"die möwe"-Plakatkampagne gegen Gewalt an Kindern

13. März 2009, 10:47
3 Postings

"Schauen Sie lieber zweimal hin": Aufruf zur Enttabuisierung des Missbrauchs

Der Verein "die möwe" begeht heuer sein 20. Bestandsjahr - und Fälle wie Josef F. zeigen, dass solche Einrichtungen notwendig sind. Schwerpunkte seien nach wie vor Beratungstätigkeiten und Psychotherapie für misshandelte und missbrauchte Kinder, so Präsidentin Martina Fasslabend. Über Bewusstseinsbildung versucht man, die Öffentlichkeit auf dieses Problem aufmerksam zu machen - und hat nun vor dem Hintergrund des F.-Prozesses kommende Woche eine Plakatkampagne gegen Gewalt an Kindern gestartet.

"Dieser Fall zeigt, dass man noch stärker auf das Thema aufmerksam machen muss", meinte Fasslabend. Er habe gezeigt, "was alles möglich ist". Sexueller Missbrauch sei nicht leicht erkennbar: "Es braucht oft Jahre, bis ein Fall heraußen ist. Missbrauch ist kein Einzelphänomen. Die Dunkelziffer ist hoch." Sexuelle Gewalt an Kindern sei auch nach wie vor ein unangenehmes Tabuthema, bei dem Menschen oft lieber "abbrechen", statt sich damit auseinanderzusetzen.

"Schauen Sie lieber zweimal hin"

Fasslabend rief zu Offenheit auf, um mögliche Anzeichen bewusster wahrnehmen zu können: "Deshalb heißt unsere Kampagne auch: 'Schauen Sie lieber zweimal hin'", sagte die Präsidentin. "Nicht den Kopf wegdrehen, wenn ich beim ersten Mal etwas vermute, sondern mit aller Vorsicht schauen, was dahinter steckt." Wichtig sei, sich bei dem sensiblen Thema den Rat von Experten holen und sich bei Verdachtsmomenten vor eventuellen Handlungen bei Hilfseinrichtungen zu erkundigen.

"die möwe" wurde 1989 als gemeinnütziger Verein gegründet. Die Klientenzahlen stiegen von 2.503 im Jahr 2003 auf 3.214 im Jahr 2007. Die Zahlen für 2008 seien noch nicht verfügbar: "Wir werden aber auch dieses Mal eine leichte Steigerung haben", so Fasslabend. Rund ein Drittel der Klienten seien Kinder und Jugendliche. Mittlerweile leistet die Einrichtung neben Beratungen und Therapie für sexuell misshandelte und missbrauchte Kinder sowie Hilfeleistungen für Angehörige, Lehrer oder Ärzte auch psychosoziale Prozessbegleitung und Präventionsarbeit. Jüngst hinzugekommen ist auch die Diagnostik von Betroffenen.

In Wien, St. Pölten, Neunkirchen, Mistelbach und Mödling stehen Kinderschutzzentren: "Unser Slogan war immer: Hinaus in die Nähe zu denen, die uns brauchen", erklärte die Präsidentin. Außerdem steht eine Helpline (Tel. 0800/80 80 88) zur Verfügung. (APA)

  • Artikelbild
    foto: möwe
  • Artikelbild
    foto: möwe
Share if you care.