Staatshilfe im Wochenrhythmus

12. März 2009, 17:50
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Mit oder ohne Ostgeschäft: Alle großen Banken brauchen Milliarden vom Steuerzahler. Nun stellen sich auch die Bank Austria, ihre Mutter UniCredit und die Bawag unter die staatlichen Rettungsschirme

Wien - Die Banken holen sich im Wochentakt Geld vom Staat. Nach der Kärntner Hypo Group Alpe Adria im Vorjahr (900 Millionen Euro) und Erste Group (1,9 Milliarden) folgt in den nächsten zwei Wochen die Raiffeisen Zentralbank (RZB). Sie pumpt sich 1,75 Mrd. Euro (siehe Interview unten). Die Volksbanken haben zwar schon Beschlüsse für eine Geldspritze (bis eine Mrd. Euro), intern wird aber noch gestritten, wie viel sie wirklich nehmen will.
Recht schwierig gestaltet sich die Meinungsbildung in der Bank Austria (BA), seit Monaten wird mit der Mutter UniCredit verhandelt. Nun sind erstmals Details zu den Plänen bekannt geworden, die am Freitag im BA-Aufsichtsrat in Wien und am Dienstag im Verwaltungsrat der UniCredit besprochen werden sollen. UniCredit wolle sich eine Milliarde Euro vom italienischen Staat und die Bank Austria drei Milliarden vom österreichischen abholen, berichtet die römische Zeitung Il Messaggero.

Realistische Zahlen

Die Bank Austria kommentiert dies nicht, aus Bankenkreisen ist aber zu hören, dass es sich "um realistische Zahlen" handle. Möglicherweise wird ein Ergebnis der Verhandlungen bereits am Mittwoch bei den Bilanzpräsentationen beider Institute bekannt gegeben, fix ist das aber nicht. Die Bilanz der Bank Austria 2008 soll wieder gut ausschauen, wenn auch, aus naheliegenden Gründen, das Ergebnis 2008 (rund 2,7 Mrd. Gewinn) nicht erreicht wurde.
Einer der Knackpunkte für die Verhandler der Republik Österreich ist, welchen Beitrag UniCredit für ihre Österreich-Tochter leisten wird. Bei Banken in ausländischer Hand sollten nämlich die Mütter einen "substanziellen Beitrag" leisten, bevor der Staat zuschießt; bei der Hypo Group Alpe Adria ist das durch eine Kapitalspitze der BayernLB (700 Mio. Euro) geschehen. Lässt der Eigentümer nichts springen, könnte die Republik ihre Geldspritze unter verschärften Bedingungen setzen, und in dem Rahmen etwa auf die Entsendung eines Vertreters in den Aufsichtsrat bestehen.
Die Mailänder Banker haben sich in dem Zusammenhang bisher sehr bedeckt gehalten. Alessandro Profumo jedenfalls wurde von den österreichischen Aufsehern vor wenigen Wochen nach Wien geladen, um "ihm die Notwendigkeit näher zu bringen, dass man beim Kapital der Bank etwas machen muss" , wie das ein Involvierter nennt.

Kritische Beobachter

In der Bank Austria selbst gibt es auch kritische Beobachter, die ins Staatspaket gleichsam Unabhängigkeitselemente eingepackt sehen wollen. Hintergrund: 2012 läuft der Bank-der-Regionen-Vertrag aus, der die Zuständigkeit der Wiener Bank für Zentral- und Osteuropa festschreibt. Über Vertragselemente bei der Staatsgeld-Zufuhr könnte sich Österreich ein paar Mitbestimmungsinstrumente herausverhandeln und somit den österreichischen Einfluss gegenüber Mailand absichern, lauten die Überlegungen.
Auch bei der Bawag, die fast zur Gänze dem US-Fonds Cerberus gehört, wird intern intensiv an Varianten gerechnet, unter denen man Partizipationskapital (PS) holen will. Einen Bericht von Format, wonach es eine Milliarde Euro sein wird, bestätigt die Bawag nicht - bis vor kurzem standen aber bankintern 600 Mio PS-Kapital plus 200 Mio. von Cerberus zur Debatte.

Bilanz verhagelt

"Eilig habe man es bei all dem nicht" , heißt es in der Bank; tatsächlich hat es die Bilanz 2008 aber verhagelt, wie zu hören ist. Man erwartet (wie zum Halbjahr 2008 angekündigt) einen kräftigen Verlust. Laut Informationen des Standard soll der einige hundert Millionen Euro betragen, was dementsprechend aufs Eigenkapital durchschlägt. Die Bank hat schon im ersten Halbjahr 2008 rund 115 Mio. Euro mit "Finanzinstrumenten" verloren; im zweiten Halbjahr hat sich das noch wesentlich erhöht, die Bank werde die Papiere stark abschreiben, heißt es. Laut einem Eigentümervertreter waren aus strukturierten Finanzprodukten zuletzt noch 1,2 Mrd. Euro offen, die Bawag bestätigt das nicht.
Gespräche mit dem Finanzminsterium laufen, das bestätigte auch Notenbankchef Ewald Nowotny: Alle großen österreichischen Banken hätten Interesse am 15-Milliarden-Euro Bankenhilfspaket angemeldet und Gespräche begonnen. "Wir werden noch vor dem Sommer alle Banken dabei haben und wenn die Gespräche vorbei sind, werden die 15 Milliarden nicht ausgeschöpft sein" . Dann sollte die Lage stabilisiert sein. (gra, kol, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2009)

 

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    Die Rechenmaschinen rattern ohne Unterlass, wenn große Banken beim Finanzminister um Geld anklopfen.

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