E-Autos steigern Stromverbrauch kaum

12. März 2009, 12:39
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Elektroautos gelten in Zeiten knapper fossiler Reserven als zukunftsträchtige Option, weitere notwendige Kraftwerkskapazitäten sehen Wissenschafter nicht

Wien - Mehr E-Fahrzeuge heißt höherer Stromverbrauch und mehr Kraftwerks- und Netzbelastung - könnte man meinen. Nicht unbedingt, glaubt man hingegen beim internationalen Martkforscher PricewaterhouseCoopers (PwC), der sich im Auftrag des heimischen Klima- und Energiefonds (KLI.EN) das Potenzial der Elektromobilität angesehen hat.

Geht man im Jahr 2020 von 20 Prozent Elektroautos (ca. eine Mio. Fahrzeuge, keine Hybrids, keine schweren Lkw) auf Österreichs Straßen aus, bedeutet das laut PwC-Studie lediglich einen zusätzlichen Stromverbrauch von drei Prozent. Die Wissenschafter schließen daraus, dass keine zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten notwendig wären. Ebenso sei die Netzinfrastruktur ausreichend. Geld müsste dagegen beim Bau von Ladestationen in die Hand genommen werden.

Teure Ladestationen

PwC hat bei einer 20-prozentigen Abdeckung durch E-Autos einen Bedarf von 16.200 Ladestationen österreichweit errechnet - Kostenpunkt: 650 Mio. Euro. Werde der Schwerpunkt wie derzeit in den Städten gesetzt, seien es 2.800 Stationen mit einem Investitionsvolumen von 111 Mio. Euro.

Der Klima- und Energiefonds sieht aber auch die Energiewirtschaft in der Pflicht, könnten doch mehr E-Autos auch ein zusätzliches Geschäft bedeuten. So müssten künftige Ladestationen von vornherein "intelligent" konzipiert sein (vehicle-to-grid). Neben dem Aufladen sollte auch eine Rückeinspeisung des Stroms in das öffentliche Netz möglich sein. Das wiederum heiße, dass sich die Stromversorger Preis- und Geschäftsmodelle überlegen müssten, wie sie den rückgespeisten Strom vergüten (Pauschalen, Gutschriften etc.), schreibt der Fonds.

Es dürfe nämlich nicht übersehen werden, dass die Kapazitäten zahlreicher Batterien (rund drei Viertel) bei einem durchschnittlichen Fahrverhalten nicht genützt würden, erklärte Studienautor Erwin Smole. Das könnte sich die Stromwirtschaft zu Nutzen machen und so manche Kraftwerksinvestition einsparen, schreibt wiederum der Energiefonds. Rund 17 Prozent des heimischen Gesamtstromverbrauchs könnten laut PwC-Berechnungen wieder rückgespeist werden (angenommen wird eine jährliche Stromverbrauchssteigerung von zwei Prozent).

Energiesparen

Insgesamt gesehen würden Elektrofahrzeuge sogar Energiesparen helfen, da sie einen höheren Wirkungsgrad (ca. 85 Prozent vs. rund 25 Prozent bei Verbrennungsmotoren) aufweisen. 20 Prozent Elektrofahrzeuge bis 2020, was laut der Automotivbranche übrigens ambitioniert aber machbar ist, würde einen Beitrag zur Energieeinsparung von ca. 8,4 TWh liefern. Das entspreche etwa 35 Prozent des Energieeffizienzziels für 2020, erklärte Smole.

Österreichs Klimabilanz würde sich dadurch um knapp zwei Mio. Tonnen CO2-Äquivalente verbessern. Das ist laut Studie eine Reduktion von 16 Prozent der CO2-Emissionen von Pkw, leichten Nutzfahrzeugen und einspurigen Fahrzeugen.

PwC hat sich auch den volkswirtschaftlichen Nutzen betrachtet. Ein Fünftel E-Fahrzeuge am Gesamtbestand 2020 würde gemäß PwC-Analyse einen positiven Nettoeffekt von rund einer Milliarde Euro ergeben. Die Ausgaben der öffentlichen Hand bleiben laut der Erhebung quasi unberührt. Geringere Einnahmen durch die Umsatzsteuer auf Treibstoffe und der Mineralölsteuer würden etwa durch höhere Steuerzahlungen auf Strom und verminderte Ausgaben für Ölimporte aufgewogen. Damit entfällt die Milliarde fast ausschließlich auf die Energiewirtschaft, was rund zehn Prozent ihres derzeitigen Umsatzes entspricht. (APA)

 

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    Blick unter die Kühlerhaube des Elektro Fahrzeuges Mini. Der Elekro-Mini hat eine Fahrleistung von 250 Kilometern, seine Hoechstgeschwindigkeit betraegt 152 Kilometer pro Stunde und das Aufladen der Batterie dauert zwei Stunden.

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