P2P-Netzwerk hilft Herzpatienten

11. März 2009, 08:56
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Günstige Monitoring-Lösung für Entwicklungsregionen

Für Patienten mit chronischen Erkrankungen verspricht ein ständiges Telemonitoring relevanter Vitaldaten schnelle Hilfe in Notfällen. Um dies Realität werden zu lassen, setzt ein südafrikanisch-australisches Forscherteam auf ein geeignetes P2P-Netzwerk. Sie haben am Beispiel einer Herz-Monitoring-Lösung die Machbarkeit solch eines Systems gezeigt, das verschiedene Vorteile verspricht. Da der P2P-Ansatz auf zentrale Server verzichtet, besteht kein Risiko der Überlastung. Eine gute Skalierbarkeit ist gegeben und vor allem verspricht die Lösung eine kostengünstige Versorgung auch in Entwicklungsregionen. "Manchmal geht es einfach darum, ob man irgendein Feedback von einem Arzt oder Patienten mit ähnlichen Problemen bekommen kann oder gar nichts", betont Hanh Le, Informatikerin an der Universität Kaptstadt.

Überwachungssystem

Immer portablere Sensoren stellen die Möglichkeit in Aussicht, Daten über den Gesundheitszustand eines Patienten laufend zu sammeln und an ein Überwachungssystem zu übertragen. So kann die medizinische Versorgung in Notfällen oder das Anpassen von Medikamentendosen je nach aktuellem Gesundheitszustand erleichtert werden. Werden aber größere Patientenzahlen überwacht, könnte die entstehende Datenflut einen zentralen Server leicht überlasten. Daher setzt das Forscherteam darauf, stattdessen ein P2P-Netzwerk zu nutzen, wie es vielen Internet-Nutzern etwa vom Filesharing bekannt ist. Die Wissenschaftler haben am Beispiel eines Monitoring-Systems für Herzpatienten mit EKG-Einheiten gezeigt, wie ein geeignetes P2P-Netz aufgebaut werden kann und sind überzeugt, auf dieser Basis schnell ein einsatzfähiges E-Health-System entwickeln zu können.

Für Entwicklungsregionen sehr interessant

Mit dem Handy als Mittelsmann zwischen Sensoren und den Rechenressourcen des P2P-Netzwerks wäre die Lösung gerade für Entwicklungsregionen sehr interessant, glaubt Le. "Die Mehrheit der Bevölkerung in Afrika kann sich medizinische Versorgung, den Transport in eine Klinik und vor allem einen Spitalsaufenthalt nicht leisten. Aber mehr als 70 Prozent der südafrikanischen Bevölkerung haben ein Handy", erklärt die Informatikerin. Ein kostenloses P2P-Netzwerk könnte dementsprechend vielen Patienten helfen, die sonst ganz ohne Hilfe auskommen müssten. Kosten wie etwa für die nötigen Sensoren würden nur einmalig entstehen.

Der Ansatz der Wissenschaftler aus Kapstadt und eines Kollegen an der University of Technology in Sydney wird demnächst im "International Journal of Computer Applications in Technology" näher vorgestellt. Die praktische Umsetzung könnte schon bald erfolgen. Zwar sei der Start von verschiedensten Faktoren abhängig, doch sie hoffe, das System bis Jahresende anbieten zu können, so Le. (pte)

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