Ein "Elmayer" für den Wald

11. März 2009, 12:26
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Der Wald als cooles, ehrliches und androgynes Wesen - Die Kampagne "wald.zeit" will das Bewusstsein dafür stärken

"Wichtig" und "schön", "sympathisch" und "interessant", "ehrlich" und "abwechslungsreich" - hat ein "Produkt", das in einer Konsumenten-Umfrage bei diesen Attributen jeweils zu mehr als zwei Dritteln Zustimmung erntet, noch eine groß angelegte PR-Kampagne nötig?

Ja, sagt die heimische Forstwirtschaft. Weshalb am gestrigen Dienstagabend im Beisein von Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (ÖVP) die "wald.zeit" ausgerufen wurde. Mit dieser PR-"Charmeoffensive" soll Bewusstsein geschaffen, die "Vielseitigkeit des Waldes veranschaulicht" werden, wie es der Minister ausdrückte. "Österreichs Wald ist ein wesentlicher Biomasselieferant, Garant für sauberes Wasser und reine Luft, Lebensraum für eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren und hat in gewissen Lagen eine lebensrettende Schutzwaldfunktion." Nicht zuletzt biete er Erholungsraum und trage somit wesentlich zum Wohlbefinden der Menschen bei.

Zielgruppe "nicht-forstliche Öffentlichkeit"

"wald.zeit Österreich" ist als Verein konzipiert. Präsident Hans Resch - gleichzeitig Vorsitzender des Forstausschusses der Landwirtschaftskammer - nannte die gesamte "nicht-forstliche Öffentlichkeit" als Zielgruppe der Kampagne, diese wolle man "über Emotionen" für die Anliegen des Vereins gewinnen. Die österreichische Bevölkerung würde den Wald als hohes Gut empfinden, wünsche sich aber mehr Information dazu, erklärte Resch die aus der oben zitierten Umfrage ("Stellen Sie sich vor, der Wald wäre ein Mensch") gezogenen Schlüsse. Österreich habe außerdem eine international höchst anerkannte Forstwirtschaft und eine innovative Holzforschung. Ein weiteres Ziel der Kampagne werde sein, dies in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, so Resch.

An finanziellen Mitteln habe man pro Jahr rund 500.000 Euro zur Verfügung, erklärte "wald.zeit"-Vizepräsidentin und Geschäftsführerin Hermine Hackl. Konkret wird der Verein aus dem österreichischen Programm für die ländliche Entwicklung 2007-2013 ("LE 07-13") finanziert, das die EU-Kommission im Oktober 2007 abgesegnet hat und für das insgesamt 7,8 Milliarden Euro bereitstehen.

Musical und "Wald-Elmayer"

Weil sich der Verein "wald.zeit" auch als "praktische Umsetzung" des bereits seit vielen Jahren laufenden "Walddialoges" versteht, soll die Kampagne in erster Linie ebendiesen Dialog zwischen der "forstlichen" und der "nicht-forstlichen" Öffentlichkeit forcieren helfen. Bis zum Jahr 2013 sollen daher rund hundert "unkonventionelle und kreative" Projekte umgesetzt werden, in diesem Zusammenhang wurde ein Ideenwettbewerb für zehn- bis 14-jährige Schüler ins Leben gerufen. Geschäftsführerin Hermine Hackl wünscht sich hier dezidiert "nicht den 7.899. Waldlehrpfad, sondern ganz was Neues".

Andere Projekte sind bereits in der Pipeline, unter anderem ein "Benimm-Buch" für Waldbesucher ("Wald-Elmayer"), das gemeinsam mit Thomas Schäfer-Elmayer umgesetzt wurde, und ein Wald-Musical, das im Jahr 2011, dem internationalen Jahr des Waldes, uraufgeführt werden soll. "Wald-Sonderführungen" im Liechtenstein Museum sind ebenso geplant wie Aktionen in Gemeinden, die die Bezeichnung "Wald" oder "Forst" im Ortsnamen tragen, und eine Österreich-Tournee der Wald-Oper "Hänsel & Gretel".

Männlein oder Weiblein?

Apropos: Ob der Wald denn eher männlich oder weiblich sei, das wurden die exakt 1.001 Teilnehmer der Online-Umfrage von marketagent.com ebenfalls gefragt. "Selbstverständlich ein Mann", erläuterte Hackl das Ergebnis, nicht ohne anzufügen, dass dieses "selbstverständlich" "betont sarkastisch" gemeint gewesen sei. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass dieser im Schulnotensystem beantworteten Frage (1="weiblich", 5="männlich") fast zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer die Note 3 gaben, für "männlich" nur ein leichter Überhang besteht. Was wohl nur den einen Schluss zulässt. Der Wald ist ein "cooles", "hilfsbereites", "ehrliches" - und ein androgynes Wesen. (Martin Putschögl, derStandard.at, 11.3.2009)

  • Knapp die Hälfte der Fläche Österreichs, nämlich 47 Prozent, ist von Wald bedeckt. Am 21. März ist "Tag des Waldes", 2011 wird das "internationale Jahr des Waldes" begangen.
    foto: derstandard.at/kraus

    Knapp die Hälfte der Fläche Österreichs, nämlich 47 Prozent, ist von Wald bedeckt. Am 21. März ist "Tag des Waldes", 2011 wird das "internationale Jahr des Waldes" begangen.

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    Minister Niki Berlakovich (li.), Geschäftsführerin Hermine Hackl und Obmann Hans Resch: Charme-Offensive für den "Wunderknaben Wald".

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