Reiselustige Vögel

11. März 2009, 18:51
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Wolfgang Wirths "Little Birds of Passage" in der Wiener Galerie Charim

Die Landschaft ist leer, verlassen. Sie wirkt so, als wäre ihr gerade das eigentliche Motiv abhandengekommen. Oder aber, als ob nur ein Flügelschlag später hier ein Vogel landen würde. Nach kurzem Verweilen würde er auf den nächsten Ast und damit aus dem Bildrahmen hinaus hüpfen oder als Zugvogel seine Reise fortsetzen.

Noch vor Frühlingsbeginn sind Wolfgang Wirths "Little Birds of Passage" in der Wiener Galerie Charim angekommen - der nach Los Angeles (Charles Karubian) und Warschau (Lokal_30) dritten Station ihrer Reise: Auf unterschiedlich kleinen Leinwänden, oft nur 30 x 40 Zentimeter groß, sitzen die Vögel. Im Verband mit möglichen anderen Landeplätzen und Flugräumen (metallene Federspiralen, marode Palmen, Straßenlaternen oder windzerzauste Hügel) scheint es, als könnten sich die Tiere einmal hier, einmal dort niederlassen. Ein gedankliches Konstrukt von Mobilität entspinnt sich zwischen den Bildern und wird durch die tatsächliche Reisefreudigkeit ihrer Protagonisten erweitert. Motive wie Ketten lassen vereinzelt ans Festhalten des Flüchtigen denken.

Überlegungen zum horrenden Tempo, mit dem digitalisierte Bilder um die Erde reisen, standen am Anfang von Wolfgang Wirths (geb. 1966) mobilem Projekt: Da das digitale Bild dem jeweiligen Darstellungsmedium unterworfen ist, verliert es seine materielle Sinnlichkeit, möglicherweise Bedeutungsebenen, wird auf sein Motiv reduziert. Das reale Reisen physischer Bilder ist für Wirth also eine widerständige Praxis. Seine Arbeiten riskieren Macken und zurückbleibende Spuren; erst recht, wenn sie in den natürlichen Lebensräumen der Piepmätze - auf und zwischen Bäumen - präsentiert werden.

Auch Wirth selbst erschwert die sinnlich-materielle Erfahrung seiner Bilder, taucht sie in düstere Grautöne, in denen hie und da bunte Federn oder Blüten versuchen, gegen das Dunkel anzuleuchten. Im Grau, das er für das Sphärische des Himmels und der Landschaft verwendet, führt uns Wirth außerdem das Abstrakte seiner Malerei vor: ein Balancehalten des Ungegenständlichen, der Struktur von Farbe mit der verführerischen Überzeugung seiner realistischen Bildobjekte. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.3.2009)

 

Charim Galerie Dorotheergasse 12, 1010 Wien. Bis 30. 4.

  • Als dieses Vögelchen in Warschau rastete, saß es am Most-Slasko-Dabrowski-Platz unterhalb des rekonstruierten Königsschlosses.
    foto: wirth

    Als dieses Vögelchen in Warschau rastete, saß es am Most-Slasko-Dabrowski-Platz unterhalb des rekonstruierten Königsschlosses.

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