"Erwarten einen starken Rückgang des Grundgeschäfts"

12. März 2009, 17:57
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Die österreichische Kontrollbank hat ein Nettoergebnis von 102 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 82 Miollionen im Jahr 2007

Wien - Parallelen zu den Jahren 1989 bis 91 zieht Rudolf Scholten, der Vorstand der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB), wenn er über das derzeitige Geschäft seines Instituts spricht. Damals wurden im Zuge des Umbaus von staatlich gelenkten (kommunistischen) Systemen auch eine Reihe von Schuldenerlässen gegeben. Reste davon, und zwar aus den Umstrukturierungen polnischer Schuldenerlässe werden (letztmalig) in der 2008er-Bilanz zu finden sein, erklärt Scholten bei einem Hintergrundgespräch im Klub der Wirtschaftspublizisten.
Das Lieferrisiko nach Osteuropa inklusive Ukraine hat sich laut OECD-Länderrisikoliste verstärkt. Rumänien rangiert seit Jahreswechsel auf der siebenteiligen Skala bei 6 (vorher: 5), Ungarn bei 4 (vorher 3) und die Ukraine ebenfalls bei 6. Daraus resultierend erwartet Scholten, dass die Ausfälle bzw. die Verzögerungen bei der Rückzahlung heuer "stark zunehmen" werden.

Rückgang beim Grundgeschäft

Auch das Grundgeschäft selbst, also Exportfinanzierungen, werde heuer zurückgehen, erklärte er. Allerdings sei aufgrund der zunehmenden Unsicherheiten für die Firmen, die sich im Osten engagieren, zu erwarten, dass diese Unternehmen heuer verstärkt von den Diensten der Kontrollbank Gebrauch machen werden.
Die Risiken, die aus den Exportsicherungen in die Region resultieren, hält Scholten trotzdem für beherrschbar. Erstens, weil die Kontrollbank "immer auf ein gut gestreutes Portfolio" geachtet" habe. Und zweitens, weil Selbstbehalte bei den Exporten/Projekten ein gesundes Korrektiv darstellen. Mit 10,8 Mrd. Euro hat die Kontrollbank rund ein Viertel der Haftungen in Osteuropa, inklusive Russland und Ukraine vergeben.
"In Summe haben wir auch in der Vergangenheit bei Umschuldungen gut verdient" , verweist Scholten etwa auf Umschuldungen Russlands nach der Wende. Am Beispiel der Ukraine, dem größten Unsicherheitsfaktor in der Region, meint er, dass aus Sicht eines Exportfinanzerer ein in etwa gleichbleibendes Risiko am wahrscheinlichsten sei.
Die OeKB haftet in Russland für drei Mrd. Euro und in der Ukraine für 2,3 Mrd. Euro. Große Haftungen hat die OeKB auch in Rumänien (1,2 Mrd. Euro) und Kasachstan (900 Mio. Euro).

102 Millionen erwirtschaftet

Die OeKB hat 2008 ein Nettoergebnis von 102 Mio. Euro erwirtschaftet, nach 82 Mio. Euro im Jahr 2007. Der Überschuss für die Republik belief sich unverändert zu 2007 auf 125 Mio. Euro. 44,4 Mrd. Euro an Haftungen waren per Jahresende vergeben, um 7 Mrd. Euro mehr als Ende 2007. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2009)

 

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    Rudolf Scholten

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