"Halten aus, was dort kommen kann"

12. März 2009, 18:38
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Für den Sektor ist das Anpumpen des Staats ein Tabubruch, sagte RZB-Chef Walter Rothensteiner: Die Ost-Risiken seien überschaubar

Standard: Das Paket, mit dem Sie 1,75 Milliarden Euro Staatskapital zu acht Prozent abholen, ist fertig. Wann werden Sie unterschreiben?

Rothensteiner: Ungefähr in vierzehn Tagen, wenn unser Präsidium den Vertrag gesehen hat.


Standard: Sie werden zudem ein Drittel, rund 600 Mio. Euro, privat platzieren. Alles im Sektor?

Rothensteiner: Wir basteln noch an einem Modell, wonach sich befreundete Institutionen beteiligen werden. Auf dem Markt werden wir eher nichts verkaufen.


Standard:
Was waren die größten Hürden?

Rothensteiner: Die Überzeugung zu schaffen, dass eine Organisation, die den Staat 130 Jahren nicht gebraucht hat, sich nun doch des Staats bedient, um ihre Risikotragfähigkeit zu erhöhen. Das ist nicht selbstverständlich.


Standard:
Ein Tabubruch?

Rothensteiner: Ja. Nur, wir hatten in all den Jahren auch noch nie so ein Umfeld wie jetzt. Allein durch höhere Ausfallswahrscheinlichkeiten brauchen wir, wegen Basel II, mehr Eigenkapital, sodass ein Großteil dessen, was wir vom Staat nehmen, in den nächsten zwei Jahren von Basel-II-Eigenmittelerfordernissen aufgefressen wird. Insofern kann man gar nicht genug Kapital haben. Wenn es also schon die Möglichkeit gibt, und in der Zuversicht, das über den Zeitraum von fünf Jahren tilgen zu können, sollte man das machen. Davon haben wir nun alle überzeugt, aber es war ein intensiver Diskussionsprozess.


Standard:
Sie sagen, die Krise ist in zwei, drei Jahren wieder vorbei. Was macht Sie so sicher?

Rothensteiner: Was soll mich unsicher machen? Wir haben alle Krisen der Vergangenheit analysiert, mit sehr wenigen Ausnahmen sind Krisen nach zwei, drei Jahren vorbei. Fünf Jahre Rezession ist nicht wahrscheinlich.


Standard:
Warum nimmt Raiffeisen für die Osttöchter keine Firmenwertberichtigungen vor?

Rothensteiner: Weil wir keine hohen Firmenwerte und geringe Goodwills haben. Daher hat es der Wirtschaftsprüfer nicht verlangt.


Standard: Wie sehen Sie Ihr Risiko in der Ukraine, in Rumänien?

Rothensteiner: Den ukrainischen Staat finanzieren wir nicht. In der Ukraine haben wir bei 2,5 Mrd. Spareinlagen fünf Mrd. Euro Ausleihungen. Rund 57 Prozent im Retail, der Rest in Unternehmen, und da sind Multis dabei, die uns keine Probleme machen werden. Es gibt sicher Kredite, die wir stunden oder verlängern müssen, auch bei unseren 3,5 Mio. Privatkunden. Wir wollen auch nicht zwei Millionen Fernsehapparate verwerten müssen. Und unsere Stresstests haben ergeben, dass wir alles aushalten, was dort kommen kann.


Standard: Es heißt, dass kleine Raiffeisenkassen hohe Belastungen aus toxischen Papieren, Island oder Lehman hatten, die ihnen die Landesbanken abgenommen haben.

Rothensteiner: Ist mir nicht bekannt, auch nicht mein Bereich.


Standard: Kann es sein, dass die RZB solche Papiere hatte und in ihren Eigentümerbanken verteilt hat?

Rothensteiner: Sicher nicht.


Standard: Die RZB ist an der Volksbanken AG beteiligt. Haben Sie Interesse an einer Übernahme?

Rothensteiner: Nein.


Standard:
Schlafen Sie angesichts der Lage manchmal schlecht?

Rothensteiner: Nur, wenn ich zu viel gegessen habe.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2009)

 

Zur Person: Walter Rothensteiner (56) leitet die RZB und ist Präsident bei Raiffeisen International.

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