Schweizer Notenbank senkt Leitzins

12. März 2009, 16:23
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Die Schweizerische Nationalbank greift im Kampf gegen die Rezession zu drastischen Mitteln und tätigt auch Devisenkäufe

Zürich - Im Kampf gegen die schwerste Rezession seit Jahrzehnten hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins auf nahe Null gekappt. Der Schlüsselzins wurde am Donnerstag um einen Viertelprozentpunkt auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. Die Notenbank schwenkt nun auf eine alternative Geldpolitik um und will dabei auch Franken-Anleihen privater Schuldner erwerben sowie am Devisenmarkt intervenieren. Sie will damit eine Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro verhindern. Damit soll die Wirtschaft der exportabhängigen Schweiz vor einer Verschärfung der Krise bewahren werden.

Mit der unorthodoxen Geldpolitik folgt die Notenbank einem Kurs, den schon die Bank von England und auch die US-Notenbank eingeschlagen haben. Um die Liquidität am Markt zu erhöhen, will die SNB unter anderem zusätzliche Repo-Geschäfte abschließen. Der Leitzins Dreimonats-Libor soll auf 0,25 Prozent von bisher 0,5 Prozent sinken. Dafür nimmt die SNB das Zielband für den Dreimonats-Libor um 0,25 Prozentpunkte auf 0 bis 0,75 Prozent zurück und peilt den unteren Bereich des neuen Zielbands bei etwa 0,24 Prozent an.

Rabenschwarze Aussichten

Die SNB geht von rabenschwarzen Wirtschaftsaussichten für die Schweiz aus. Sie rechnet für dieses Jahr mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 2,5 bis 3,0 Prozent. Das ist mehr als bisher auch die pessimistischen Konjunkturexperten angenommen hatten. "Die Verschlechterung (der Weltwirtschaft) trifft die Schweizer Wirtschaft mit voller Wucht", erklärte die SNB. Das treffe vor allem die Exportindustrie.

Die Entwicklung lässt auch Sorgen vor einer Deflation - also einem Preisverfall auf breiter Front - aufkommen. Deflation wie Inflation müssten vermieden werden, erklärte die SNB weiter. Für 2009 erwartet die SNB, dass das Preisniveau um 0,5 Prozent sinkt und 2010 und 2011 eine Teuerung nahe Null zu erwarten ist.

Für die Volkswirtschaftsexperten der großen Banken kommt der neuerliche Zinsschritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht überraschend. Nicht einig sind sie sich über die düsteren Wachstumsprognosen der Notenbank.

Größere Krise

"Die SNB geht auf das Zinsniveau herunter, das bei der letzten Baisse 2001/2002 im Anschluss an die geplatzte Technologieblase schon einmal bestand", sagte Willy Hautle, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank (ZKB), am Donnerstag der Nachrichtenagentur SDA. Die jetzige Krise sei allerdings größer, komplexer und gefährlicher.

Wie Hautle haben auch Felix Brill von der UBS und Fabian Heller von der Credit Suisse den Schritt erwartet. Die Stoßrichtung sei klar, sagten die beiden Volkswirtschaftler: Die Nationalbank wolle weiter signalisieren, dass sie die Wirtschaft stützt und monetäre Bedingungen locker halten wolle, umso dem Abschwung entgegenzuwirken.

Der Spielraum für weitere Zinssenkungen ist nun allerdings faktisch ausgeschöpft. Hautle und Brill sehen die sogenannte "quantitative Lockerung" als logischen Schritt. Das bedeutet, dass die SNB Wertschriften und Unternehmensanleihen kauft und in ihre Bilanz nimmt, umso Marktsegmente zu stützen.

Die Maßnahme der quantitativen Lockerungen hätten schon die amerikanische Notenbank FED, die Bank of England und andere Zentralbanken ergriffen, sagte Willy Hautle. Felix Brill sagte, wegen der großen Nachfrage nach qualitativ guten Schuldnern würde sich das "Gerangel" am Obligationenmarkt aber noch verstärken.

Devisenkäufe

Zu den Devisenkäufen der SNB äußerte sich ZKB-Experte Hautle skeptisch: Die Krise sei global und die Währung könne kaum auf Kosten anderer gestützt werden. Das Bestreben, den Franken abzuschwächen, diene vor allem der gebeutelten Exportwirtschaft, wie UBS-Ökonom Brill verdeutlichte.

Die BIP-Prognose der SNB, die von einer Schrumpfung des Wirtschaftswachstums von 2,5 bis 3 Prozent für 2009 ausgeht, ist für Willy Hautle etwas düster. "Richtig ist, dass die Indikatoren senkrecht nach unten fielen. Wir sollen aber auch stützende Faktoren wie die Konjunkturprogramme, die tiefen Zinsen und die ebenfalls tiefen Energiepreise nicht vergessen", sagte der ZKB-Chefökonom.

Für Fabian Heller und Felix Brill sind die schlechten Aussichten eher realistisch. "In Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz, wird mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung von 4 bis 5 Prozent gerechnet", sagte Felix Brill. Die schlechten Prognosen der SNB würden damit nur die Weltlage abbilden. Auch die Inflationsprognose der Notenbank von nahe Null über 2009 hinaus zeige, dass die SNB von keiner raschen und nachhaltigen Erholung ausgehe, sagte Brill.(APA)

 

 

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