1989, als die Erde eine Scheibe wurde

13. März 2009, 09:16
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Das World Wide Web - der Universaldienst, der den Siegeszug des Internets ermöglichte - ist 20 Jahre alt

Und am Anfang herrschte Chaos. Tausende Wissenschafter aus rund 15 Staaten Europas, die ihre Arbeit an verschiedenen Standorten des Nuklearforschungslabors Cern in Genf und an Unis und Forschungsstätten daheim verrichteten. Irgendwann war irgendein wichtiges Papier immer am falschen Ort. Dem britischen Physiker Tim Berners-Lee reichte es schließlich. Im März 1989 reichte er sein Projekt "World Wide Web" ein, um von jedem PC aus Dokumente auf jedem anderen Computer im Netz abrufen zu können: Mithilfe einer Adresse (url), einem Verbindungsprotokoll (http) und einer Beschreibung für Webseiten (html).

Und so war das Internet geboren - halt, falsch: das World Wide Web, der Teil, der das "Netz der Netze" (Internet) erst massentauglich machte, zum weltweiten universellen Umschlagplatz für Information, Waren, Geld, Musik, Videos und Beziehungen.

625 Millionen Rechner

Mit Jubiläen ist es so eine Sache: Zwar feiert Cern heute, Freitag, mit Berners-Lee, seinem späteren Koautor Robert Cailliau und anderen Web-Pionieren dessen 20. Jubiläum. Aber die Evolution von Internet und Web kennt nicht so markante Zeitpunkte wie den Mauerfall in Berlin. Ende 1990 stellten Berners-Lee und Cailliau den Prototyp ihrer Software vor, 1991 nahm Cern den ersten WWW-Server auf einem Next-Computer von Steve Jobs in Betrieb. Ende 1991 veröffentlichte es seinen Browser (das Programm zum Surfen). 300.000 Rechner waren 1990 online, fünf Jahre davor waren es erst 2000 gewesen - heute 625 Millionen.

Das Web baute seinerseits auf der Evolution des eigentlichen Internet auf, dem Computer-Netzwerk, das aus dem erst militärischen, dann universitären "Arpanet" seit den 60er-Jahren immer dichter gewoben wurde. E-Mail, Usenet und andere Foren, Online-Dienste wie America Online und Compuserve, in Österreich Radio Austria schwirrten bereits im Netz herum, ehe das Web alles änderte und zum Universaldienst wurde.

Gemeinsame Plattform

Die Cern-Entscheidung, das Web öffentlich zu machen (heute werden Standards im gemeinnützigen W3C-Konsortium weiterentwickelt) war weitsichtig: So gab es eine gemeinsame Plattform für kommerzielle und nichtkommerzielle Anbieter.

Die Evolution im schnellen Vorlauf: Das Web entwickelte sich vom reinen Informationsangebot zur Transaktionsplattform, zum "Mitmach-Web": Zwar sind eBay und Amazon Händler - aber auch Communitys, die Informationen austauschen und Kontakte pflegen; Wikipedia und Blogs verändern die Art, wie wir Produktion und Verteilung von Information begreifen. Und soziale Netzwerke sind Abbildung und Erweiterung unserer Beziehungsnetze im Online-Raum.

Ausblick

Wo geht die Reise hin? Für Sir Tim, 2004 geadelt, steckt das Netz noch immer in den Kinderschuhen. "Das Aufregende ist, dass Menschen neue soziale Systeme bauen, neue Arten, Dinge zu besprechen, neue Arten der Verwaltung. Ich hoffe, dass dies zu einer effizienten und neuen Art der Zusammenarbeit führt, damit wir den Planeten managen können."

Die große Entwicklung der nächsten Jahre: Das Netz wird mobil - nicht nur per iPhone und Co, sondern auch in Entwicklungsländern. Berners-Lee: "Derzeit sind erst 20 Prozent online, mit Handys können wir die anderen 80 Prozent erreichen. (Helmut Spudich/ DER STANDARD Printausgabe, 13. März 2009)

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    1989 fielen Mauer und Eiserner Vorhang, während im Nuklearlabor Cern in Genf der Physiker Tim Berners-Lee den Grundstein dafür legte, dass die Welt zusammenwachsen konnte: Das World Wide Web war geboren.

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