McLaren in der Krise

13. März 2009, 14:43
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Massa über Testleistungen des Konkurrenten: "Habe sie noch nie so weit hinten gesehen" - Neues Brawn-Auto verblüfft

Montmelo/Barcelona - Weltmeister Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes fahren zwei Wochen vor Saisonbeginn in der Formel 1 hinterher. Während das englische Topteam mit dem völlig neuen Reglement in der Königsklasse noch nicht zurechtzukommen scheint, hat sich ein neuer Konkurrent völlig überraschend ins Rampenlicht gefahren. Das Honda-Nachfolgeteam Brawn GP legte bei den Testfahrten in Montmelo bei Barcelona bis Donnerstag eine Bestzeit nach der anderen auf den Asphalt.

"Wir werden die Überraschung des Jahres sein", kündigte Routinier Rubens Barrichello an, der das Feld am Donnerstag zum Abschluss der viertägigen Tests um mehr als 0,8 Sekunden in die Schranken verwiesen hatte. Dabei hatte das Team bis zuletzt überhaupt keine Tests auf der Strecke absolvieren können. Erst vergangenen Freitag hatte Teamchef Ross Brawn die Übernahme des Rennstalles samt Personal von Honda besiegelt. Mit dem Automobil-Hersteller hatte es im Vorjahr nur zu Platz neun in der Konstrukteurs-WM gereicht.

Mitfavoriten

Nun gehen Barrichello und Jenson Button sogar als mögliche Mitfavoriten in den Saisonauftakt am 29. März in Melbourne. Wenngleich man erst in Australien seriös wird einschätzen können, wo die einzelnen Teams wirklich stehen. Die ersten gemeinsamen Tests aller zehn Teams in Spanien haben bereits eine gewisse Aussagekraft. "Das sind alles echte Zeiten. Wir stehen sicherlich nicht schlecht da", meinte Brawn-Ersatzfahrer Alexander Wurz, der an der Entwicklung des neuen Autos in Brackley mitgearbeitet hat.

McLaren dagegen muss sich ernsthafte Sorgen machen. Hamilton verlor am Donnerstag fast zwei Sekunden auf Barrichello. "Ich habe McLaren noch nie so weit hinten gesehen", sagte Ferraris Vizeweltmeister Felipe Massa. "Aber sie haben noch einen Test um festzustellen, was nicht funktioniert. Sie sind ein Team, das sich von einem Tag auf den anderen verbessern kann."

Brawn in eigener Liga

Derzeit ist unzureichender Anpressdruck das Hauptproblem. Das will McLaren kommende Woche bei den abschließenden Tests in Jerez in den Griff bekommen. "Im Moment wären wir nicht schnell genug, um Rennen zu gewinnen", gestand Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Ferrari dagegen ist mit seinen Testzeiten zufrieden. "Nur Brawn fährt in einer eigenen Liga", sagte Massa. Gegen das Sensationsauto aus Brackley waren selbst die Ferraris chancenlos. Teamchef Brawn, einst selbst das Superhirn hinter den WM-Titeln von Michael Schumacher für Ferrari, stieg zwar etwas auf die Euphoriebremse, vermochte seine Freude aber nicht zu verbergen: "Wir sind mit den ersten Tests extrem zufrieden. Das Team hat unter schwierigen Umständen großartige Arbeit geleistet." (APA/Reuters)

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    Lewis Hamilton hat das Nachsehen: Der neue McLaren lahmt.

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