Schwangerschaft trotz Chemotherapie

12. März 2009, 13:14
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Innsbrucker Klinik friert Eierstockgewebe ein um nach Therapie Schwangerschaft zu ermöglichen

Innsbruck - Als einzige Einrichtung in Österreich bietet die Innsbrucker Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin die Möglichkeit, trotz etwa einer Chemotherapie schwanger zu werden. Nach Angaben vom Donnerstag wird dabei Eierstockgewebe eingefroren, um später eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Chemotherapie schädigt Eierstöcke

Das Angebot richtet sich vor allem an Patientinnen aus ganz Österreich, die eine Chemotherapie vor sich haben. Bei dieser Behandlung werden die Eierstöcke häufig dauerhaft geschädigt. Wenn noch etwa zwei Wochen Zeit bis zum Beginn der Therapie sind, dann können die Eierstöcke der Patientin medikamentös angeregt, Eizellen gewonnen und dann eingefroren werden.

Ist diese Zeit nicht mehr gegeben, zum Beispiel bei jüngeren Patientinnen mit Leukämie, wo möglichst schnell mit der Therapie begonnen wird, dann könnten die Ärzte immer noch im Rahmen eines kleinen Routineeingriffs (einer Bauchspiegelung) ein Gewebestück mit "jungen" Eizellen entnehmen und einfrieren (Kryokonservierung), hieß es. Dafür stehe eine der modernsten Gefrieranlagen zur Verfügung. Zusätzlich würden auch medikamentöse Therapien zum Schutz der Eierstöcke durchgeführt. Durch diese Methode sei bereits Patientinnen eine Schwangerschaft nach Chemotherapie ermöglicht worden.

Vielfältige Ursachen für Unfruchtbarkeit

In den letzten Jahren hätten die Fälle von Unfruchtbarkeit deutlich zugenommen, erklärte der Leitende Oberarzt der Universitätsklinik, Ioannis Zervomanolakis. Jedes 7. Paar leide bereits unter derartigen Problemen. Die Ursachen für Sterilität seien dabei vielfältig, genauso vielfältig müsse deshalb auch das Behandlungsspektrum sein. Aus diesem Grund biete die Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, neben individuell zugeschnittenen Therapien, auch ein breites Spektrum an diagnostischen Methoden. Dazu zähle zum Beispiel ein hochauflösendes Mikroskop, mit dem die sogenannte IMSI durchgeführt werden kann. Bei dieser Methode werden Spermien, vor der Befruchtung der Eizelle, bei 6.000-facher Vergrößerung analysiert und anschließend nur die besten injiziert.

Weiters bietet die Innsbrucker Universitätsklinik bereits seit Jahresbeginn die sogenannte Polkörperdiagnostik an. Diese Methode erlaube eine genetische Untersuchung der Eizelle. Die Entnahme der Polkörper wird vom Biologen Wolfgang Biasio durchgeführt. Biasio habe bereits das erste Baby nach einer Polkörperbiopsie in Tirol "gezeugt". (APA)

  • In den letzten Jahren nahmendie Fälle von Unfruchtbarkeit deutlich zu - die Ursachen sind vielfältig
    foto: tilak

    In den letzten Jahren nahmendie Fälle von Unfruchtbarkeit deutlich zu - die Ursachen sind vielfältig

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