"Todesliste" in Mamas Schublade

12. März 2009, 19:18
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Ermittler entdeckten akribische Racheliste des 28-Jährigen

Washington - Michael McLendon war ein Mensch, der nichts vergaß. Akribisch wie ein Buchhalter notierte er auf eng beschriebenen, aus einem Schulheft herausgerissenen Seiten, wer ihm "Unrecht" angetan hatte. Ermittler fanden die Racheliste, wie sie sie nennen, in einer Kommodenschublade Lisa McLendons, der Mutter des Amokläufers von Alabama.

Es scheint eine erste, gleichwohl nur vage Antwort auf die Frage zu sein, was den 28-Jährigen zu seiner Wahnsinnstat trieb, bei der innerhalb von 50 Minuten zehn Menschen ihr Leben verloren - Familienmitglieder und scheinbar zufällig ausgewählte Fremde, bevor sich McLendon selbst das Leben nahm.

Ein Kollege beim Metallbetrieb Reliable Products verpetzte ihn bei einem Vorgesetzten, "weil ich keine Ohrschützer trug", steht auf der Liste. Ein anderer ließ ihn bei Kelley Foods, einer Wurstfabrik, "vier Stunden lang" den Fleischwolf säubern.

Ein Dritter ermahnte ihn, die Koteletts nicht so dünn zu schneiden. Prompt kam auch er auf die Liste jener, an denen der Waffennarr Revanche zu nehmen gedachte. Alles in allem ergeben die Notizen das Bild eines schnell gekränkten, wohl auch enorm ehrgeizigen Mannes, der jede Kritik als Beleidigung auffasste und sich zu Höherem berufen fühlte. (fh, DER STANDARD - Printausgabe, 13. März 2009)

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