Kampf um Anteile

11. März 2009, 17:41
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Das Beratungsunternehmen Funk empfiehlt einen Wechsel in die betriebliche Kollektivversicherung, der Rat ist umstritten

Wien - Als "Weg aus der Pensionskassenkrise" sieht der Versicherungsmakler und Risk Consultant Funk International seine Empfehlung an Unternehmen, ihre Pensionskassenverträge still zu legen und in eine Betriebliche Kollektivversicherung (BKV) zu wechseln.
Funk-Berater Kurt Bednar fährt dabei schwere Geschütze auf: Betriebe, die jetzt nicht auf die schwache Performance der Pensionskassen reagieren, würden ihre arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht verletzen, erklärte Bednar. Er rät zur BKV "bis sich die Kapitalmärkte wieder erholt haben" , danach könnte wieder ein Wechsel in die Pensionskasse erfolgen, meinte Bednar, der auch die Rechenschaftsberichte der Pensionskassen als "kryptisch und undurchsichtig" kritisiert.
Bei der BKV gebe es neben einer konservativen Veranlagung eine Kapitalgarantie, eine Garantieverzinsung von 2,25 Prozent und eine bei Vertragsabschluss festgelegte Rententafel. In puncto Transparenz haben aber auch die Anbieter der BKV einiges an Nachholbedarf, räumte Bednar ein. Derzeit seien Kunden aber sowohl bei Pensionskassen wie bei BKV-Anbietern in einer guten Verhandlungsposition, um zum Beispiel Kosten niedrig zu halten. So könne man bei der BKV erwarten, dass über 90 Prozent der eingezahlten Beiträge auch veranlagt würden, Versicherungssteuer (2,5Prozent) und Gebühren also unter zehn Prozent ausmachen.

Veranlagungsminus von 13 Prozent

Die Pensionskassen haben im Vorjahr ein Veranlagungsminus von 13 Prozent eingefahren und sollen nun auf Druck der von Pensionskürzungen betroffenen Rentner reformiert werden.
Für sie würden die Vorschläge Bednars nichts bringen. Aber auch für Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber noch Beiträge einzahlen, muss ein Wechsel in eine BKV nicht unbedingt eine Verbesserung darstellen, meinte Gerald Moritz, Geschäftsführer beim Beratungsunternehmen Watson Wyatt. "Die Frage ist immer: Um wie viel reduziert sich dadurch die Pension?" , so Moritz. Garantien seien zudem "immer nur so viel wert wie der Garantiegeber" . Und: "Versicherungsprodukte sind immer eine Black Box" , also extrem intransparent, so der Experte für betriebliche Altersvorsorge.
Derzeit gibt es laut Verband der Versicherungsunternehmen erst "eine Handvoll" von Firmen, die eine BKV anbieten. Ein Unternehmen, das seinen Arbeitgebern die Wahl zwischen Pensionskasse und BKV gibt, ist der ÖGB. (Gabriele Kolar, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.3.2009)

 

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