Mitterlehner: Österreich ist kein "Klein-Gallien"

12. März 2009, 09:57
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In der Autoindustrie sieht der Wirtschaftsminister einen Umstrukturierungsbedarf von 20 bis 30 Prozent

Wien - "Österreich ist kein Klein-Gallien" und kann sich daher auch nicht von der internationalen Wirtschaftskrise abkoppeln, sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) am Mittwochabend in Wien vor Journalisten. Innerhalb Österreichs seien in Folge der internationalen Krise die exportorientierten Industriegebiete und damit die Bundesländer Oberösterreich und Steiermark besonders stark betroffen. "Psychologie", also negative Stimmung, sei ganz wesentlich verantwortlich für den aktuellen Abwärtstrend.

"Am negativsten" ist die Stimmung in der Autoindustrie, erinnerte Mitterlehner. In der Branche werde ein "Restrukturierungsbedarf von 20, 30 oder mehr Prozent" nötig sein. Das heiße aber nicht Verlust von Arbeitsplätzen im gleichen Ausmaß. Auch dürfe man nicht die aktuelle Kurzarbeit mit künftiger Arbeitslosigkeit gleichsetzen. Die Zulieferindustrie müsse und werde auf neue Produkte und Bereiche umstellen, gibt sich der Wirtschaftsminister optimistisch.

Noch sei die Industrie aber überrascht von der Geschwindigkeit und der Tiefe der Krise und habe daher keine eindeutigen Konzepte zu ihrer Bewältigung. Aber klar sei, dass man mit Kurzarbeit nicht mehr die Probleme lösen könne, wenn nicht bis Ende 2009 ein Aufwärtstrend absehbar sei. Mitterlehner wies darauf hin, dass vor allem junge Arbeiter teilweise die Kurzarbeit positiv sähen, weil sie die Zeit, wenn der Betrieb stillsteht, für "Urlaub oder Hausbau" nutzten.

Krisentreffen

Am 16. März treffen Mitterlehner und Finanzminister Josef Pröll (VP) Vertreter der Autoindustrie. Zentrales Thema ist die Sicherung von Liquidität. Man wolle klären, ob es wirklich eine Kreditklemme gibt, sagte Mitterlehner. Am heutigen Donnerstag besucht der Wirtschaftsminister das GM-Powertrain-Werk in Wien-Aspern. In den USA wird bis 31. März über Geldspritzen für den Mutterkonzern entschieden, das Unternehmen muss bis dahin ein Sanierungskonzept vorlegen.

Die österreichischen Maßnahmen gegen die Krise summierten sich auf 6 Mrd. Euro - 3 Mrd. Euro für Fördermaßnahmen und 3 Mrd. Euro über Steuersenkungen. Das seien 2 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit mehr als die von der EU verlangten 1,5 Prozent, erinnerte Mitterlehner. (APA)

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    Aber Österreich ist ja nicht "Klein-Gallien", sagt zumindest Wirtschaftsminister Mitterlehner. Die negative Stimmung im Land sei aber nicht zuletzt auch mit Schuld an dem Abwärtstrend.

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