Bank Medici führt noch immer Gespräche mit Investoren

12. März 2009, 10:19
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Anwalt: Geldhaus hatte keine Kunden aus Ukraine oder Russland - Konzessions-Rückgabe kein Thema

Wien - Die in den Madoff-Strudel geratene Wiener Bank Medici führt noch immer Gespräche mit internationalen Investoren über den Einstieg bei dem Geldhaus. Die Einigung müsste "zeitnah" erfolgen, sagte der Anwalt der Bank, Andreas Theiss, am Mittwochnachmittag vor Journalisten. Details nannte er nicht. Die Zurücklegung der Bank-Konzession stehe jedenfalls nicht im Raum. Den Kunden, die in den "Herald"-Fonds investierten, habe die Bank "sicher nicht" verschwiegen, dass Bernard Madoff als Broker fungierte. Viele hätten gerade wegen Madoff gekauft, der mutmaßliche Milliardenbetrüger sei damals sehr angesehen gewesen.

Wenn Madoff gehandelt hat (oder dies vorgab), habe er die Transaktionsbelege (Trading Slips) immer sofort an die Bank Medici geschickt. Gerade wegen seiner Transparenz hatte Madoff, der sowohl die Rolle des Brokers als auch die des Subcustodians einnahm, ein "so tolles Image", sagte Theiss bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Auch vom Custodian (Depotbank) HSBC habe das Geldhaus von Sonja Kohn täglich Auszüge bekommen.

Die Bank Medici fungierte beim gerade in der Liquidation befindlichen "Herald Lux" sowie beim "Thema International" als Investmentmanagerin. Selbst vertrieben hat sie den "Herald Lux" und "Herald US" (Herald Fund SPC). Das Volumen der beiden Herald-Fonds habe Ende November 2,1 Mrd. Dollar betragen. Der Anteil der direkten Bank-Medici-Kunden habe weniger als 0,5 Prozent betragen.

Über die Bank Medici selbst hätten nur acht Privatkunden Fonds-Anteile, die von Madoff betroffen sind, gezeichnet. Laut Theiss hatte das kleine Geldhaus keine Kunden aus Russland oder der Ukraine. Der Großteil der Medici-Kunden sind laut früheren Angaben internationale institutionelle Anleger.

Keine rechtliche Beziehung

Zwischen der Bank Medici und der Herald Asset Management Ltd. mit Sitz auf den Cayman-Inseln, Investmentmanagerin des "Herald US", habe es keine rechtliche Beziehung gegeben. Laut einem früheren "Format"-Bericht hat es in einer einer Anzeige geheißen, dass sich die Herald Asset Management Ltd. zu 100 Prozent im Eigentum von Kohn befinde. Kohn soll auch Miteigentümerin der Thema Asset Management (TAM) sein, wie das Magazin unter Berufung auf ein Fonds-Prospekt gemeldet hatte. Die Bank konnte zu den Eigentümerstrukturen der Herald Asset Management Ltd und der TAM auf APA-Anfrage keine Auskunft geben.

Theiss ist der Überzeugung, dass sich die Bank Medici nicht rechtswidrig verhalten hat. Die Bank Medici habe als Investmentmanagerin die Investment-Strategie vorgegeben, Madoff habe diese ausgeführt, also die Entscheidung darüber getroffen, wann bestimmte Aktien und Co. zugekauft werden. Die Bank habe immer kontrolliert, ob das Investment stimmt - da "hat alles gepasst", so der Anwalt. Ob die HSBC ihre Pflichten erfüllt hat, sei sicherlich ein Thema.

Dass der prominente Medici-Aufsichtsrat Ferdinand Lacina den Namen Madoff vor dem Auffliegen des Skandals laut früheren Angaben noch nie gehört hat, ist für Theiss kein Problem. "Es kann schon sein, dass ein Kunde über einen Fonds mehr weiß als ein Aufsichtsrat."

Der Vorwurf, dass die Finanzaufsichtsbehörden "einzelne Rufer" nicht gehört habe, zieht für Theiss nicht. Der Finanzexperte und Investor Harry Markopolos hatte wie berichtet jahrelang versucht, die US-amerikanische SEC zu überzeugen, dass Madoff ein Betrüger sei. Man müsse sich auf die dafür zuständigen Kontrollinstanzen verlassen können und nicht auf die Meinung eines Einzelnen hören, so Theiss.

"Fiktive" Strafanzeige

Die von Rechtsanwalt Gabriel Lansky eingebrachte Strafanzeige gegen die Bank Medici, Kohn, (ehemalige) Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter ist für Theiss "fiktiv". Der behauptete Sachverhalt habe keine strafrechtliche Relevanz. In der Sachverhaltsdarstellung seien weitgehend Medienberichte verwendet worden, die keinen Beweis im Sinne der Strafprozessordnung darstellten. Theiss glaubt, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellen wird. Vorher müssen aber noch die Vernehmungen stattfinden. Auch die Ansprüche in den angekündigten Sammelklagen seien "titellos". Theiss erinnert das "ein bisschen" an die Berichte über die Causa Meinl und den Anwalt Dieter Böhmdorfer, wenngleich Meinl nicht Medici sei. Er habe den Eindruck, "dass das Ganze nur gemacht wird, um Druck auszuüben, um eine Zahlung zu erhalten."

Die Gespräche über den Verkauf der Bank liefen mit "mehr als einem" Partner. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) sei informiert. Die Aufsichtsbehörde hat der Bank wie berichtet einen Regierungskommissär geschickt, der immer noch im Amt ist. Dass dem Institut die Konzession entzogen wird, schließt Theiss derzeit aus, es gebe ja Interessenten. Derzeit habe das Geldhaus noch ausreichend Kapital. Welche Rolle die Mehrheitseigentümerin und Aufsichtsratschefin Kohn nach einer eventuellen Übernahme spielen wird, wisse er nicht. Nach dem Wegfall des Fondsgeschäfts, mit dem die Bank Medici das Gros ihres Umsatzes gemacht hat, sei das Asset der Bank "die Konzession in einem vermögenden EU-Staat". Ausländische Investoren könnten relativ schnell einsteigen und Infrastruktur und Mitarbeiter übernehmen, so Theiss. (APA)

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