Frauenfeindliche Aussage: Landtagspräsident entschuldigt sich

12. März 2009, 12:12
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Aus seiner "ironischen Antwort" sei im Nachhinein eine gemacht worden, die seinem Frauenbild "in keiner Weise entspricht", so Walter Prior

Eisenstadt - Burgenlands Landtagspräsident Walter Prior, dem die Grünen im Zusammenhang mit einem im Jänner gegebenen TV-Interview für eine Gesellschaftsreportage Frauenfeindlichkeit vorwarfen, hat sich am Donnerstag zu Beginn der Landtagssitzung für seine damalige Aussage entschuldigt. Die burgenländische Klubobfrau der Grünen Grete Krojer nahm die Entschuldigung zur Kenntnis.

Äußerung nicht auf Frauen im Allgemeinen bezogen

Prior meinte, könne "nachvollziehen, dass viele Frauen über die Berichterstattung meiner getätigten Äußerungen sehr betroffen sind". Er wolle hiermit "ganz eindeutig klarstellen, dass sich meine Äußerungen keineswegs gegen die Frauen im Allgemeinen gerichtet haben", sagte Prior in seiner Erklärung. Es sei ihm ein persönliches Anliegen, dem Landtag und der Öffentlichkeit gegenüber seinem Bedauern Ausdruck zu geben, dass dieser Eindruck entstanden sei: "Ich möchte mich daher in aller Form dafür entschuldigen", sagte Prior.

Er habe in dem Interview, das im Jänner anlässlich des Neujahrsempfanges der Landeshauptstadt Eisenstadt entstand, eine "ironische Antwort", bezogen auf die damalige Situation und die Fragestellung, formuliert. Wochen später sei dann offenbar ein Frauenbild transportiert worden, "welches meiner persönlichen Meinung in keiner Weise entspricht", so der Landtagspräsident. Es werde auch weiter seine Aufgabe als Landtagspräsident und als Sozialdemokrat sein, daran zu arbeiten, dass Frauen in der Gesellschaft alle Möglichkeiten zur Mitbestimmung und Mitgestaltung erhalten.

Für eine Sitzungsunterbrechung sorgten kurz darauf die Freiheitlichen: FPÖ-Klubobmann Johann Tschürtz beantragte eine Sitzung der Präsidiale. Tschürtz schlug vor, die Landtagssitzung aufgrund der ausgedehnten Tagesordnung mit 25 Punkten zweitägig abzuhalten. Nach einer Beratung der Präsidiale erklärte Landtagspräsident Prior, die Sitzung werde so abgehalten, wie dies in der Tagesordnung vorgeschlagen sei.

Schlagabtausch "respektlos"

In dem Interview wird zunächst als Wermutstropfen angemerkt, dass beim Empfang nur wenige hochkarätige weibliche Gäste die Räumlichkeiten gesäumt hätten. Danach kommt zunächst Grünen-Klubobfrau Grete Krojer zu Wort: "Ich sag' nur: Die zwei Spitzenrepräsentanten des Landes sind Männer und sie werden nicht freiwillig die Macht abgeben. Also, die müssen wir uns leider schwer erkämpfen." Anschließend ist der Landtagspräsident zu hören: "Ja, die Frau Krojer hat das Frauenproblem immer wieder. Ich hab kein Problem damit. Na ja, ich hab ihr das gesagt, es steht bereits in der Bibel geschrieben: Wenn sie etwas nicht weiß, soll sie nach Hause gehen und ihren Mann fragen."

Akzeptiert, aber betroffen

Die vom Landtagspräsidenten in dem Interview getätigten Aussagen seien "niveaulos, respektlos und an Frauenfeindlichkeit kaum zu überbieten", hatte Krojer vergangene Woche anlässlich des Frauentages erklärt. Die Entschuldigung Priors nehme sie nun zur Kenntnis, meinte Krojer am Donnerstag in einer Aussendung: "Prior hat offenbar dem öffentlichen Druck nachgegeben und doch noch eingesehen, dass Frauenfeindlichkeit und Chancengleichheit ganz einfach nicht zusammenpassen." Trotz allem mache es sie betroffen, dass sich "kein einziger männlicher SPÖ-Politiker von dieser Aussage öffentlich distanziert hat", erklärte die Klubobfrau. (APA)

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