Georgien verzichtet ganz auf Song Contest

11. März 2009, 19:18
18 Postings

Europäische Rundfunkunion hatte "We Don't Wanna Put In" beanstandet

Tiflis/Moskau - Nach der Ablehnung seines Beitrags hat Georgien seine Teilnahme am diesjährigen Eurovision Song Contest komplett zurückgezogen. "Wir werden weder den Text ändern noch mit einem neuen Lied antreten - wir gehen nicht nach Moskau", teilte eine für die Kandidatenauswahl zuständige Produzentin des georgischen Fernsehens, Natja Usnadse, am Mittwoch in Tiflis mit. Ihr sei es nach wie vor "schleierhaft", warum die Veranstalter des Wettbewerbs den Beitrag der georgischen Popgruppe Stephane and 3G mit der Textzeile "We Don't Wanna Put In" abgelehnt hätten: "Wir haben bis heute keine eindeutige Begründung erhalten."

Die Europäische Rundfunkunion (RBU) als Organisator des altehrwürdigen Schlager- und Pop-Wettbewerbs hatte am Dienstag mitgeteilt, dass Georgien mit seinem Putin-kritischen Lied am Finale Mitte Mai in Moskau nicht teilnehmen kann. Zur Begründung hieß es, der Beitrag verstoße gegen die Teilnahmebedingungen, wonach keine Texte oder Gesten "mit politischem oder ähnlichem Charakter" zugelassen seien. Georgien wurde bis zum 16. März Zeit gegeben, den Text zu ändern oder einen neuen Beitrag einzureichen.

Der Entscheidung vorausgegangen waren wochenlange Proteste in Russland gegen das Disco-Lied der georgischen Gruppe. Moskau hatte Ende Februar den Song als "Rowdytum" kritisiert. Es sei bedauerlich, dass die Georgier den in Europa beliebten Eurovision Song Contest als Bühne für politische Aussagen nutzen wollten, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Der englische Text "We Don't Wanna Put In" - hört sich auf der Bühne wie "Wir wollen Putin nicht" an. Nach dem russischen Einmarsch im vergangenen August in der abtrünnigen georgischen Region Südossetien klingen auch andere Teile des Textes wie eine Anspielung. Georgien hatte sich zu diesem Beitrag entschlossen, nachdem es ursprünglich den Song Contest in Moskau boykottieren wollte.

Stephane and 3G-Produzent Kachaber Ziskaridse vermutete Druck aus Moskau hinter der RBU-Entscheidung. Das Lied habe keinen politischen Kontext, bekräftigte er: "An welcher Stelle finden sich politische Aussagen oder Beleidigungen?", sagte er. (APA/dpa)

Share if you care.