Die Hecke als Vorteil für Einbrecher

12. März 2009, 17:54
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Polizei hofft auf strategische Schwerpunkte gegen Kriminalitätsanstieg

Wien - Alte Türen sind ein Magnet. Für Einbrecher. Denn die wollen nur mit roher Gewalt in die Wohnungen - Geißfuß und andere Aufbruchwerkzeuge sind die Mittel ihrer Wahl. Allerdings: Wie die aktuellen Zahlen der Kriminalstatistik zeigen, kam es in den ersten beiden Monaten nicht nur zu mehr Wohnungseinbrüchen. Sondern auch Häuser wurden in Wien und seinem Umland zum Ziel.
Dass das potenziell riskanter sei, da die Anonymität der Großstadt fehle, sieht Rupert Sprinzel, Büroleiter für Einbruchskriminalität im Bundeskriminalamt (BK), nicht so. "Die meisten Menschen haben ja in ihrem Garten gerne Privatsphäre. Die Hecken bieten aber auch Sichtschutz, wenn die Einbrecher die Terrassentür aufbrechen" , gibt der Kriminalist zu bedenken.

Die Entwicklung bereitet ihm naturgemäß Sorgen. Bei der Polizeistrategie der kommenden Monate soll das Thema Priorität haben. Dazu gehört beispielsweise die Analyse der geografischen Verteilung von Tatorten. Breiten sich die etwa entlang einer Autobahn aus, können die Kräfte vor Ort besser Streifendienste oder Straßensperren planen.

Mitunter führt so etwas zu überraschenden Erkenntnissen. "Wir hatten einmal einen Fall, wo entlang der Donau trotz Kontrollen die Täter immer wieder aktiv waren. Schließlich haben wir entdeckt, warum unsere Straßensperre wirkungslos waren: Sie kamen mit Fahrrädern über den Donauradweg und hatten nur leichte Beute wie Schmuck und Bargeld mitgenommen" , erinnert sich Sprinzel.

Der plötzliche Einbruchsanstieg kann auch mit der veränderten Marktlage zusammenhängen, mutmaßt er. "Es geht nur um Geld. Und da wird darauf geachtet, was am meisten bringt. Die Zahl der Buntmetalldiebstähle etwa ist deutlich gesunken - aufgrund der Wirtschaftskrise gibt es kaum Bedarf mehr."

An der Herkunft der Täter hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert: Georgier, Moldawier und Serben führen die Liste an. Große Mafia-Gruppen, wie im Film, wo ein Capo mehrere hundert Untergebene kontrolliert, sind aber selten.

"Es ist eher so, dass sich ein paar Männer, oft aus einem Dorf, entschließen, ihr Glück zu versuchen. Hier helfen ihnen zwar bereits anwesende Landsleute, aber eine wirkliche Organisation steckt nicht immer dahinter." Ins Land kommen die Verdächtigen übrigens meist illegal, eine Tarnung als Asylwerber ist nicht mehr so häufig.

In einem Punkt gibt sich Sprinzl aber realistisch. "Bei Gruppen sind Fahndungserfolge leichter. Wenn es ein einzelner Täter ist, der nur einmal oder in großem zeitlichen Abstand zuschlägt, wird es sehr, sehr schwierig ihn zu erwischen." (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 13. März 2009)

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