren - hier in erster Linie Versicherer - war ein weiteres deutliches Absenken der Aktienquote, die zum finalen Selloff führte. Dies würde auch die aktuelle relative Schwäche der Large Caps erklären, nachdem diese Aktien leichter liquidierbar sind.

In einer jüngst präsentierten Studie listet Moody's 283 Unternehmen auf, die aufgrund ihrer schlechten Bonität nur noch schwer bzw. zu extrem teuren Konditionen Kredite erhalten. Zu den stark gefährdeten Unternehmen gehören beispielsweise GM, Ford, Chrysler, Eastman Kodak und der Autozulieferer Lear. Rund die Hälfte der 283 Firmen könnte innerhalb des nächsten Jahres insolvent werden. Konkurrent S&P sieht in einer ähnlichen Liste "nur" 205 Unternehmen akut gefährdet.

CEO Vikram Pandit gab bekannt, dass Citigroup in den ersten beiden Monaten profitabel gewesen sei, das Geschäft laufe so gut wie zuletzt im 3. Quartal 2007. Die internen Stresstests hätten ergeben, dass die Bank über ausreichend Kapital verfüge. Die Citi-Aktie gewinnt 63%, das Minus vom Allzeithoch beträgt nach wie vor 97%. Die Nachricht löste eine massive Erholung des geprügelten Finanzsektors aus. Branchenprimus Bank of America steigt 84,5%, nachdem man Aussagen von Konzernchef Lewis zufolge im Gesamtjahr 2009 einen Gewinn erwarte. Auch Jamie Dimon, CEO von JPMorgan, hatte sich optimistisch geäußert. Wells Fargo kürzt die Dividende um 85% von 34 Cent auf 5 Cent, die Aktie steigt um 71%. Für Erleichterung sorgte auch die Garantie der britischen Regierung für Lloyds. Man wolle die angeschlagene Großbank im Umfang von insgesamt GBP 280 Mrd. absichern.

Nach einem Quartalsverlust in Höhe von USD 23,9 Mrd. benötigt Freddie Mac nun weitere USD 30 Mrd. aus dem TARP-Programm der Regierung. Bereits im November hatte man USD 14 Mrd. erhalten.

GE wird abgestuft, Coca Cola investiert in China

Standard & Poor's senkte das Rating von General Electric auf AA+, der Ausblick wurde auf "stabil" belassen. Die Aktie steigt, nachdem der Markt bereits die Absenkung eingepreist hatte, der stabile Ausblick jedoch überraschte. Coca Cola gab bekannt, in China massiv expandieren zu wollen. Man werden den chinesischen Safthersteller Huiyuan für USD 2,5 Mrd. übernehmen, noch nie hat ein ausländisches Unternehmen eine derart große Akquisition in China getätigt. Zudem werde man mehrere Milliarden in Produktionsinfrastruktur, Vertrieb und Entwicklung investieren. United Technologies meldete, weltweit knapp 12.000 Stellen streichen zu wollen. Auch die Jahresprognose wurde deutlich nach unten angepasst. General Motors hat die Patente der deutschen Tochter Opel als Sicherheit an das USFinanzministerium übergeben. Alcoa litt unter einer negativen Studie der UBS. Man gehe nun von einem fünfmal so hohen Verlust (USD 0,59) im 1. Quartal aus, auch die Gesamtjahresprognose wurde deutlich nach unten revidiert.

Merck & Co meldete die Übernahme von Schering-Plough für insgesamt USD 41 Mrd. Bezahlt wird teils bar, teils in eigenen Aktien. Nachdem Weltmarktführer Pfizer zuvor Konkurrenten Wyeth für USD 68 Mrd. übernahm, sah sich Merck unter Druck. Roche hat das Übernahmeangebot für Genentech nun nochmals auf USD 95/Aktie angehoben, die Aktionäre stehen dem Angebot nun positiv gegenüber, es dürfte zu einer Einigung kommen. Gilead Sciences übernimmt Gy Therapeutics für USD 1,4 Mrd. Das Angebot übertrifft das Gebot der japanischen Astellas Pharma. Einige Biotech-Titel, wie StemCells, profitierten von Aussagen Barack Obama's, wonach man die Stammzellenforschung forcieren wolle. Auch die Fusionsgespräche zwischen Dow Chemical und Rohm&Haas sind wieder  aufgenommen worden.

In der nächsten Handelswoche werden von Adobe, FedEx, Nike, Oracle oder Palm Quartalszahlen gelegt. Die Industrieproduktion, die Neubaubeginne und die Frühindikatoren sollten ebenfalls für Impulse sorgen. Seitens des Sentiments sollte nun eigentlich der Startschuss für eine längere Bärenmarkt-Rallye gefallen sein. Der bullishe Consensus lt. AAII sank zuletzt auf den niedrigsten Stand seit April 2005, die bearishe Marktstimmung stieg hingegen auf 57% der Marktteilnehmer und damit auf das höchste Niveau seit 1987. Seitens der Saisonalität ist März ein oftmaliger Wendemonat. Insofern gehen wir von einer weiteren Erholung der US -Indizes aus, auch wenn diese auf einem äußerst wackligen Fundament steht.

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