Schließungen sorgen weiter für Empörung

12. März 2009, 13:09
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Die Österreichische Post will zwar 300 der 1.300 Ämter schließen, hat aber mit dem Filialgeschäft 2008 sehr gut verdient, das sorgt einmal mehr für Aufregung

Wien - Die Österreichische Post will zwar 300 der 1.300 Ämter schließen, hat aber mit dem Filialgeschäft 2008 sehr gut verdient. Das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich um 6,7 Prozent auf 14,5 Mio. Euro. Die börsenotierte Post hat dies heute bei der Bilanzpressekonferenz auf die "stetige Effizienzsteigerung" zurückgeführt. Der Umsatz der Division "Filialnetz" erhöhte sich um 0,8 Prozent auf 398,5 Mio. Euro, der Innenumsatz - also das Kerngeschäft - legte um 1,4 Prozent auf 206,3 Mio. Euro zu.

Die teilstaatliche Post AG verzeichnete 2008 über 67 Millionen Kundenbesuche, 127.000 Kunden haben einen Handyvertrag am Postamt abgeschlossen. Der gesamte Telekomumsatz belief sich laut Filialnetz-Chef Herbert Götz auf 50 Mio. Euro. Die Provisionen durch die P.S.K.-Bank, sprich von Kooperationspartner BAWAG, beliefen sich auf 92,9 Mio. Euro und blieben damit trotz Finanzmarktkrise stabil. Götz sprach am Donnerstag von einem "sehr erfolgreichen Geschäftsjahr. Man habe die P.S.K.-Bank "mit außerordentlichem Erfolg neu positioniert".

Schließungspläne bleiben

An den Plänen zur Schließung von "defizitären Kleinstfilialen" (c/o Götz) habe sich durch den Filialerfolg nichts geändert, man müsse die Struktur das Unternehmen weiterhin auf einen sich verschärfenden Wettbewerb einstellen. Dass die Post Ämter schließt und gleichzeitig heuer eine Dividende von 2,50 Euro (inklusive Sonderdividende) ausschütten will, sehen weder Götz noch der künftige Postchef Rudolf Jettmar als Widerspruch. "Verbessert das (weniger Dividende, dafür mehr Ämter, Anm.) die Gewinn- und Verlustrechnung 2009? Nein, in keinster Weise", so Jettmar. Die Sonderdividende von 1,0 Euro je Aktie wird die Post 65 bis 67 Mio. Euro kosten.

Er erinnerte daran, dass der Wert eines Unternehmens im wesentlichen vom Gewinn bestimmt sei. Und von dem habe auch der Staat profitiert, der an dem Ex-Staatsbetrieb noch 51 Prozent hält. Seit dem Börsegang im Jahr 2006 habe die Post 210 Mio. Euro Dividende an den Finanzminister ausgeschüttet, rechnete Jettmar vor. Weiters habe die Post in dieser Zeit über 100 Mio. Euro an Steuern bezahlt. Er betonte auch, dass die Suche nach Postpartnern - also Nahversorgern, die als Postamt fungieren, - sehr gut angelaufen sei. Alleine in der ersten Woche hätte es 500 Anfragen für 450 Postpartnerschaften gegeben. Allerdings: Nur in 136 der 293 von Ämterschließung bedrohten "Umtauschgemeinden" (c/o Götz) gab es Interessenten. Mit 284 der 293 betroffenen Bürgermeister hätte man jedenfalls schon einen Gesprächstermin vereinbart.

Deftiges Minus im Paketbereich

In der Division "Brief" musste die Österreichische Post trotz Monopols bis Sendungen von einem Gewicht von 50 Gramm beim Betriebsergebnis ein Minus von 7,2 Prozent auf 254,5 Mio. Euro hinnehmen. Der Umsatz ging um 7,1 Prozent auf 1,505 Mrd. Euro zurück. Ein deftiges Ergebnisminus musste die Division "Paket & Logistik" verschmerzen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern drehte von plus 12,8 Mio. Euro auf minus 25,5 Mio. Euro. Der Umsatz hingegen erhöhte sich um 6 Prozent auf 816 Mio. Euro. Im Vorjahr war der Post mit dem Einstieg des deutschen Anbieters Hermes eine starke Konkurrent erwachsen.

Zugeknöpft gab sich Jettmar zur weiteren Entwicklung des sogenannten "Karriere- und Entwicklungscenters" (KEC), in dem knapp 600 Postler "zwischengelagert" sind. Sie sind beamtet, können also nicht gekündigt werden, haben aber laut Postmanagement keinen Verwendungszweck im Unternehmen. Einen Golden Handshake wollten sie nicht annehmen, so sind sie nun laut Postgewerkschaft zum Daumendrehen verdammt. Rund 400 Postmitarbeiter haben sich hingegen für eine großzügige Abfertigung entschieden. Sie bekamen laut Postvorstand im Schnitt 60.000 Euro Abfindung pro Person. 55 Prozent der 27.000 Postler haben noch einen Beamtenstatus.(APA)

 

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