Prozess gegen Ex-Geschäftsführer von "Roco" geplatzt

13. März 2009, 11:27
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Angeklagter kam nicht zur Verhandlung - Vertagt auf 24. April - Maegdefrau bat "Lucona-Aufdecker" Guggenbichler um Unterstützung

Salzburg - Der Prozess gegen den Ex-Geschäftsführer des Salzburger Modelleisenbahn-Herstellers Roco, Peter Maegdefrau, wegen des Verdachts der betrügerischen Krida und der grob fahrlässigen Beeinträchtigungen von Gläubigerinteressen ist heute, Freitag, am Landesgericht Salzburg geplatzt: Der Angeklagte war nicht gekommen. Zudem hatte der Verfahrenshelfer zu wenig Zeit für die Akteneinsicht, weil er erst in dieser Woche als Pflichtverteidiger bestellt worden war. Die Vorsitzende des Schöffensenates, Richterin Lisa Bauer, vertagte die Verhandlung auf 24. April.

Die weltweit bekannte Firma Roco ist im Sommer 2005 in den Konkurs geschlittert. Rund 800 Gläubiger meldeten 53 Mio. Euro an Forderungen an. Laut Anklagebehörde habe der deutsche Unternehmer versucht, Vermögensanteile beiseitezuschaffen. Dadurch sei den Gläubigern der Roco Modellspielwaren GmbH und der Roco Anlagen GmbH ein Schaden von zumindest 87.506,38 Euro entstanden. Der ehemalige Eigentümer und Geschäftsführer soll die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens zwischen April 2002 und Mai 2005 grob fahrlässig herbeigeführt haben, steht in der Anklageschrift. Im Oktober 2005 übernahm eine vom Raiffeisenverband Salzburg gegründete Auffanggesellschaft die Firma. Im Herbst 2007 wurde Roco an den deutschen Baustoff-Unternehmer Franz-Josef Haslberger verkauft.

Das Strafverfahren läuft bereits seit mehr als dreieinhalb Jahren. Mehrere Prozesstermine wurden festgesetzt, dann wieder abberaumt. Warum der Verfahrenshelfer Herbert Magreiter so kurzfristig bestellt worden war, begründete Mediensprecher und Vizepräsident des Landesgerichts, Philipp Bauer, so: Maegdefrau sei bemüht gewesen, einen Wahlverteidiger seines Vertrauens mit dem Fall zu befassen, was ihm aber nicht gelungen sei, weil er nicht die finanziellen Mittel aufbringen konnte. Der Angeklagte habe dann sehr kurz vor dem Prozesstermin um einen Verfahrenshelfer angesucht.

Vorwürfe zurückgewiesen

Maegdefrau hatte die Vorwürfe gegen ihn stets zurückgewiesen. Er habe im Frühling 2005 mit dem Raiffeisenverband ordentliche Kreditverträge und eine umfassende Grundsatzvereinbarung zur Finanzierung der Roco-Gruppe schriftlich geschlossen. Entgegen den dort getroffenen Zusagen habe der Raiffeisenverband "einseitig diese Vereinbarungen gebrochen". Deshalb seien sechs der neun Roco-Firmen in Konkurs geraten. Die Bank habe Roco absichtlich in Konkurs geschickt, um "ein schnelles Geschäft zu machen", meinte der Deutsche. Der Raiffeisenverband betonte, dass die Aussagen Maegdefraus "jeglicher Grundlage" entbehrten.

Mittlerweile hat der Angeklagte den als "Lucona-Aufdecker" bekannten Privatdetektiven Dietmar Guggenbichler um Unterstützung gebeten. "Er soll meine verlorenen Vermögenswerte von Raiffeisen zurückzuholen", teilte Maegdefrau, der den Raiffeisenverband im Jänner auf 38 Mio. Euro Schadensersatz geklagt hatte, kürzlich mit. Für die "gänzliche Schadenswiedergutmachung" setzte er eine Belohnung in der Höhe von zehn Mio. Euro aus.

Weiters bereitet Maegdefrau nach eigenen Angaben umfangreiche Strafanzeigen gegen führende Manager des Raiffeisenverbandes Salzburg vor. Darin werde klar bewiesen, dass sich Raiffeisen die Roco-Gruppe "aneignen wollte". Durch "schweren Betrug des Raiffeisenverbandes" sei er seines Vermögens und Einkommens beraubt worden: "Ich bin völlig mittellos", hatte der Angeklagte  gesagt. Da er sich in Österreich einer Lynchjustiz ausgesetzt fühle, werde er auch Strafanzeigen gegen Justizbeamte einbringen und um einen neutralen, europäischen Prozessbeobachter ansuchen. (APA)

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