Sinn-Fein-Vertreter bei Trauerfeier

11. März 2009, 10:54
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Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Begräbnis, an dem auch zahlteiche Politiker teilnahmen

Belfast  - Hunderte Menschen haben am Freitag in Nordirland bei einer Trauerfeier für einen von Untergrundkämpfern getöteten Polizisten ein Zeichen für den Frieden gesetzt. An der Zeremonie in einer katholischen Kirche im südwestlich von Belfast gelegenen Banbridge nahmen zahlreiche Politiker teil, darunter auch Vertreter der Sinn-Fein-Partei, des ehemaligen politischen Arms der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA).

Nach einer kurzen Versammlung am Wohnhaus des ermordeten Polizisten Stephen Carroll zogen die Trauernden schweigend durch die für den Verkehr gesperrten Straßen von Banbridge zur Kirche. Aus Angst vor Anschlägen kontrollierten Sicherheitskräfte die Gegend mit Spürhunden. Unter den Gästen der Trauerfeier waren der britische Nordirland-Minister Shaun Woodward, der irische Justizminister Dermot Ahern und der nordirische Polizeichef Hugh Orde. Nordirlands Premierminister Peter Robinson und sein Stellvertreter Martin McGuinness waren wegen einer USA-Reise verhindert.

Der Polizist war am Montagabend in der Kleinstadt Craigavon durch einen Kopfschuss getötet worden. Zu dem Anschlag bekannte sich eine Splittergruppe der IRA. Dass erstmals auch zwei Vertreter der Sinn-Fein-Partei an einer Trauerfeier für einen Polizisten teilnahmen, wurde als Zeichen für den fortgeschrittenen Friedensprozess in Nordirland gewertet. Die Gewalt zwischen Katholiken und Protestanten war nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 weitgehend beendet worden. Vor zwei Jahren einigten sich die protestantische Unionistenpartei (DUP) und die Sinn Fein auf eine gemeinsame Regierungsbildung.

Protestanten loben Sinn Fein

Der Sprecher der protestantischen Organisation Ulster Defence Association (UDA), Jackie McDonald, würdigte das Verhalten von Sinn Fein als "sehr mutig". Die Gemeinschaft fühle sich dadurch in dem Gefühl bestärkt, dass nicht mehr die Lagerzugehörigkeit zähle, sondern das gemeinsame Streben nach dem Erhalt des Friedens. Und auch der als Hardliner bekannte Protestantenführer Ian Paisley sah einen Beweis der "Entschlossenheit, nie mehr in die blutige Vergangenheit" zurückkehren zu wollen, wie er in der Zeitung "News Letter" schrieb.

Die Witwe des getöteten Polizisten rief zu einem Ende der Gewalt in Nordirland auf. Sie hoffe darauf, dass sie die letzte Leidende in dem Konflikt sei, sagte Kate Carroll in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. Ihr Mann war der erste Polizist seit zehn Jahren, der in Nordirland getötet wurde. Zwei nach der Tat festgenommene 37 und 17 Jahre alte Männer müssen zu Befragungen weitere fünf Tage in Polizeigewahrsam bleiben.

Zwei Tage vor dem Mord an dem Polizisten waren zwei 21 und 23 Jahre alte Soldaten in Antrim nordwestlich von Belfast erschossen worden. Ihrer war bereits am Donnerstag in einer Trauerfeier in ihrer Kaserne gedacht worden. Zu der Tat hatte sich eine weitere IRA-Abspaltung bekannt. Die Taten riefen in Nordirland Sorge um ein erneutes Aufflammen des blutigen Konflikts hervor. (APA)

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    Der Trauerzug kurz vor der Ankunft am Friedhof 

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