Zoologen-Freude: Kakapos wieder im dreistelligen Bereich

11. März 2009, 16:21
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Neuseeländisches Brutprogramm zeigt Erfolge - der am Rande des Aussterbens gewesene flugunfähige Papagei könnte als Art überleben

Wellington - Was bei einer Spezies wenig bis gar nicht bemerkenswert wäre, kann bei einer anderen Zoologen Freudentränen in die Augen treiben: Zum Beispiel das Schlüpfen von gerade einmal sechs Küken. Die betreffende Spezies ist Strigops habroptilus, der Kakapo: ein großer Papagei Neuseelands - zugleich der weltweit einzige, der nicht fliegen kann.

Ende des Paradieses

Die Kakapos erlitten das Schicksal vieler Arten, die sich in abgeschiedenen Gebieten wie Inseln entwickeln. Sie können mangels Konkurrenz ökologische Nischen besetzen, die im Rest der Welt von ganz anderen, besser angepassten, Arten besetzt werden. So entwickelte sich der Kakapo auf Neuseeland, wo es bis zur Ankunft des Menschen außer Fledermäusen keine Säugetiere gab, zu einem nachtaktiven bodenbewohnenden Pflanzenfresser. Flucht- oder Verteidigungsverhalten waren nicht vonnöten, weil die Raubtiere, die den Papageienverwandten auf den übrigen Kontinenten zusetzten, hier nicht vorhanden waren.

Das funktionierte solange, bis der Mensch nach Neuseeland kam und eine Reihe von Säugetierarten - teils als Haustiere, teils als blinde Passagiere - mitbrachte. Darunter befanden sich überlegene Nahrungskonkurrenten für den Kakapo ebenso wie Räuber, denen der wehrlose Vogel wenig entgegen zu setzen hatte. Wie so viele andere endemische Spezies Neuseelands schien der Kakapo Mitte des 20. Jahrhunderts ausgestorben - bis 1976 zufällig einige Exemplare auf der abgelegenen Stewart-Insel entdeckt wurden. Seitdem laufen Zuchtprogramme unter strengen Schutzmaßnahmen, etwa auf der nahe gelegenen Codfish-Insel. Dort gibt es zwar keine natürlichen Feinde des Kakapos, doch wollen die Spezialisten auf Nummer sicher gehen: Die Küken werden in einer Zuchtstation zunächst von Hand großgezogen, ehe sie zurück in die geschützte Wildnis kommen.

Langsam, aber doch

Kakapos sind nach Angaben von Deidre Vercoe, Leiterin des Brutprogramms, nicht sehr vermehrungsfreudig. Die Weibchen werden erst mit sechs Jahren geschlechtsreif und legen nur alle zwei bis vier Jahre Eier. Auch die Männchen sind eher Spätzünder: Sie entwickeln erst mit fünf Jahren Interesse für das andere Geschlecht. Groß daher die Freude, dass mit den sechs neu geschlüpften Küken die Population auf über 100 Exemplare gestiegen ist. Begeistert haben die Ornithologen außerdem 24 weitere Eier entdeckt, berichtete Vercoe am Mittwoch im neuseeländischen Rundfunk. Eine ganzes Team von Experten und Freiwilligen bewacht die Nester in der Nacht, wenn die Tiere auf Nahrungssuche gehen, und hofft auf weiteren Nachwuchs.

In den ersten 30 Jahren des Brutprogramms überlebten nur 20 Küken. 2006 und 2007 waren gar keine geschlüpft. Vercoe glaubt, dass zum jüngsten Bruterfolg die besonders gute Ernte an Früchten des Rimu-Baumes in diesem Jahr beigetragen hat. Auf die Früchte sind die Kakapo-Weibchen zum Füttern ihrer Jungen angewiesen. (APA/dpa/red)

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