Bei der AUA wird das Geld knapp

12. März 2009, 17:40
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Dei AUA präsentiert am Freitag ihre tiefrote Bilanz. Aus dem staatlichen Notkredit sind nach zweieinhalb Monaten gerade noch 46 Millionen verfügbar

Wien - Der AUA-Aufsichtsrat hat am Donnerstag die tiefrote Bilanz 2008 abgesegnet. Inklusive aller Abschreibungen wird ein Minus von 475 Mio. Euro erwartet. Analysten wie Paul Wessely von der UniCredit meinen gar, der Verlust könnte um etwa 50 Mio. höher sein, je nachdem wie hoch die Abschreibungen für die Flugzeuge angesetzt werden - und das bei einem nahezu unveränderten Umsatz von 2,456 (2,469) Mrd. Euro.
Den operativen Verlust aus dem Fluggeschäft (Ebitda) schätzt Wessely für 2008 auf minus 263 Mio. Euro, nach einem Plus von 373 Mio. im Jahr 2007. Für heuer erwartet der Analyst bei einem Umsatzrückgang einen Nettoverlust von 171 Mio. Euro. Am Freitag präsentiert die AUA die Bilanz.

Kaum Bewegungsspielraum

Viel Bewegungsspielraum hat die AUA nicht mehr. Von den 200 Mio. Euro, die die Airline vom Staat im Dezember 2008 bekam, sind gerade noch 46 Mio. Euro bis 30. Juni verfügbar. Nach 67 Mio. am 23. Dezember mussten im Jänner und März weitere jeweils zehn Mio. Euro "zur Deckung des Finanzbedarfs aus dem operativen Geschäft, wenn dies zur Abwehr eine Insolvenz notwendig ist" (so die offizielle Formulierung) abgerufen werden. Der verbleibende Kreditrahmen darf nicht mehr zur Abdeckung laufender Verluste verwendet werden, es sei denn, die Lufthansa erlaubt es.

Keine Kündigungen

UniCredit-Analyst Wessely geht davon aus, dass es heuer noch zu keinen Kündigungen kommen wird. Wahrscheinlich werden bei der Kurzarbeit alle gesetzlichen Möglichkeiten (bis zu zehn Prozent) ausgeschöpft. 2010 aber, wenn die Deutschen dann das Sagen haben, erwartet er eine Bereinigung bei den Destinationen, die dann im Konzern abgestimmt werden. "Ich glaube nicht, dass es dann ohne Kündigungen gehen wird."
Von der EU erwartet Wessely die Vorgabe, dass die Airlines im (lukrativen) Deutschland-Österreich-Verkehr bis zu 20 Prozent der Strecken aus Wettbewerbsgründen aufgeben werden müssen.
Geht es der AUA schlecht, leidet auch der Flughafen Wien. Im Februar sank das Passagieraufkommen um 16,5 Prozent. Neben dem geringen Geschäftskunden-Aufkommen machten sich die Streckenstreichungen bei der AUA auf der Langstrecke, wodurch Transferpassagiere zur "Fütterung" der Europa-Destinationen wegfielen, bemerkbar. Es ist überall weniger Geschäft, heißt es, auch die Wochenendreisenden fehlen. Flughafen-Chef Herbert Kaufmann erwartet im Gesamtjahr ein Minus von fünf Prozent. Analyst Wessely rechnet mit minus sieben Prozent und einen Gewinnrückgang von 88 Mio. Euro auf 75 Mio. Euro. Der Personalberater Egon Zehnder wurde übrigens für die Hearings mit möglichen neuen Flughafen-Vorständen engagiert.

Air Berlin kürzt

Angesichts der trüben Aussichten reduziert auch die Air Berlin, ihre Kapazität. Im Sommer werden fünf bis sechs Flugzeuge weniger eingesetzt.
"Wir passen das auf Monatsbasis an" , sagte Airline-Chef Joachim Hunold. Auch Kurzarbeit schloss Hunold nicht aus. Die sinkende Nachfrage der Reiseveranstalter wirke sich eben auch auf Air Berlin aus. Eine Prognose für den Sommer wolle er aber nicht wagen. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 13.3.2009)

 

  • Die Streckenstreichungen der AUA spürt jetzt auch der Wiener Flughafen massiv. Es fehlen Geschäfts- und Privatreisende.
    foto: standard/cremer

    Die Streckenstreichungen der AUA spürt jetzt auch der Wiener Flughafen massiv. Es fehlen Geschäfts- und Privatreisende.

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