Streit überschattet 5-Jahres-Gedenkfeier für Opfer

11. März 2009, 16:13
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Erstmals keine zentrale Veranstaltung - Hinterbliebenen-Sprecherin empört - Terrorgefahr gestiegen

Madrid  - Spanien hat am Mittwoch der Opfer der verheerenden Bombenanschlägen auf Madrider Pendlerzüge vor fünf Jahren gedacht. Die Gedenkfeiern für die 191 Toten wurden allerdings von politischen Streitigkeiten überschattet. Die Sozialisten boykottierten wegen einer regionalpolitischen Auseinandersetzung um eine Abhöraffäre eine - von der konservativen Madrider Regionalregierung - abgehaltene Feier.

"Es ist eine Schande, dass die Politiker wieder einmal ihre Interessen über die der Opfer stellen", erklärte eine Sprecherin der Hinterbliebenen. Die spanische Regierung ließ erstmals an einem Jahrestag der Madrid-Anschläge keine zentrale Gedenkfeier abhalten. "Wir interessieren nicht mehr", beklagte Pilar Manjón, Präsidentin eines Verbandes von Terror-Opfern.

2003 starben 191 Menschen

Am 11. März vor fünf Jahren hatten islamistische Bombenleger 13 Sprengsätze in vier voll besetzten Pendlerzügen deponiert, die auf der Strecke von Alcalá de Henares nach Madrid verkehrten. Zehn Bomben explodierten im morgendlichen Berufsverkehr. 191 Menschen wurden getötet, mehr als 1800 verletzt.

Die Abgeordneten des spanischen Parlaments gedachten der Opfer mit einer Schweigeminute. Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia wollten am Abend ein Konzert zu Ehren der Toten besuchen.

Spanische Polizeiexperten wiesen darauf hin, dass die Gefahr des islamistischen Terrors in den vergangenen fünf Jahren nicht ab- sondern zugenommen habe. Spanien sei für die Terrorzellen von Al-Kaida, die in Nordafrika Fuß gefasst hätten, das nächst gelegene westliche Land, hieß es in Madrider Sicherheitskreisen. Zur Zeit der Madrid-Attentate seien nur gut 100 Beamte mit dem Kampf gegen den islamistischen Terror befasst gewesen, heute seien es 1300. (APA)

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    Tausende gedachten der Opfer des 11. März vor fünf Jahren.

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