Sonys PRS-505: eBook-Reader statt Taschenbuch

14. März 2009, 13:51
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Erste Tests mit dem Reader für den Österreichischen Markt machen Lust auf mehr

Am 3. April wird Sonys eBook-Reader PRS-505 auf dem östrreichischen Markt erscheinen - der WebStandard berichtete.

Im Rahmen der Präsentation ergab sich die Möglichkeit das rund 300 Euro teure Gerät anzutesten, anbei einige Ersteindrücke:

Verarbeitung

Auffallend am PRS-505 ist die hochwertige Verarbeitung. Das Gehäuse ist bis auf die Tasten komplett in Aluminium gehalten. Die Abmessungen sind mit 123 x 174,3 x 7,8 mm handlich gehalten. Das Gewicht von 260 Gramm ist verkraftbar, wenn auch nichts gegen eine leichtere Version sprechen würde. Der mitgelieferte Kunstleder-Umschlag ist stilvoll und schützt das Display, sorgt aber recht rasch für verschwitzte Hände.

Display und Bedienung

Auffallend lesefreundlich ist das E-Ink-Display. Die Darstellung von Texten mit "elektronischer Tinte" ist am besten mit einem Schwarz-Druck auf grauer Folie zu vergleichen. An die Haptik und Anmutung von Papier kommt es zwar nicht ganz heran, im Gegensatz zu Hintergrund beleuchteten Computer- und Handy-Bildschirmen erlaubt E-Ink aber durchaus augenschonendes und angenehmes Lesen. Für die Darstellung von Bildern langt es auch, schöne Ergebnisse darf man sich aber nicht erwarten.

Die Navigation durch die Text-, Bild- und Audio-Inhalte ist selbsterklärend. Zum Blättern bieten sich zwei Pfeiltasten an, die Zahlen-Tasten 1 bis 9 sind im Menü und in Verzeichnissen entsprechenden Optionen zugeordnet. Der Menü-Knopf ruft immer das nächst übergeordnete Register auf, mit mehrmaligem drücken gelangt man wie bei einem iPod zum Hauptmenü.

Nachts: Weil das E-Ink-Display nicht selbstleuchtend ist, benötigt man zum Lesen im Dunkeln eine kleine Lampe. Sony liefert hierfür einen optional erhältlichen Umschlag aus. Die integrierte, Display-große leuchtende Plexiglasscheibe wird einfach über den Bildschirm gelegt und ermöglicht ungestörtes Lesen bei Nacht und Nebel. Nicht gerade die technisch eleganteste Lösung, aber immerhin.

Elektronische Vorteile

Der klare Vorteil eines eBook-Readers ist der große Speicherplatz für mehrere Bücher. Die Aussicht keine schweren Bücher mehr herumschleppen zu müssen leuchtet ein. In der Grundausstattung sind 192 MB verbaut die etwa 160 eBooks speichern können. Über einen MemoryStick- und einen SD-Karten-Slot kann das Volumen auf 16 GB ausgeweitet werden, womit sich dann ganze Bibliotheken archivieren lassen.

Darüber hinaus ermöglicht das elektronische Buch im unterstützten ePub-Format allerlei Bequemlichkeiten. Beispielsweise gibt es ein Inhaltverzeichnis, Kapitel lassen sich direkt anwählen und der Reader merkt sich automatisch, die zuletzt gelesene Seite. Sehschwachen Lesern und Leserinnen ermöglicht das XML-basierte Format die Skalierung der Schriftgröße bis 150 Prozent. Das eBook richtet die Seiten dabei automatisch neu aus - scrollen ist nicht notwendig.

Positiv ist zudem die breite Palette an kompatiblen Text und Medien-Formaten. Unterstützt werden neben dem offenen eBook-Format ePub, die Formate PDF, DOC, TXT und RTF sowie Bilddateien in JPG, GIF, PNG und BMP. Audio-Dateien wie MP3s und DRM-freie AAC-Dateien lassen sich ebenfalls abspielen.

Elektronische Nachteile

Was fehlt, ist die Unterstützung von multiplen Lesezeichen und die Option Passagen zu markieren und Anmerkungen zu machen. Gerade bei Fachliteratur wäre dies nützlich.

Gewöhnungsbedürftig ist die kurze Umschaltverzögerung des Bildschirms sobald eine neue Seite aufgeschlagen wird. Zwar dauert es nur unter einer Sekunde, bis sich die Zeichen anordnen, die kurze Unterbrechung stört aber vor allem bei stark bebilderten Inhalten den Lesefluss.

Software

Wie gut der Sony-Reader mit der beigelegten Verwaltungssoftware "eBook Library" und den diversen Online-Shops zusammenspielt, muss sich noch zeigen. Was im Gegensatz zum US-exklusiven Amazon Kindle 2 noch fehlt ist die kabellose Internet-Anbindung. Wer eBooks online bezieht, muss beim PRS-505 den Umweg über den Windows-PC gehen. Eine Unterstützung für Mac- oder Linux-Computer fehlt zudem.

Ausblick

Sony schickt nicht das aktuellste Gerät seiner eBook-Reader-Charge ins Rennen. Das in Übersee erhältliche Topmodell mit der Kennzahl 700 bügelt einige der Schwächen des kleineren Bruders aus. Dennoch bietet der PRS-505 die notwendigen Basics mitsamt einer vorbildlichen Verarbeitung, einem guten Display und der Unterstützung zahlreicher gängiger Text-Formate. Löblich ist der Einsatz des Quasistandards ePub für eBooks.

Zu hoffen ist indes, dass bald Konkurrenzmodelle den österreichischen Markt überfluten werden. Dies dürfte nicht nur der Weiterentwicklung, sondern auch der Preisgestaltung gut tun. Denn für Leseratten ist das schicke Multitalent "eBook-Reader" in jedem Fall eine willkommene und empfehlenswerte Ergänzung zum "Paperback". (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 11.3.2009)

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    pte/foto: fotodienst.at/anna rauchenberger
  • Der Sony PRS-505 ab 3. April in Österreich.
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    Der Sony PRS-505 ab 3. April in Österreich.

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