Handlungsbedarf in vielerlei Hinsicht

11. März 2009, 14:50
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Viele Intensivmediziner waren noch nie damit konfrontiert - "Bringschuld" der Patienten - Zu wenig Information und geringe Akzeptanz als mögliche Gründe

Wien - Relativ viele Intensivmediziner waren noch nie mit einer Patientenverfügung konfrontiert, obwohl das diesbezügliche Gesetz seit 1. Juni 2006 in Kraft ist. Das geht aus einer Erhebung hervor, in deren Rahmen 241 Leiter von intensivmedizinischen Abteilung in Österreich befragt wurden. Die Ergebnisse der Studie wurden von der Österreichischen Gesellschaft für Anaesthesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (Ögari) präsentiert.

"Geringe Akzeptanz, zuwenig Information"

139 Abteilungsleiter, das entspricht 60 Prozent, haben geantwortet, nur neun von ihnen waren zehnmal oder öfter mit einer solchen Verfügung konfrontiert, 30 Prozent überhaupt noch nie. Das berichtete Eva Schaden, Intensivmedizinerin am Wiener AKH, welche die Studie gemeinsam mit Claus Georg Krenn, ebenfalls vom AKH, durchgeführt hat. Die Ärztin schließt aus den Ergebnissen auf eine geringe Akzeptanz in der Bevölkerung bzw. auf einen mangelnden Informationsstand bei potenziellen Patienten. "Es gibt noch Handlungsbedarf in vielerlei Hinsicht", sagte Krenn.

"Verbindlich" und "beachtlich" als Varianten

In Österreich ist eine Patientenverfügung für die behandelnden Ärzte dann verbindlich, wenn eine umfassende Aufklärung durch Ärzte erfolgt ist und die Verfügung von einem Rechtsanwalt, Notar oder rechtskundigen Mitarbeiter einer Patientenanwaltschaft errichtet wurde. Dieser Aufwand kann sich für den Patienten mit bis zu 500 Euro zu Buche schlagen. In einigen, aber nicht allen Bundesländern gibt es die Möglichkeit, sich bei Patientenanwaltschaften kostenlos beraten zu lassen.

Neben der "verbindlichen" gibt die "beachtliche" Verfügung, die für den Arzt eine Orientierungshilfe darstellt, aber keine konkrete Handlungsanweisung für Situationen, in denen der Patient nicht in der Lage ist, sich selbst zu äußern. Großes Thema bei der verbindlichen Verfügung ist laut Studie künstliche Ernährung. Beatmung und Wiederbelebung werden in den Verfügungen eher abgelehnt, Schmerztherapie wird gewünscht.

Erneuerung notwendig

Die Patientenverfügung - sie muss alle fünf Jahre erneuert werden - ist im übrigen eine "Bringschuld": Es gibt zwar elektronische Register von Notariats- und Rechtsanwaltskammer, nur sind Ärzte nicht verpflichtet, darin nachzusehen. Außerdem haben nicht alle Spitäler einen Zugangscode. Studienautorin Schaden empfiehlt, praktischerweise eine Vertrauensperson über das Vorhandensein einer Patientenverfügung zu informieren, damit der behandelnde Arzt auf kurzem Weg davon erfährt. (APA)

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