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Präsident Evo Morales im Gespräch mit dem Standard.
Evo Morales versuchte die Wiener UNO-Drogenkonferenz von der Harmlosigkeit der Kokablätter zu überzeugen. Mit dem Standard sprach er auch über Lithium, mit dem das arme Bolivien bald sehr reich werden könnte.
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Wien - Die Frage, ob er vor den Teilnehmern der UNO-Drogenkonferenz am Mittwochvormittag in Wien tatsächlich ein Kokablatt gekaut habe, bejahte Evo Morales lachend. "Die Konferenzteilnehmer haben auf meine Verteidigung des Kokablatt applaudiert" , sagte der 49-jährige Präsident Boliviens am Abend zum Standard. Der frühere Indioführer, der selbst Kokabauer war, sei nach Wien gekommen, weil ihn sein Einsatz für die Entkriminalisierung der "geheiligten Pflanze" an die Spitze seines Landes gebracht habe. Zum Einwand, dass der Internationale Suchtstoffkontrollrat erst voriges Jahr Koka neuerlich als illegal wie Kokain und Heroin eingestuft habe, sagte Morales: "Ja, sie wollen uns das Kauen von Kokablättern verbieten. Aber sie irren sich. Internationale Normen müssen Kultur und Tradition der Völker respektieren. Das Kokablatt ist nicht nur Symbol unserer Identität als Andenvolk, sondern auch Medizin." So werden Blätter in den Höhen der Anden als Mittel gegen den Hunger und bei religiösen Zeremonien gekaut.
Früher habe man ihn bei den Vereinten Nationen nicht einmal eingelassen, meinte Morales vor Journalisten, denen er versicherte, dass Bolivien den Kampf gegen das in Labors gewonnene Suchtgift Kokain voll unterstütze. Beim Kokablatt stütze sich die Drogenbehörde auf falsche Studien aus dem Jahr 1950. Damals wurde die Tradition der Andenbevölkerung, wenn schon nicht als Sucht, so doch als schlechte Gewohnheit bezeichnet. Sie dränge die Menschen als Hungerstiller in einen Teufelskreis der Unterernährung, führe zur Verwahrlosung, hindere die Menschen am sozialen Aufstieg. "Ich habe zwischen 1980 und 1990 regelmäßig Kokablätter gekaut" , sagte Morales. "Bin ich vielleicht unterernährt oder verwahrlost?" Man hätte ihn wohl nicht zum Präsidenten gewählt, wenn das Koka-Kauen solche Folgen hätte.
Zur Situation in Bolivien meinte Morales, dass er seine erste große Herausforderung geschafft habe. 61 Prozent der Bevölkerung haben seiner neuen, "plurinationalen" Verfassung zugestimmt. Nach den Spannungen der Zentralregierung mit den reichen Provinzen gefragt, sagte Morales, dass nicht alle diese Aussöhnung wollten. Manche wären nicht bereit, einen Indio als Präsidenten zu akzeptieren. Er selbst und seine sozialistische Partei MAS haben aber seit 2005 in vier Wahlgängen mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht.
Von US-Präsident Barack Obama erwarte er eine Verbesserung der Beziehungen, schon allein deshalb, weil sie als Indio und Afroamerikaner beide zu bisher marginalisierten Minderheiten gehören. Vom Standard gefragt, warum er dennoch erst vor kurzem wieder einen US-Diplomaten des Landes verwiesen habe, sagte Morales, dass dieser unter diplomatischem Schutz mit Polizeiangehörigen politisch gegen ihn konspiriert habe.
Reich wie Saudi-Arabien?
Begeistert spricht Morales von den Schätzen der Anden, wo mehr als die Hälfte der Lithium-Vorkommen der Welt liegen. Sie könnten Bolivien "reich wie Saudi Arabien machen", heißt es. Das Leichtmetall wird für Batterien von Handys und Autos benötigt. Zur Förderung muss viel Geld investiert werden. "Dafür suchen wir Partner, keine Herren", so Morales zum Standard. China und Japan seien interessiert. Die französische Firma Bolloré wolle in Bolivien sogar Elektroautos bauen. Aber der Staat werde nie mehr die Kontrolle über die Bodenschätze aufgeben. Schon gar nicht jetzt, wo man den Zusammenbruch des Neoliberalismus erlebe. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2009)
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Es entspricht nicht ganz der Wahrheit, dass die Koka-Pflanze einen traditionellen Hintergrund hat. Die Kokapflanze wurde ursprünglich nur bei indianischen Zeremonien von den Caciques zu sich genommen, unter der normalen Bevölkerung war es in der präkolonialen Phase nicht üblich die Koka-Pflanze zu kauen. Erst als die Spanier Südamerika eroberten, stellten die Spanier fest, dass unter Einfluss dieser Pflanze die indianische Bevölkerung viel besser arbeiten kann und kein Hunger mehr verspürt. Daher "verordneten" sie ihnen Koka-Pflanze. Da muss der nicht studierte Morales mal in seinen eigenen Geschichtsbücher nachschlagen, bevor er so ein Unsinn der Weltpresse erzählt. Gesundheitliche Folgen: reger Zahnausfall
Sie meinen wohl eher den internationalen Großkonzerne. Die sind ja auch gerade dabei, dass diese ungezogene Bevölkerung auch im Westen nicht zu viel vom schönen Geld abbekommt (die darf höchstens blechen, wenn sich die Herren des Kapitals wieder mal verkalkuliert haben).
daß morales von der herkunft bauer und nicht militär ist macht ihn mal sicher schon viel glaubwürdiger und sympathischer als chavez. ob er den versuchungen der macht und korruption auf die dauer widerstehen kann, wird sich weisen-es wäre höchst wünschenswert daß lateinamerika wieder eine wirklich glaubwürdige führungsgestalt bekommt.
14 gewonnene wahlen und referenden in nur 10 jahren bei stets wachsenden mehrheiten belegen ja deutlich, wie unsympathisch und unglaubwürdig die venezolaner ihren chávez finden.
vielleicht wäre es für manche grenzgänger mal an der zeit, etwas in die realität dieses landes einzutauchen und seine informationen nicht bloß aus der chávezfeindlichen westpresse zu beziehen.
das ausbeuten von bodenschätzen hat noch selten eine gesellschaft reich gemacht - höchstens einige wenige privilegierte (norwegen mag man da mal als ausnahme sehen, die die regel bestätigt).
investitionen in bildung und forschung sorgen für nachhaltigen wohlstandszuwachs.
muss man halt anfangen. war bei uns "im westen" auch nicht anders. ansonsten bitte wenigstens ein konkreter vorschlag woher das geld für den bau dutzender universitäten und forschungseinrichtungen sowie tausender ahs kommen soll. kredit vom iwf bzw. weltbank? fehlanzeige
Doch im Gegensatz zu Deutschland und Österreich, zögert Bolivien nicht, das Geld auch tatsächlich langfristig in Bildung, kultur und Wissenschaft zu investieren.
Das Ausbeuten von Bodenschätzen ALLEIN nicht. Genausowenig wie Investitionen in Bildung und Forschung ALLEIN. Die Besitzverhältnisse an Naturressourcen sowie die Verteilung des Erlöses sind die spannenden Fragen. Und da unterscheidet sich Norwegen wesentlich von vielen anderen Rohstoffproduzenten.
Interessanterweise habe ich mehrere Mal in Interviews oder Artikeln über Venezuela und Bolivien von dem Vorbild Norwegen gelesen.
der wohlstand des reichsten landes, den usa, begründet sich übrigens auf dem export von baumwolle, tabak, fleisch, zucker(rohr) und getreide - angebaut, geerntet, verarbeitet und transportiert von sklaven. so wird man am schnellsten reich ;)
rhetorische frage: schon mal was vom handel, mit seide, porzellan, goldprodukten, fischöl, kohle, stahl usw. gehört? die gesellschaft unseres kulturkreises ist genauso wenig rein auf bildung aufgebaut wie die der koreaner. verbreiten sie also bitte keine unwahrheiten. hier nochmal der entwicklungsstrang: agrargesellschaft - industriegesellschaft - dienstleistungsgesellschaft. europa und der hochentwickelte teil asiens fällt in letztere, bolivien in erstere kategorie. ach übrigens, bildung hilft auch ihnen
Gerade Seide und Porzellan zeigen ja schoen dass es eben nicht um Bodenschaetze, sondern um das Wissen der Verarbeitung bzw Produktion geht.
(Abgesehen davon ist es sicherlich eine schoene chance fuer ein Land, Bodenschaetze zu haben und mit den einnahmen dann eine diversifizierte Wirtschaft, Ausbildungsprogramme etc zu finanzieren. Leider zeigen die Beispiele der letzten hundert Jahre dass es fast nie so funktioniert...)
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