Drohende Gefahr rechtzeitig erkennen

11. März 2009, 10:28
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Riss-Wahrscheinlichkeit von Aneurysmen wird demnächst vielleicht besser abschätzbar - Simulationswerkzeug für Arterien soll in vier Jahren zur Verfügung stehen

Graz - Ein System, das die Gefahr von Gefäßerweiterungen - sogenannten Aneurysmen - abschätzen hilft, wollen Biomechaniker an der Technischen Universität Graz in Kooperation mit Experten der nordamerikanischen Universitäten Stanford, Pittsburgh und Texas A&M entwickeln. Das ausgeklügelte Berechnungssystem soll schon bald  für Lehre und Forschung kostenlos zur Verfügung stehen, meldete die TU Graz am Mittwoch.

Akute Lebensgefahr

Arterien können im Alter verkalken oder sich erweitern. Eine starke Erweiterung wird als Aneurysma bezeichnet. Unbehandelt kann es sich wie ein Ballon so lange vergrößern, bis es infolge des Blutdruckes reißt. "Weitet sich die Gefäßwand einer Arterie aus, kann sie ab einer gewissen Dehnung dem Druck des Blutes nicht mehr standhalten und reißt. Die Folge ist akute Lebensgefahr durch innere Verblutung", erklärt Gerhard A. Holzapfel vom Institut für Biomechanik der TU Graz.

Analysen und Prognosen

Das jüngst angelaufene, auf vier Jahre angelegte amerikanisch-österreichische Forschungsprojekt soll das erste Simulationswerkzeug für Arterien hervorbringen, das die Entstehung von Aneurysmen analysiert und möglichst genaue Vorhersagen für den weiteren Krankheitsverlauf ermöglicht. Das Simulationsverfahren soll unter Berücksichtigung aller biologischen, mechanischen und chemischen Faktoren patientenspezifisch feststellen, ob ein Riss des Aneurysmas droht und ein operativer Eingriff notwendig ist. Die Forscher der TU Graz konzentrieren sich besonders auf die mechanische Belastbarkeit von gesunden und erkrankten Arterienwänden.

In vier Jahren soll das Forschungsprojekt im Auftrag des US-National Institute of Health abgeschlossen und das "Endprodukt" kostenlos zur weltweiten Verwendung angeboten werden. "Damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss, wollen wir eine Plattform schaffen, auf die jeder zugreifen und aufbauen kann", so Holzapfel. Das Open Source-Tool soll in der Ausbildung von Medizinern eingesetzt werden und chirurgische Eingriffe virtuell simulierbar machen. Das gesamte Projekt wird über die vierjährige Laufzeit mit zwei Millionen US-Dollar (1,56 Mio. Euro) unterstützt. (APA)

 

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