FWF-Misere: "Vertrauensbasis auf einen Schlag zerstört"

12. März 2009 19:48

Heimische Forscher fürchten, dass die besten Köpfe künftig von vornherein auf akademische Karriere verzichten

Wien - Schlimme Folgen vor allem für den Forschernachwuchs fürchten Wissenschafter quer durch die Disziplinen aufgrund der derzeitigen "Handlungsunfähigkeit" des Wissenschaftsfonds FWF. Die Mikrobiologin Renee Schroeder (Universität Wien) sieht die Aufbauarbeit bei der Förderung von Jungwissenschaftern über rund zehn Jahre und "die Vertrauensbasis auf einen Schlag zerstört".

Dass der FWF "wegen unklarer Budgetierung" bis Mai keine Vergabesitzungen mehr durchführen kann, wie der Präsident des Fonds, Christoph Kratky, in einem Brief an die Wissenschafter mitteilte, sei "ein schlimmes Signal", bemängelte Schroeder. Gerade am Beginn einer wissenschaftlichen Karriere seien viele auf FWF-Projekte angewiesen. Nun könnten gerade die besten Köpfe von vornherein auf eine akademische Karriere verzichten.

Qualitätskontrolle

Selbst wenn finanzielle Mittel vom FWF direkt an die Unis umgeschichtet würden, sei das keine gute Entwicklung, betonte Schroeder. "Der FWF garantiert eine ausgezeichnete Qualitätskontrolle der Forschungsprojekte", ist die Forscherin überzeugt. Mehr Geld für die Unis und weniger für den FWF würde daher wieder einen Schritt in Richtung Gießkannenprinzip bedeuten.

Geisteswissenschaften

Der Philosoph Konrad Liessmann (Universität Wien) betonte, dass ein Ausfall von FWF-Mitteln für den wissenschaftlichen Nachwuchs auch große soziale Probleme nach sich ziehe - gerade in den Geisteswissenschaften, wo die Jobaussichten außerhalb der Unis bekanntlich bescheiden seien. Die Leute würden nicht selten bis zu einem Jahr oder länger gleichsam in der Luft hängen. Bisher seien rund 50 Prozent der beim FWF eingereichten Projekte im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften genehmigt worden. Das habe doch wenigstens eine gewisse Sicherheit für Nachwuchsforscher bedeutet.

Verantwortung

Der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, machte in einer Aussendung unter anderem Finanzminister Josef Pröll für die Situation verantwortlich. Durch seine "ohnedies reichlich späte" Budgetrede blockiere Pröll "zentrale Entscheidungen für die Zukunft von ForscherInnen und ihrer Arbeit, obwohl die Budgetverhandlungen längst abgeschlossen sind".

Der Finanzminister inszeniere sich hier auf Kosten der Forschung, so Grünewald. Sechs Monate ohne finanzielle Mittel in der wissenschaftlichen Forschung würden verheerende Folgen für die Zukunft und die Entwicklung Österreichs im internationalen Vergleich nach sich ziehen. "Wenn in der äußerst kompetitiven Grundlagenforschung aktuell geplante Projekte nicht sofort gestartet werden können, kann man sie gleich bleiben lassen." Mit der ständigen Vertagung der Vergabesitzungen durch den FWF "werden ForscherInnen verunsichert, die AntragsstellerInnen und ProjektleiterInnen frustriert", so der Wissenschaftssprecher der Grünen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 59
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dr.ban cok
03.04.2009 06:19

es ist wirklich bedauerlich. gelder für forschung sind nun auf keinen fall gewaltige posten - in österreich ist es eben prinzipiell schwierig einem hauptsächlich dummen volk forschungsausgaben als investition in die zukunft zu verkaufen. allein den politikern die schuld zu geben ist nicht schlüssig, da deren stimmengewinn der nächsten wahl vom volk abhängt und bildung sowie wissenschaft kein attraktiver punkt für eine wahl ist.

gewissermaßen ein teufelskreis - obendrein sind weltweit umfassende gelder für forschung vorhanden - sogar zu zeiten der krise...
schade in jedem fall.

FWF-Geschädigt
16.03.2009 14:25
wir jungforscher

sollten uns organisieren, und dann auf die straße gehen.

phaidros
26.03.2009 13:09
bringt in oe nichts.

leute, die streiken oder demonstrieren, koennen sich der nichtsolidaritaet der bevoelkerung gewiss sein, ganz wurscht, worum es geht.
und in den letzten 20 jahren wurde noch jede demonstration von der regierung hartnaeckig ignoriert.

einzige moeglichkeit: auswandern. andere laender (uk zum beispiel) reissen sich um internationalen forschernachwuchs. oesterreich wirds nie kapieren.

AlterEgo
 
16.03.2009 11:02

Das ist bei der deutschen DFG auch nicht besser. 10% der Projekte werden bewilligt. Die Begutachtungsphase dauert momentan 10-12 Monate. Das Fehlen jeglicher "Planungssicherheit" ist zielich nervenaufreibend.

Herr Plumm
15.03.2009 17:21

Vielleicht ist der Pröll ja auch angfressn auf die Wissenschaft weils noch keine ordentliche Schlankheitspille für ihn gibt?

Spieler5
14.03.2009 06:20
ich sehe das ganz positiv


melde mich wieder, wenn ich die guten Seiten der Forschungsentwicklung in Österreich in Worte fassen kann

Spieler5
14.03.2009 06:40
"Österreichs Forschungspolititk reißt auch die pragmatisiertesten Wissenschafter aus der Lethargie"


siehe die Zwischenrufe diverser Preisträger zum Kollektivvertrag, um diesen doch noch zu verhindern - das treibt die Jungwissenschafter endlich auf die Straße, wenn schon nicht aus organisiertem Protest, dann mindestens als Arbeitslose

Spieler5
14.03.2009 06:36
"Nachhaltige Wissenschaftspolitik in Österreich"


wenn man jetzt substantiell kürzt, dann kann später die zaghaften Erhöhungen als großartige Erfolge verkaufen - eine nachhaltige Strategie!

Spieler5
14.03.2009 06:29
"Österreich schreibt Forschungsförderung als Toppriorität im Budget fest"


spätestens im nächsten Budget, dann aber wirklich! als langfristiges Ziel etwa, zum Beispiel "Erhöhung der Forschungsförderung auf 2% bis 2090"

Spieler5
14.03.2009 06:23
"Österreich fördert die Mobilität von Wissenschaftern"


finanziell nun zwar nicht mehr, dafür umso dauerhafter

Ludovico Settembrini
13.03.2009 17:14
aus lederhose & laptop wird lederhose & sense

was faymann & proell hier zum besten geben, faellt mir mich in die rubrik "gemeingefaehrlich".

aus sicht der zukuenftigen generation und zum wohle des wirtschaftsraums oesterreich sollten diese 2 typen moeglichst rasch unschaedlich gemacht werden.

wir verplempern geld fuer die schrottpraemie, aber wichtige forschung leisten wir uns nicht...

gute nacht oesterreich!

didel
13.03.2009 17:11

Lieber Standard,

könnte man die Foschungsberichterstattung nicht prominenter plazieren???

Bankgeheimnis und Benny Raich's Ausdünstungen, Themen die Ö bewegen, wow!

didel
13.03.2009 17:01

Sowas kann es auch nur bei uns geben. Eines der reichsten Länder der Welt hat kein Geld für Forschung. Ich könnte mich totlachen, wenn es nicht so ernst wäre. Da kann ich nur froh sein nicht in Ö forschen zu müssen.

Daddy1951
 
14.03.2009 14:09
Das musst aber schon verstehen

Zuerst das Körberlgeld und andere Bezüge.
Anders kann doch gar nicht regiert werden - oder??

Naeich
 
13.03.2009 15:26
Laut ÖVP ...

liegt die Zukunft unseres Landes halt offenbar in der Landwirtschaft und in der Verschrottungsindustrie.

Wer braucht schon Forschung und Innovation? Da unterscheidet sich die "Strategie" der Herren Pröll und Hahn kaum von jener der Fachfrau und Volksschullehrerin Gehrer.

Chick3
13.03.2009 15:23
Können Wissenschaftler nicht auch streiken?

Ein paar wichtige Ministeriumsprojekte oder Gutachten zurückhalten?

Naeich
 
14.03.2009 11:49
Könnten schon ...

tun sie aber nicht. Die meisten Wissenschaftler sind leider eher Einzelgänger und eher feige. Deswegen kann man mit ihnen auch machen was man will.

an kog
14.03.2009 01:02

Im Durchschnitt befinden sich in Österreich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ganz hochoffiziell in prekären Arbeitsverhältnissen, die sonst niemandem zugemutet werden.

"Streiken? Dann geh doch!" So schauts aus.

Una música brutal
13.03.2009 23:11

streiken koennen wissenschaflter nur schwer. man koennte aber kongresse in oesterreich boykottieren und ausserdem zum boykott aufrufen, was ich hiermit tue:

boykottiert kongresse in oesterreich!

potz
13.03.2009 15:58

aah das ist mal ein kreativer ansatz: gutachten zurueckhalten ... nicht schlecht. mir ist bis jetzt naemlich nichts eingefallen, was pröll und co, nicht total blunzn gewesen waere.

Dagobert Duckk
13.03.2009 13:50
Dilettanten...

In anderen Laendern finden weiterhin Ausschreibungen statt und werden Gelder vergeben, auch wenn das Budget nicht feststeht. Schlimmstenfalls muss man halt dann, wenn das Budget finalisiert ist, die versprochenen Gelder kuerzen, sogenannte budget cuts fuer die Forscher. Damit koennen diese aber in der Regel viel besser leben als mit nix.
Schroedinger hat leider recht: muehsam aufgebautes Vertrauen innerhalb von Sekunden zerstoert. Mitschuldig ist aber auch der FWF, denn das tollpatschige Aussetzen von Vergabeterminen haette nicht sein muessen! Immerhin haette man mit einem Portfolio guter, foerderungswuerdiger Antraege auch viel mehr Druck auf die Regierung ausueben koennen, die Gelder umgehen weiterfliessen zu lassen!!

monoton
13.03.2009 12:12

ich werd nie verstehen, warum die övp mit aller macht versucht die bildung in diesem land zu vernichten

Phryx Sodalis
15.03.2009 05:35

So gierig sollte sie besser nicht sein, sonst sägt sie am eigenen Ast. Arbeiter, Angestellte kann man ruhig bis aufs Blut aussaugen, nur wenn man die Wissenschaft umbringt, gibts keine neuen Produkte mehr und damit nichts zum "richtigen" Umverteilen.

monoton
15.03.2009 14:38

das denke ich mir auch, aber vielleicht ist es der plan der övp/iv wiederum billige hochschulabsolventen aus zb indien zu importieren, so wie sie es gerade mit facharbeitern durchziehen. keine ausbildung, dafür hohe billigere facharbeiter aus dem ausland rekrutieren.
wahrscheinlich können die nicht weit genug denken um zu erkennen, daß dies eine sackgasse ist

Daddy1951
 
14.03.2009 14:14
Diese Antwort ist einfach

Die ÖVP ist eine Christliche Partei.
Und die Christliche Katholische Kirche betreibt eine Religion für Dumme. Da ist für Wissenschaft kein Platz. Die könnten sonst mit Forschung die Lücken in der Evolutionstheorie mit Fakten schließen.
Und dann? Dann ist kein Platz mehr für den Schöpfergott der ja derzeit noch in diese Lücken hinein interpretiert wird.
Ist also eine logische Handlung.

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