Sensationeller Steinzeit-Fund mangels Lagermöglichkeit verrottet

11. März 2009, 17:07
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Einbäume überdauerten sieben Jahrtausende - und nach ihrer Entdeckung keine sieben Jahre mehr

Stralsund/Schwerin - Die vermutlich ältesten jemals gefundenen Boote Europas sind in einem archäologischen Notdepot in Mecklenburg-Vorpommern verrottet: Die 2002 bei Bauarbeiten in Stralsund entdeckten, bis zu 7.000 Jahre alten Einbäume waren bereits 2004 weitgehend zerfallen, wie der Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalspflege, Michael Bednorz, am Mittwoch einräumte. Die Boote sollten konserviert werden, es seien aber damals trotz vieler Bemühungen keine geeigneten Räume dafür gefunden worden.

Daraufhin blieben die kostbaren Stücke in einem baufälligen Schuppen liegen, in den Frost eindrang und der 2004 schließlich zum Teil einstürzte. Die Reste der Lindenholz-Einbäume wurden im vergangenen Jahr in die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin gebracht. Studenten sollen dort im Rahmen ihrer Restauratoren- Ausbildung prüfen, was mit welchem Aufwand noch zu retten ist. Von dort gebe es zu Rettungsmöglichkeiten bisher "zurückhaltend optimistische" Aussagen, sagte Bednorz.

"Verlust für Deutschland, wenn nicht sogar für die Welt"

Die Einbäume, die bei Arbeiten für einen Mischwasserspeicher im Jahr 2002 in Nähe der Ostsee entdeckt wurden, galten als archäologische Sensation. Zwei der Einbäume stammten aus der Zeit um 5.000 vor Christus und waren damit Bednorz zufolge die ältesten bisher in Europa gefundenen Wasserfahrzeuge. Der dritte Einbaum stammte aus der Zeit um 4.000 vor Christus und sei mit 12 Meter Länge das längste bekannte Wasserfahrzeug dieser Zeit gewesen. Der Chef des Kulturhistorischen Museums in Stralsund, Andreas Grüger, sprach von einem "Verlust für Deutschland, wenn nicht sogar für die Welt".

Das Schicksal der Einbäume sei ein besonders drastisches Beispiel für die Probleme des Landesamtes, das personell unterbesetzt sei und nicht über die notwendigen Räumlichkeiten verfüge, sagte Bednorz. Das 2004 teileingestürzte Gebäude müsse nach einer Notsicherung auch heute noch genutzt werden, sagte Landesarchäologe Detlef Jantzen. Auch andere Depots und Werkstätten seien oft nur Provisorien, ein Teil der Schätze sei unzureichend untergebracht. Ein Archäologisches Landesmuseum gibt es in Mecklenburg-Vorpommern seit 1992 nicht mehr. Das Museum im Schweriner Schloss war geschlossen worden, als der Landtag einzog. Nach bisherigen Planungen soll 2011 mit einem Neubau für das Landesamt in Schwerin begonnen werden. (APA/dpa/red)

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