Probeliegen im Sarg & "Unsterblichkeitstrunk"

11. März 2009, 22:01
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Das Kindermuseum Zoom im Wiener Museumsquartier widmet seine neue Ausstellung dem Tabuthema Tod

Wien - "Achtung! Ihr verlasst jetzt das Diesseits und betretet das Jenseits", steht auf dem Schild über dem Eingang. Doch die Besucher müssen eigentlich nicht wirklich gewarnt werden, dass sie sich jetzt mit dem Tod auseinandersetzen werden. "Für Kinder ist dieses Thema nicht so ungewöhnlich. Es beschäftigt sie intensiv, sie haben bei Fragen keine Tabus - Probleme haben eher die Erwachsenen", erläutert die Direktorin des Zoom-Kindermuseums, Elisabeth Menasse-Wiesbauer, bei der Präsentation der neuen Ausstellung "Erzähl mir was vom Tod".

Eine Ausstellung, die diesmal ausdrücklich für "Menschen von sechs bis 99" gedacht ist, so Menasse-Wiesbauer weiter. "Ich bin wirklich überrascht über die positiven Reaktionen - auch von Pädagogen, die nicht wirklich wissen, wie sie mit diesem Thema umgehen, wie sie es kommunizieren sollen."

In Berlin und zehn weiteren Städten wurde die Ausstellung bereits mit großem Erfolg gezeigt. Sie bietet zwölf Stationen, die das Tabuthema "mit einer gewissen Leichtigkeit aufgreifen".

"Unsterblichkeitstrunk"

Sei es das "Labor der Unsterblichkeit", in dem sich die Besucher einen "Unsterblichkeitstrunk" mixen und ein paar "Unsterbliche" anschauen können. Von Napoleon über Romy Schneider bis hin zu Marilyn Monroe.

In einer anderen Station gilt es, Lebensalter zuzuordnen - ob Fliegen rund 30 Tage leben und manche Bäume 250 Jahre. Einer der berührendsten Räume zeigt die Serie des Fotografen Georg Pöhlein, der die letzten Tage seines Großvaters dokumentierte.

Bei wieder einer anderen Station geht es richtig lustvoll zu - bei einem bun- ten, fröhlichen mexikanischen Totenfest. Denn "die Toten sterben nur, wenn sie in unseren Herzen sterben", heißt es in Mexiko.

Sarg zum Probeliegen

In einem Raum gibt es sogar einen Sarg zum Probeliegen - wer das nicht will, kann auch einen Partezettel an der Wand ausfüllen: "Liebe Uroma! Ich denke immer wieder an Dich! Wir sehen uns wieder!", hat ein Kind geschrieben.

Und dann der Raum, der dem ägyptischen Totenkult gewidmet ist: Nach dem Skarabäus-Basteln können die Kinder ins "Jenseits" eintreten. Doch in der dunklen Nische heißt es gleich: "Stopp! Ihr seid noch zu jung für das Jenseits. Geht durch den Notausgang und lebt euer Leben."(Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 12.3.2009)

 

 

Die Ausstellung läuft noch bis 28. Juni 2009.

Link mit Infos:

Erzähl mir was vom Tod

  • Unsterblichkeitstrunk, gemixt im "Labor der Unsterblichkeit".
    foto: © zoom kindermuseum/alexandra eizinger

    Unsterblichkeitstrunk, gemixt im "Labor der Unsterblichkeit".

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