Kurzarbeit eingeführt - EU zweifelt an Verkauf

11. März 2009, 18:02
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2.600 Mitarbeiter des Bodenper­sonals werden ab April in Kurz­arbeit geschickt - die EU-Kommission prüft derweil die Übernahme durch die Lufhansa

Wien/Brüssel/Frankfurt - Nur zwei Tage nach dem Besuch in Sachen AUA von Finanzminister Josef Pröll bei EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani hat die EU-Kommission weitere Zweifel an der Übernahme der AUA durch die Lufthansa und der damit verbundenen Staatshilfe angemeldet.
Die Kommission hat "zum gegenwärtigen Zeitpunkt Zweifel, ob der vorgeschlagene Umstrukturierungsplan in seiner notifizierten Form den Bestimmungen der Leitlinien entspricht" , heißt es in einer Mitteilung der EU-Behörde.

Im Detail

Im Detail heißt es: "Durch den Einsatz von Langstreckenflugzeugen auf Mittelstrecken wird keine Verringerung der Flottengröße erfolgen. Die Kommission hat daher Zweifel, ob ausreichende Ausgleichsmaßnahmen vorgeschlagen wurden." Die Kommission hat ferner "Zweifel, ob von den österreichischen Behörden ausreichende Ausgleichsmaßnahmen getroffen wurden, um den Marktverzerrungen zu begegnen, die durch die Umstrukturierung hervorgerufen werden, und ist diesbezüglich besonders an den Bemerkungen Dritter interessiert" . Bei der EU-Kommission sind mehrere Beschwerden über das Verkaufsverfahren und den Umstrukturierungsplan eingelangt: von Ryanair, Robin Hood Aviation, Air France-KLM, British Airways, der Niki Luftfahrt GmbH und einem nicht näher genannter Wirtschaftsverband.
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber glaubt trotz der Querschüsse aus Brüssel und immer größer werdender Verluste bei der AUA, dass der Einstieg klappen wird. "Ich bin Optimist" , sagte Mayrhuber in Frankfurt. Er rechne damit, dass die Bedingungen aus dem Übernahmeangebot erfüllbar seien. "Sollte die AUA unsere Bedingungen aber nicht erfüllen, werden wir nicht einsteigen" , so der Lufthansa-Chef. Mögliche negative Auswirkungen auf das eigene Investment-Grade-Rating habe man beim Kauf "bereits mit gewürdigt" . Ob die eingeleiteten Maßnahmen bei zur AUA-Sanierung reichen, wollte Mayrhuber nicht kommentieren. Basierend auf dem jetzigen Nachfragerückgang, will die AUA heuer 225 Mio. Euro einsparen.

Kurzarbeit am Boden

Ein Schritt dazu ist erfolgt: Mit dem AUA-Bodenpersonal wurde die erwartete Einigung über Kurzarbeit erzielt. Die Verhandlungen mit dem fliegenden Personal würden "zügig" fortgesetzt. Rund 2600 der insgesamt 3600 AUA-Beschäftigten im Bereich Boden sollen ab 1. April zunächst für sechs Monate kurzarbeiten. Zudem gebe es eine Verlängerungsoption. Bei einer Arbeitsreduktion auf 80 Prozent soll es 90 Prozent Entgelt geben, bei 90 Prozent Arbeitszeit 95 Prozent Gehalt. Die Förderung des Arbeitsmarktservice decke die Differenz weitestgehend ab, so die AUA. Weiters würden die Pensionskassenbeiträge der Beschäftigten für ein Jahr um 75 Prozent reduziert und die Laufzeit des aktuellen Kollektivvertrags um zwei Monate verlängert.
Auch die Lufthansa plant eine Ausweitung der Kurzarbeit. Neben 2600 Cargo-Mitarbeitern könnte auf diversen Außenstationen kurzgearbeitet werden, wenn Maßnahmen wie Urlaubs- und Überstundenabbau ausgeschöpft seien. Lufthansa könne es sich auch leisten, 20 Passagierflieger stillzulegen, weil ihr die Flugzeuge gehören und keine Leasing-Raten anfallen. Außer Pakistan wurde keine Strecke gestrichen, sehr wohl aber Kapazitäten gekürzt. Nach einem Gewinn von 1,4 Mrd. Euro für 2008 wurde für das laufende Jahr keine Prognose abgegeben. Ziel sei ein deutlich positives Ergebnis, das allerdings unter dem Vorjahr liegen wird. (mimo, cr, kol, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.3.2009)

 

 

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