UNIQA-Chef für weichere Bewertungsregeln

13. März 2009, 09:16
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Noch 2009 Russland-Start - "Wettbewerbsvorteile im Osten nicht durch Polemik nehmen lassen" - Regionales Risiko-Splitting - Konjunktur dämpft Versicherungsgeschäft nicht stark

Wien - Für vorübergehend weichere Bewertungsregeln als Mittel gegen die ausgetrockneten Kapitalmärkte plädiert UNIQA-Chef Konstantin Klien. Damit könnten Investitionen in Aktien, Bonds und Hybridkapital attraktiver gemacht und die Börsen wieder belebt werden, argumentierte Klien im Interview mit der Austria Presse Agentur (APA). Das Osteuropa-Engagement sieht der Versicherungs-Chef mit Seitenblick auf Rating-Agenturen uneingeschränkt positiv: Man solle sich "den Wettbewerbsvorteil der Österreicher nicht durch Polemik nehmen lassen". Mit regionalem Risiko-Splitting habe man selbst den richtigen Ansatz. Noch 2009 startet die UNIQA in Russland.

Die Krise spürt der UNIQA-Konzern durch schwächere Zuwächse, aber nicht signifikant. So sei etwa im Osten in der Sparte Leben das Neugeschäft bei Krediten geringer, es gebe aber keine vermehrten Ausfälle bei Verträgen. Zurückhaltung gebe es bei Einmalerlägen und Fondspolizzen, dies werde noch zwölf bis 24 Monate spürbar sein.

Das Auto-Geschäft werde trotz Kaufzurückhaltung und infolge dessen stark rückläufiger Neuwagenzahlen nicht schrumpfen, es werde aber eine stärkere Konzentration auf kleinere Fahrzeuge und auf Gebrauchtwagen geben. Auch im Osten werde - wie in Westeuropa - der Trend zu selektiven Teilkasko-Produkten gehen. Insgesamt werde das Wachstum im Osten aber auch künftig höher sein als im Westen.

Russland noch 2010

Für Russland erwartet Klien die Genehmigung für die Aufnahme des Lebensversicherungs-Geschäfts für das zweite Halbjahr. Bis 2010/11 erfolge dann der Aufbau des Vertriebsnetzes mit dem "preferred partner" Raiffeisen inklusive Mitarbeiterschulungen. Wie stark man in Russland wachsen könne, hänge davon ab, ob später auch Fondsprodukte einbezogen werden können. Die Aussichten für das Land selbst seien gut: Das WIIW erwartete Anfang März ein BIP-Plus von 3,7 und 4,6 Prozent für 2010 und 2011, nach voraussichtlich +1,1 Prozent heuer.

Ein ganz wesentlicher Teil der Kapitalmarkt-Krise kommt nach Ansicht des UNIQA-Chefs "aus einer nicht ganz richtigen Anwendung der Bewertungsregeln". Möglicherweise habe man zu stark auf den Shareholder abgestellt und zu wenig auf eine sinnvolle Gewichtung von Aktiva und Passiva geachtet. Eine mark-to-model-Betrachtung sei "oft besser als der mark-to-market-Ansatz, wenn damit Abwärtsspiralen erzeugt werden". Die Bewertungsregeln sollten daher vorübergehend gelockert werden, "aber ohne Schönfärberei", wie Klien hinzufügt.

"Hier kann die Politik viel mehr erreichen als mit Staatshilfen, die Versicherungen ohnedies nicht brauchen. Bei Banken ist das Thema die Liquidität, bei Versicherungen die Bewertung. Ein geeignetes Fein-Tuning wäre da die Lehre aus der Krise." Damit könne in den Veranlagungsbereich - Börsen, PS oder Hybridkapital - wieder Bewegung gebracht werden. Das 4. Quartal sei im nicht-festverzinslichen Sektor "nur schlecht" gewesen, auch im Jänner und Februar hätten sich die Börsen ja als "nicht gerade brüllend" erwiesen. Ihre Ergebniszahlen für das gesamte Vorjahr plant die UNIQA Ende April vorzulegen.

2008 steigerte der UNIQA-Konzern nach vorläufigen Angaben von Jänner die Prämieneinnahmen um 10 Prozent auf 5,803 Mrd. Euro. Dabei betrug das Plus in Ost- und Südosteuropa 55,5 Prozent auf 1,269 Mrd. Euro, in Österreich 2,3 Prozent auf 3,599 Mrd. Euro. Bis 30.9. sind die Nettoerträge aus Kapitalanlagen auf 255 Mio. Euro zurückgegangen. Die Kapitalerträge aus Anleihen sanken bis dahin auf 200 (216) Mio. Euro. Bei Nicht-Festverzinslichen fielen bis September 193 Mio. Euro Verlust nach 201 Mio. Euro Überschuss im gleichen Zeitraum 2007 an.

Ihren Mitarbeiterstand wird die in bereits 20 Ländern tätige UNIQA im wesentlichen stabil halten, sagt Klien. Dabei werde der Anteil für Aktivitäten außerhalb Österreichs steigen, "und wir suchen natürlich für den Vertrieb Leute in Österreich". Im Schnitt beschäftigte man 2008 bis September 12.573 Menschen, nach 11.299 ein Jahr davor. (APA)

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