AUA ist trotz Riesenverlusts "liquid"

13. März 2009, 19:55
183 Postings

Die rot-weiß-rote Airline hat 2008 mit einem Minus von 430 Millionen Euro den größten Verlust ihrer Geschichte gebaut

Wien - Treibstoffpreise in noch nie gekannter Volatilität, Verluste durch die Finanzkrise und letztlich Nachfragerückgang: Dies seien nach Darstellung der beiden AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth die Gründe, warum die heimische Airline 2008 den größten Verlust ihrer Geschichte schrieb. 2008 weisen die Austrian Airlines ein negatives Jahresergebnis von 429,5 Millionen Euro aus, im Vorjahr war mit 3,3 Mio. Euro das Ergebnis noch knapp positiv, was den inzwischen abgetretenen AUA-Chef Alfred Ötsch zur Aussage von einer gelungenen Sanierung verleitete.

"Kein Liquiditätsproblem"

Trotz des Riesenverlustes und weiteren Einbrüchen bei den Passagierzahlen - im Jänner waren es fast 15 Prozent weniger Passagiere, die Februarzahlen sollen Montag veröffentlicht werden - betonten die beiden AUA-Vorstände ebenso wie Finanzchef Heinz Lachinger (der nicht dem Vorstand angehört) mehrfach, dass die AUA kein Liquiditätsproblem habe.

Wie berichtet, muss die AUA 225 Millionen Euro kurzfristig einsparen, um bis zum für den Sommer erwarteten Closing des Verkaufs an die Lufthansa über die Runden zu kommen. Dazu hatte die AUA ein Rettungspaket von der Regierung erhalten. Dieses sei aber nicht aus Liquiditätsgründen nötig gewesen, erklärten die Vorstände, sondern würde der Airline nur helfen, nicht "irrationale Schritte" (Bierwirth) wie den Verkauf weiterer Flieger vorzunehmen.

Denn durch die Regierungshilfe könne die nötige Finanzierung billiger sichergestellt werden. Bierwirth und Malanik zeigten sich zuversichtlich, dass das akut nötige Sparziel erreicht werden könne. Dazu sind noch die Zustimmung des Bordpersonals zu Sparmaßnahmen nötig sowie die von den Lieferanten (Flughafen, OMV, Sicherheitsdienste) geforderten Reduktionen. "In Wien kostet die Sicherheitskontrolle pro Passagier acht Euro, in München die Hälfte", erläuterte Bierwirth an einem Beispiel Benachteiligungen.

Massive Abschreibungen

Die beiden Vorstände bemühten sich nach Kräften, den Riesenverlust zu relativieren. Größter Verlustposten war eine Abschreibung von 238 Mio. Euro auf Flugzeuge, was aber "den Rucksack 2009 erleichtere", sagte Bierwirth. Nötig war dies, weil die AUA Flieger offenbar weit über dem tatsächlichen Marktwert in ihrer Bilanz hatte. Dies sei erlaubt, wenn der erwartete Nutzwert höher als der tatsächliche Wert sei, erläuterte Lachinger. Durch den wirtschaftlichen Einbruch sei dies jedoch nicht mehr darstellbar, daher musste bereinigt werden. Wie berichtet, hatte die Lufthansa eine Wertberichtigung im Verkaufsprozess verlangt.

Die Treibstoffkosten waren im Vorjahr um 140 Mio. Euro höher als 2007, obwohl nach der Streichung von Strecken weniger Kerosin verbraucht wurde. Verhandlungen mit der OMV über bessere Konditionen blieben bisher ergebnislos.

Um Sondereffekte bereinigt liege der Abgang mit knapp 80 Mio. Euro unter der Guidance von rund 100 Mio. Euro, sagte Bierwirth. Eine Prognose für das heurige Jahr wollte der Vorstand nicht abgeben. Auf eine mögliche weitere Verschlechterung der Lage könne die AUA mit weiteren Streckenstreichungen und notfalls dem Verkauf weiterer Assetts reagieren. Investoren schätzten jedenfalls die Chance, dass die AUA durchhalten werde, positiv ein: Die Aktie legte mehr als fünf Prozent zu. (spu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.3.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vorstände Andreas Bierwirth (links) und Peter Malanik (rechts) mit Corporate Finance Officer Heinz Lachinger (Mitte): Keine Prognose für heuer.

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.